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BLKÖ:Nostitz-Rieneck, Hermann Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 20 (1869), ab Seite: 399. (Quelle)
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Nostitz-Rieneck, Hermann Graf (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. auf der gräfl. Nostitz’schen Herrschaft Thürmitz in Böhmen 29. Juli 1812). Ein Sohn des Commandeurs des Maria Theresien-Ordens Johann Nepomuk [s. d. S. 401] aus dessen zweiter Ehe mit Antonia Gräfin Schlik. Bei seiner Vorliebe für den Kriegerstand trat Graf Hermann im Alter von 18 Jahren in das 8. Kürassier-Regiment, wo er in kurzer Zeit Officier wurde. Im Mai 1833 verlieh ihm sein Vater im 7. Chevauxlegers-Regimente, dessen Inhaber er war, eine Rittmeisterstelle. Aus demselben kam er im December 1842 als Major in das Huszaren-Regiment Nr. 8 und aus demselben im Jahre 1843 in gleicher Eigenschaft zu Civalart-Uhlanen, wo er im Jahre 1845 zum Oberstlieutenant vorrückte. Als solcher zog er 1848 in den Kampf gegen die ungarischen Insurgenten. Während der Wintercampagne 1848 fand er wenig Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Um so reichlichere sollte er im Sommerfeldzuge 1849 finden. In der Schlacht bei Kapolna am 27. Februar 1849 that er sich bei der Erstürmung des Dorfes Káal durch eine glänzende Attaque mit seiner Division zum ersten Male hervor. Dann in das zweite, von dem Feldmarschall-Lieutenant Csorich befehligte Armeecorps[WS 1] eingetheilt, zeichnete er sich bei Nyárasd, am 20. Juni, und bei St. Pál auf der Insel Schütt, am 1. Juli, aus, als die Insurgenten Ausfälle aus der Festung Komorn unternommen hatten. Im Mai zum Obersten und Regimentscommandanten befördert, befand er sich bei der Brigade Barco am rechten Donauufer und feierte am 3. August seinen eigentlichen Ehrentag als Krieger. Die Brigade wurde am genannten Tage bei Puszta Harkály von 10.000 Insurgenten mit 30 Geschützen angegriffen. Um 1 Uhr Mittags war es dem Feinde bereits gelungen, unsere schwache Brigade nahezu einzuschließen. Mit seiner [400] Uebermacht und von einem heftigen Geschützfeuer unterstützt, drängte er auf den rechten Flügel unserer Aufstellung. Oberst Graf Nostitz mit fünf Zügen und einer halben Geschützbatterie unter Oberlieutenant Scherpon deckte die so sehr gefährdete rechte Flanke der Stellung. Bald überblickte er die drohende Gefahr der Unseren, die voller Vernichtung preisgegeben waren, wenn nicht rechtzeitige Hilfe kam. Es galt vor Allem, den siegestrunkenen Gegner in seinem Vordrängen aufzuhalten, und zu diesem Zwecke ergriff Oberst Nostitz sofort die Offensive. Dabei verwendete er seine Uhlanen und die drei Geschütze so wirksam, daß der stutzig gewordene Gegner seine Einschließungspläne alsbald aufgeben mußte und auch nicht weiter vordrang. Indessen konnte die Brigade den begonnenen Rückzug durch ein sumpfiges und sonst sehr unvortheilhaftes Terrain nach Puszta Lovád antreten. Aber der Gegner blieb auch nicht müssig, mit seinen Geschützen beschoß er unsere zurückweichenden Truppen und mit einer aus allen Waffengattungen zusammengesetzten starken Colonne vereitelte er unsere Absicht, bei Acs feste Stellung zu nehmen. Als nun gar die feindlichen Huszaren heransprengten und die Lage der Brigade immer gefährlicher wurde, warf sich Graf Nostitz mit dem Major Graf Coudenhove an der Spitze seines bis auf 80 Mann zusammengeschmolzenen Uhlanenhäufleins mit todesmuthigem Ungestüm den heransprengenden Huszaren-Schwadronen entgegen, hielt sie auf, brachte sie in Unordnung und veranlaßte sie, indem indessen auch unsere Infanterie feste Haltung genommen hatte, die weitere Verfolgung aufzugeben. Erst gegen 7 Uhr Abends erreichte die todesmüde Brigade den Meierhof von Puszta Lovád. Dort fand sie ein frisches, mit einer sechspfündigen Batterie versehenes Detachement, welches Oberst Nostitz mit dem Reste seiner Uhlanen vereinigte und mit demselben die Nachhut bildete, unter deren Deckung die Brigade ihren Rückzug über die Brücke nach Nagy Lel auf der Schütt bewerkstelligte. Als um acht Uhr Abends auch der Graf mit seiner Nachhut unter dem Kartätschenfeuer des verfolgenden Feindes die Brücke passirt hatte, ließ er noch die Brücke zur Sicherung des Rückzuges abbrechen. Für diese Waffenthat, durch welche drei Bataillone Infanterie und die der Brigade beigegebene Feld-Artillerie vor gewisser Vernichtung oder doch vor Gefangennahme gerettet wurden, erhielt der Oberst in der 157. Promotion (vom 26. März 1850) das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Am 16. August 1851 wurde Graf N. zum General-Major befördert und erhielt eine Brigade im 11. Armeecorps; als Brigadier wechselte er öfter seine Bestimmung, so kam er im Jahre 1855 zum 1. Cavallerie-Armeecorps, im Jahre 1858 zum 1. Infanterie-Armeecorps, im Jahre 1859 wieder zum 1. Cavalleriecorps, wurde dann am 1. März d. J. Feldmarschall-Lieutenant und Divisionär beim 1. Armeecorps in Prag, im Jahre 1865 bei dem Landes-Generalcommando zu Hermannstadt zugetheilt und später 2. Inhaber des 13. Uhlanen-Regiments. Der Graf ist seit 9. April 1839 mit Wilhelmine gebornen Fürstin von Auersperg vermält, aus welcher Ehe zwei Söhne vorhanden sind, die Grafen Albert und Karl, von denen der Erstere als Officier in einem kaiserlichen Cavallerie-Regimente dient.

Oesterreichischer Soldatenfreund. Zeitschrift für militärische Interessen. Herausg. [401] von J. Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien, 4°.) IV. Jahrgang (1851), S. 106: Ehrenhalle Nr. XXVII. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 1697, 1754. – Oesterreichischer Militär-Kalender, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, kl. 8°.) II. Jahrgang (1851), S. 254. – Porträt. Kriehuber (lith.), als k. k. Oberst (Wien, Neumann, Halb-Folio u. 4°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Armeecops.