Zum Inhalt springen

BLKÖ:Neumann, Karl August

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Neumann, Leopold
Band: 20 (1869), ab Seite: 271. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Karl August Neumann (Chemiker) in der Wikipedia
Karl August Neumann in Wikidata
GND-Eintrag: 10082806X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Neumann, Karl August|20|271|}}

Neumann, Karl August (Naturforscher, geb. zu Großbothen in Sachsen 6. April 1771, gest. zu Prag 10. Februar 1866). In den Jahren 1783–1785 besuchte er die Stadtschule in Grimma, dann, 1785–1788, eine Privatlehranstalt in Leipzig mit gleichzeitiger Verwendung bei Handelsgeschäften; trat darauf in eine Fabrik in Gera, 1788–1793, in deren Angelegenheiten er in den Jahren 1790–1791 eine zehnmonatliche Reise durch einen großen Theil der österreichischen Monarchie (Böhmen, Mähren, Schlesien und Galizien), durch Polen, die Moldau, Rußland und Preußen machte. Im Jahre 1793 ging er nach Jena und hörte an der dortigen Universität Cameralwissenschaften. Nun begab er sich im Jahre 1796 nach der dänischen Insel Alsen, wo er sich durch sechs Jahre mit Unterricht in den Handelswissenschaften, bei Bauführung und Gründung einer Fabrik befaßte, in deren Angelegenheiten er auch im Jahre 1800 Dänemark, Norwegen und Schweden bereiste. Im Jahre 1802, damals 31 Jahre alt, kam er nach Oesterreich. und zwar nach Böhmen in die Kattunfabrik von Franz Leitenberger [Bd. XIV, S. 334, im Texte] in Josephsthal und Kosmanos, wo er durch fünf Jahre an der Leitung dieser Fabrik Theil nahm und im Jahre 1805 ein mechanisches Atelier zur Erbauung von Spinnmaschinen auf eigene Rechnung einrichtete. Durch die im Jahre 1803 gemachte Bekanntschaft Franz Joseph Gerstner’s [Bd. V, S. 161] wurde N. in die neue Laufbahn eingeführt, auf welcher er durch eine Reihe von Jahren so ersprießlich gewirkt hat. In jene Zeit nämlich fiel die Errichtung des technischen Institutes in Prag, für das neben anderen Lehrämtern auch jenes der Chemie zu besetzen war. Der dafür gewonnene erste Professor Johann Andreas Scheerer, vertauschte diese Stelle bald, 1806, mit einer Professur der Naturgeschichte an der Wiener Universität und nun forderte Gerstner den ihm bekannten Neumann geradezu auf, an Scheerer’s Stelle zu treten. Neumann machte sofort im Jahre 1807 den vorgeschriebenen Concurs, übernahm im October über Gerstner’s Berufung die Supplirung und wurde im Juli 1808 definitiv als Professor angestellt. Bis zum Jahre 1817 blieb er im Lehramte thätig und hatte während dieser Zeit zahlreiche Gutachten in Commerzangelegenheiten zu erstatten. Nach dem Tode des Commerzienrathes Rösler wurde Neumann am 2. April 1817 zum Commerzrathe mit dem Charakter eines k. k. wirklichen Gubernialrathes ernannt und indessen seine Stelle von dem derzeitigen Adjuncten supplirt. Bis zum Jahre 1852 blieb N. im Dienste, nun, im Alter von 81 Jahren, trat er in den Ruhestand. Um Böhmens Industrie – durch vier Jahrzehende der thätigste Förderer ihrer Entwickelung – hat er wie kaum Einer große Verdienste. Seit dem Jahre 1808 war er officiöses Mitglied der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft in Böhmen; in den Jahren 1818–1822 [272] hat er viel für die Hebung der Flachscultur in Böhmen gewirkt; in den Jahren 1817–1826 war er Vorstand der Commerz- und Fabriks-Inspection in Böhmen. Ferner hatte er wesentlichen Antheil an der Gründung des Vereins zur Ermunterung des Gewerbsgeistes in Böhmen und war seit dem Jahre 1835 viele Jahre eines der thätigsten Directionsmitglieder desselben; er war es auch, der schon zu Anfang dieses Jahrhunderts die Zuckerfabrikation aus Runkelrüben in Böhmen angeregt hat. Die Gewerbsproducten-Ausstellungen für Böhmen in Prag in den Jahren 1828, 1829, 1831, 1834 und 1836 fanden unter seiner unmittelbaren Leitung statt. Frühzeitig als technischer und industrieller Schriftsteller thätig, hat N. theils mehrere größere selbstständige Werke herausgegeben, theils aber an zahlreichen technischen, industriellen und anderen Blättern fleißig mitgearbeitet. Die von N. selbstständig herausgegebenen Werke sind in chronologischer Folge: „Die Behandlung der Feuerwärme, besonders bei Erhitzung und Abdämpfung tropfbarer Flüssigkeiten, nach physikalisch-chemischen Grundsätzen. Versuch eines Handbuchs für Oekonomen und Fabrikanten“ (Altona 1799. 8°.); – „Ueber die zur Behandlung der Feuerwärme beim Erhitzen und Destilliren tropfbarer Flüssigkeiten erforderlichen Anstalten, nebst Beschreibung hölzerner Koch- und Destillirgeräthschaften“ (Altona 1800, 8°.); – „Lehrbuch der Chemie mit besonderer Hinsicht auf Technologie“, I. Band (Leipzig 1810, 8°.), mehr ist nicht erschienen; – „Vergleichung der Zuckerfabrikation aus in Europa einheimischen Gewächsen mit der aus Zuckerrohr in Tropenländern mit Bezug auf Staats- und Privatwirthschaft“ (Prag 1837, 8°.); – „Chemie, als natürliche Grundlage wissenschaftlicher Natur- und Gewerbskunde“ u. s. w. (Prag und Frankfurt a. M. 1842, Fol.). In den Jahren 1813–1816 gab er das Journal: „Vaterländisches Magazin“ in 4 Bänden heraus. Von seinen zahlreichen, in Fachblättern abgedruckten Mittheilungen sind bemerkenswerth, in Scheerer’s „Allgemeinen Journal der Chemie“: „Ueber Veredlung des Tabaks“ (Bd. VII, 1801); – „Ueber hölzerne Kochgeräthschaft, über eine Voltaische Walzenbatterie und über Auflösung des Kupfers in Branntwein“ (Bd. VIII u. IX, 1802); in Schweigger’s „Neues Journal für Physik und Chemie“: „Erfahrungen und Bemerkungen über die Methoden von Deyeux, Barruel, Isnard, Drapiez, Hermbstädt und Achard zur Darstellung des Zuckers aus Runkelrüben“ (Bd. IV, 1812); – „Ueber Platingefäße“ (Bd. IX, 1813); – „Ueber salzsaures Kupfer“ (Bd. XIII, 1815); – in Ludw. Wilh. Gilbert’s „Annalen der Physik“: „Der verwünschte Burggraf, ein Meteorolith in Ellbogen“ (Bd. XLII, 1812); – „Ueber Meteorolithen“ u. s. w. (XLIV, 1813); sonst schrieb er noch für Göttling’s „Taschenbuch für Scheidekünstler“ (1798), für Niemann’s „Schleswig-Holstein’sche Blätter“ (1799); für André’s „Patriotisches Tageblatt“ (1802), für desselben „Hesperus“ und „Oekonomische Neuigkeiten und Verhandlungen“ (1809 u. 1811); für den „Wirthschaftskalender der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft in Prag“ (1820–1822); für die „Zeitschrift des böhmischen Museums“ (1827); für die „Bohemia“ und die „Prager Mittheilungen für Gewerbe und Handel“. Der Verein zur Ermunterung des Gewerbsgeistes in Böhmen, dessen wirkendes Mitglied er seit 1834 war, hatte ihn im Jahre 1854 wegen seiner Verdienste um den Verein und um die [273] Landesindustrie zum Verdienst-Mitgliede, die Universität Jena aber bei Gelegenheit ihrer dreihundertjährigen Jubiläumsfeier im Jahre 1859 als einen ihrer ältesten lebenden Zöglinge zum Ehrendoctor ernannt. Im Jahre 1866 starb N. im hohen Greisenalter von 95 Jahren.

Literarisches Centralblatt für Deutschland, herausg. von Friedr. Zarncke (Leipzig, Avenarius, 4°.) Jahrg. 1866, Sp. 268 [nach diesem gest. am 6. Februar 1866]. – Jellinek (Carl Dr.), Das ständische polytechnische Institut zu Prag (Prag 1856, Gottlieb Haase, 8°.) S. 205. – Bohemia (Prager polit. und Unterhaltungsblatt, 4°.) 1861, Nr. 83, S. 770. – Wiener Zeitung 1868, Nr. 36, S. 464. – Oesterreichische Ehrenhalle (von Dr. Joh.[WS 1] Ritter von Hoffinger), IV. Folge (1866), S. 76 [Separatabdruck aus dem österreichischen Volks- und Wirthschafts-Kalender für 1868 (Wien, Prandel, gr. 8°.); nach diesem gest. am 10. Februar 1866]. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Johann Ambr. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 274.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Jos.