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BLKÖ:Nimptsch Freiherr von Fürst und Kupferberg, Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Nikorowicz, Joseph
Band: 20 (1869), ab Seite: 360. (Quelle)
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Nimptsch Freiherr von Fürst und Kupferberg, Joseph Graf (General der Cavallerie und Ritter des Maria Theresien-Ordens. geb. zu Malecz in Preußisch-Schlesien im Jahre 1755, nach Kneschke erst im Jahre 1763, gest. zu Wien 3. Jänner 1838). Entstammt einem alten, ursprünglich polnischen, im Jahre 1697 in den Reichsgrafenstand erhobenen Adelsgeschlechte. Seine militärische Ausbildung erhielt der Graf in der Wiener-Neustädter Militär-Akademie, welche er als Cadet im Alter von 16 Jahren verließ. Ein Jahr später, im Jänner 1772, wurde er Lieutenant bei Kaiser-Kürassieren, in welchem Regimente er stufenweise zum Major vorrückte und als solcher den Türkenkrieg mitmachte. Bei Würzburg im Jahre 1796 that sich [361] N. als Oberstlieutenant so hervor, daß er zum Obersten im 2. Chevauxlegers-Regiments, damals Karaczay-Dragoner, befördert wurde. Die Feldzüge der Jahre 1799 und 1800, welche er in Italien mitmachte, gaben ihm Gelegenheit zu neuen Heldenthaten. In der Schlacht an der Trebbia (17. Juni 1799) war am ersten Schlachttage die kaiserliche und die kaiserlich russische Armee bereits zwischen San Giovanni und den Tidonefluß vorgerückt, als die Franzosen plötzlich drei auf dem rechten Flügel postirte Kosaken-Regimenter zurückwarfen, die Infanterie umgingen und in Flanke und Rücken zugleich angriffen. Graf Nimptsch erkannte sofort die gefährliche Lage unserer und der russischen Truppen und führte sogleich einen Theil seines Regiments zum Angriffe des Feindes. Dieser, obgleich viel stärker als die Unseren, wurde durch den ebenso raschen als energischen Angriff mit beträchtlichem Verluste zurückgeworfen; es wurden dabei 2 Stabs-, 6 Oberofficiere und 300 Mann zu Gefangenen gemacht, der Rest der zersprengten feindlichen Abtheilungen aber in den Tidonefluß gejagt. Die bei der französischen Armee eingetheilte polnische, von dem General Dombrowski befehligte Legion zog sich bei dieser Gelegenheit gegen das Gebirge zurück. Als Graf Nimptsch dieß gewahr wurde, griff er sie mit zwei Schwadronen seines Regiments unverweilt an, warf und zersprengte sie und machte wieder einen Stabs-, mehrere Oberofficiere und 230 Mann zu Gefangenen, eroberte eine Kanone, zwei Munitionskarren und eine Fahne. Nicht minder that er sich am Tage der Hauptschlacht hervor, an welchem er mit einem Theile seines Regiments den rechten Flügel des russischen Armeecorps zu unterstützen Befehl hatte. Die im hartnäckigen Kampfe bereits zum Wanken gebrachten russischen Abtheilungen waren der Gefahr ausgesetzt, von einer starken feindlichen Colonne in der Flanke angegriffen zu werden. Da schritt Oberst Graf Nimptsch mit seiner Cavallerie zur Attake, warf die feindliche Colonne zurück und nahm nebst mehreren Stabs- und Oberofficieren 400 Mann gefangen, die Russen aber, die indessen Zeit gewannen, sich wieder zu sammeln, schritten zu erneuertem Angriffe vor. Zwei Tage später, bei der Verfolgung des Feindes, bei welcher Graf N. die Vorhut führte, stieß er bei San Giorgio jenseits der Nura auf die feindliche Nachhut, die etwa fünftausend Mann Infanterie und Cavallerie und acht Geschütze stark war. Diese sofort anzugreifen, war des Obersten alsbald gefaßter Entschluß. Er setzte durch die Nura und führte sein Vorhaben so rasch und energisch durch, daß der Feind beträchtliche Verluste erlitt, ungerechnet mehrere hundert Gefangene, darunter Stabs- und Oberofficiere und etliche Geschütze. Indessen war auch die kais. russische[WS 1] Infanterie nachgerückt, passirte schwimmend die Nura, schloß sich den den Feind verfolgenden Abtheilungen des Grafen N. an und zwang nach einer vierstündigen Verfolgung, innerhalb welcher der Feind neuerdings 1200 Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen verloren hatte, den Rest zur Waffenstreckung. Zwei Monate später that sich Oberst Graf N. in der Schlacht bei Novi (15. August) hervor, in welcher er zur Unterstützung der Russen mit einem Theile seines Regiments auf ihrem rechten Flügel aufgestellt war. Schon fing an der Feind auf dem rechten Flügel und im Centrum zu weichen; da gewahrte Oberst Graf N., daß der Feind bei dem Dorfe Pasturana mit der Artillerie [362] durch ein Defilé zu passiven beginne. In diesem Momente drang er mit zwei Schwadronen seines Regiments auf den Feind ein, der in Folge dieses unerwarteten[WS 2] Angriffes bald in Unordnung gerieth; durch diesen günstigen Erfolg wurde nun auch eine vom General Karaczay angeordnete Attaque, welche 3 Schwadronen des 5. Huszaren-Regiments vereint mit den Russen unternahmen, wesentlich unterstützt, der Feind erlitt dabei namhafte Verluste an Todten, Verwundeten und Gefangenen, an 21 Geschützen und 30 Munitionskarren. In einem an Se. Majestät den Kaiser gerichteten Schreiben des Feldmarschalls Suwarow wurde die ausgezeichnete Tapferkeit des Regiments Karaczay-Dragoner, des Obersten Grafen Nimptsch und mehrerer Oberofficiere besonders hervorhoben und die letzteren der Gnade Sr. Majestät empfohlen. Graf N. wurde in Folge dessen im März 1800 zum General-Major befördert und zugleich mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. In der bald darauf gefolgten Schlacht bei Marengo hatte Graf N. Befehl, mit seiner Brigade auf Alexandria zu rücken, um den Rücken der kaiserlichen Armee gegen die Reiterschaaren des Generals Suchet zu decken, welchen Auftrag General N. mit ebensoviel Umsicht als Entschlossenheit ausführte. Nach dem Luneviller Frieden wurde der Graf zum Obersthofmeister bei Sr. kais. Hoheit dem Erzherzog Johann Johannernannt. Diesen Posten versah der Graf, der im Jänner 1808 zum Feldmarschall-Lieutenant, im November 1827 zum General der Cavallerie befördert worden war, bis zu seinem im Jahre 1838 im Alter von 83 Jahren erfolgten Tode. Graf Nimptsch war zweimal vermält, zum ersten Male (seit 8. Februar 1862) mit Maria Elisabeth Grafen Khevenhüller-Frankenburg (geb. 17. October 1776, gest. 8. März 1803), zum zweiten Male mit Augusta Gräfin Marcolini. Die aus beiden Ehen entsprossene Nachkommenschaft wird in den Quellen aufgeführt.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) Theil I, S. 645. – Leitner von Leitnertreu (Theod. Ign.), Ausführliche Geschichte der Wiener-Neustädter Militär-Akademie (Hermannstadt 1852, Theodor Steinhausser, 8°.) Bd. I, S. 460 [nach diesem wäre Graf Nimptsch schon im Jahre 1768, also im Alter von 13 Jahren, Lieutenant bei Stauppach-Kürassieren Nr. 5 gewesen, was denn doch wohl nicht recht glaublich ist].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: russiche.
  2. Vorlage: unerwarten.