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BLKÖ:Neruda, die Künstlerfamilie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Neruda (Polka)
Band: 20 (1869), ab Seite: 190. (Quelle)
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Neruda, die Künstlerfamilie (Virtuosen, gebürtig aus Mähren). Zeitgenossen. Es waren ursprünglich zwei Brüder und zwei Schwestern, von denen die beiden letzteren, Maria und Wilhelmine[WS 1] als Virtuosinen einen Ruf erlangten, daß sie mit dem berühmten Geschwisterpaare Milanollo wetteiferten. Später aber erscheint meist Wilhelmine allein genannt, deren Ruf als Violinkünstlerin bald weit verbreitet war. – Wilhelmine (geb. zu Brünn um das Jahr 1839), ist die Tochter des Domorganisten zu Brünn und erhielt gleich ihren Geschwistern den Unterricht in der Musik, in der sie bald Ungewöhnliches leistete, von ihrem Vater. Bereits im Jahre 1845, damals ein sechsjähriges Mädchen, ließ sich Wilhelmine in Brünn auf der Violine öffentlich hören, während ihre damals zehnjährige Schwester Maria – diese Schwester wird auch hie und da irrthümlich Amalie genannt – sie auf dem Fortepiano begleitete. Der Erfolg war ein überraschend günstiger. Um das seltene Talent zu verwerthen, begab sich die Familie auf Kunstreisen, besuchte die größeren Städte Oesterreichs und Deutschlands, überall mit ihren Concerten schöne Erfolge erzielend. Im Jahre 1852 begab sich die Familie nach Rußland, [191] ließ sich in St. Petersburg hören, aber dort starb einer der Brüder eines plötzlichen Todes. Nun besuchten sie die verschiedenen Länder des Continents und kamen im Jahre 1862 in die nordischen Königreiche, wo sie in Stockholm allein 38 Concerte gaben; darauf begaben sie sich nach Kopenhagen, fanden daselbst bei Hof die freundlichste Aufnahme, der König, Prinz Friedrich, und Prinzessin Anna zeichneten die Familie aus und Wilhelmine erhielt für ihr virtuoses Spiel von dem Könige die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Gleich günstige Erfolge feierten sie in Christiania. Aus dem Norden kehrten sie wieder in ihre Vaterstadt Brünn zurück, wo das Quartett Neruda ebenso von Musikkennern geschätzt wurde, wie in Wien die Quartette Hellmesberger’s und Laub’s. Im Jahre 1864 löste sich jedoch das Quartett Neruda auf, ein Sohn folgte einem Rufe an das Orchester des k. Hoftheaters in Kopenhagen. Der Anstand bei seiner Anstellung, den man in seiner Eigenschaft als „Oesterreicher“ – es war zur Zeit des Dänenkrieges – anfänglich finden wollte, wurde durch den Minister Präsidenten Monrad beseitigt. Wilhelmine aber verheirathete sich mit dem schwedischen Hofcapellmeister Ludwig Normann, mit welchen die Trauung zu Brünn am 27. Jänner 1864 stattgefunden hatte und dem sie nun in ihre neue Heimat nach Stockholm folgte. Der König hatte schon im J. 1862 die junge Künstlerin zur Hofvirtuosin ernannt.

Sonntagsblätter (Wien, Pfautsch u. Co., 8°.) Jahrg. 1845; S. 495. – Moravia (deutsches, in Brünn erschienenes Unterhaltungsblatt, 4°.) Jahrgang 1845, Nr. 59. – Mährischer Correspondent (Brünner polit. Blatt) 1862, Nr. 110; – dasselbe Blatt, 1863, Nr. 270: „Quartett-Production der Familie Neruda“. – Zellner’s Blätter für Musik, Theater u s. w. (Wien, kl. Fol.) 1862, Nr. 30, S. 120. – Fremden-Blatt von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1864, Nr. 164. – Wiener Zeitung 1864, Nr. 25, S. 340. – Dalibor (Prager čechisches Musikblatt). Redigirt von Em. Melis, 1862, Nr. 19, S. 147. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Wilhelmine Neruda (Wikipedia).