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BLKÖ:Nerly, Federigo

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Neruda, Johann
Band: 20 (1869), ab Seite: 186. (Quelle)
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Nerly, Federigo (Maler, geb. zu Erfurt im Jahre 1807). Ein Deutscher von Geburt und Erziehung, schreibt er sich als solcher Friedrich Nehrlich und wird auch Nerlich geschrieben gefunden, hat aber unter besonders glücklichen Umständen in Italien, und zwar in Venedig – seit 1840 – ein dauerndes Heim gefunden und der italienischen Sprachweise seines Namens auch dessen Schreibung angepaßt. In früher Jugend schon zeigte N. ausgesprochenes Talent für die Kunst, er kam nach Hamburg, wo er in einer lithographischen Anstalt verwendet wurde, und ein glücklicher Zufall führte ihn mit dem bekannten Kunstfreunde Baron von Rumohr zusammen, der sich für den talentvollen Jungen lebhaft interessirte und bald sein Lehrer und Schützer wurde. Unter dieser Anleitung machte N. treffliche Fortschritte, was die Theilnahme seines Mäcens steigerte, dessen Bemühungen endlich den Erfolg hatten, daß der noch sehr junge Künstler auf Staatskosten nach Italien geschickt wurde, um dort sich vollends auszubilden. Im Jahre 1829, damals erst 22 Jahre alt, war N. bereits in Rom wo er bei seinen natürlichen Anlagen bald Arbeiten vollendete, welche die Aufmerksamkeit der dort lebenden Künstler und die ewige Stadt besuchenden Fremden erregten. Am meisten machten ihn zuerst einige Bilder bekannt, die er für Thorwaldsen gemalt; nun kamen die Aufträge von allen Seiten, namentlich von König Ludwig von Bayern. Dabei machte ihn sein ungemein heiteres, von Witz und Lustigkeit übersprudelndes Wesen bald zum Lieblinge der damals in Rom und in der Nachbarschaft hausenden deutschen Künstler, unter denen zu jener Zeit – der goldenen des römischen Künstlerlebens – ein Geist waltete, wie er heute kaum mehr geahnt wird, geschweige erst zu finden ist. Seine Kunstcollegen hatten N. zu ihrem Generale ernannt und er übte, neben seinem künstlerischen Wirken, dieses Amt mit einer Alles belebenden Gewissenhaftigkeit aus. Unter seiner Anführung wurden die Spazierritte in die malerische Campagna di Roma unternommen und bei diesen Gelegenheiten trug er immer einen kurzen Uhlanenmantel und einen Tschako à la Poniatowski. Die eigentliche Höhe seines Humors erstieg er bei dem jährlichen Besuche der Höhlen von Cervara in Roms Nähe, an dem auch zahlreiche Fremde Theil zu nehmen pflegten, die bei dieses Gelegenheit den scherz- und lustsprühenden Nehrlich kennen lernten. Von Rom aus besuchte N. mehrere Städte Italiens und begab sich nach einem mehrjährigen Aufenthalte im Jahre 1840 nach Venedig, wo ein neuer, nicht minder amüsanter Roman seines Lebens und mit einem Ausgange, der nichts zu wünschen übrig ließ, begann. In Venedig hatte er nämlich eine schöne Venetianerin kennen gelernt, deren Vormund der ungemein reiche Marchese Maruzzi war. Diese Dame hatte eine [187] sorgfältige Erziehung in Paris erhalten. In einer Ausstellung erregte ein Bild N.’s vor anderen ihre besondere Aufmerksamkeit, bei dieser Gelegenheit lernte sie den Künstler persönlich kennen und mit einem Male fühlte sie Lust, selbst das Malen zu lernen. Es gelang ihr, von ihrem Beschützer das Versprechen zu erhalten, daß er ihr durch eben den Künstler, dessen Bild sie so sehr bewunderte, Unterricht werde geben lassen. Während des Unterrichts lernten sich Meister und Schülerin näher kennen, fühlten sich zu einander lebhaft angezogen und der kleine Künstlerroman endete mit einer Heirath. Seit dieser Zeit lebt der Künstler ununterbrochen in Venedig, überhäuft mit Aufträgen, die seinen Künstlerruhm in alle Welt tragen. N. ist Landschaft- und Prospectenmaler und dabei gibt er seinen Bildern eine reizende, immer höchst sorgfältig ausgeführte Staffage. Von seinen zahlreichen Arbeiten sind leider nur wenige durch Ausstellungen bekannt geworden, da sie bald nach ihrer Vollendung in den Besitz ihrer Besteller wanderten. Hier können angeführt werden: „Ansicht der Piazetta mit den fernen Lagunen im Mondschein“, das Original dieses von Nerly selbst oft wiederholten Bildes – bis 1839 sind sieben Copien bekannt – war und ist wohl noch im Besitze des jetzigen Königs von Preußen; – „Ideale Landschaft mit Staffage aus Wieland’s Oberon“, war Eigenthum seines Mäcens Baron von Rumohr; – „Ansicht von Venedig, von den öffentlichen Gärten aus“, mit sorgfältig ausgeführtem reichen figuralischen Vordergrunde, dieses Bild kaufte Kaiser Ferdinand I. für seine Gemalin bei seinem Besuche der Ausstellung während seiner Anwesenheit in Venedig. Es gefiel ihm das Gemälde so sehr, daß er, ohne den Künstler zu kennen, dessen Ankauf befahl, den N. selbst erst einige Tage später dadurch erfuhr, daß er bei Besuch der Ausstellung unter seinem Gemälde das Zettelchen mit der Notiz: „Acquistato da S. M. l’Imperatore d’Austria Ferdinando I.“ vorfand; – „Die Heimkehr sicilianischer Fischer mit ihren Mädchen im Golf von Palermo“, von dem Großfürsten Alexander, jetzigen Kaiser von Rußland, erworben, welcher mit seinem ganzen Gefolge den Künstler in seinem Atelier im Palazzo Pisani besuchte; – „Büffel, welche den Marmorblock ziehen, für die von Thorwaldsen zu meisselnde Statue Pius’ VII.“, wechselte öfter den Besitzer, aus den Händen des damaligen russischen Gesandten kam es in jene der Großfürstin Helene, welche wieder es dem Czar Nikolaus verehrte; – „Die Piazetta bei Mondschein mit Maskengewühle“, für den Fürsten Radziwill; – „Die Riva degli Schiavoni“; – „Ansicht des alten Venedigs“, für den Braminen Dwarkenaught Tahore aus Calcutta; – „Ein Avemaria der Todten im Kapuzinerkloster auf Amalfi“, Bestellung des Königs von Dänemark; . – „Ansicht der Kirche San Giorgio maggiore in Venedig bei Mondbeleuchtung“, war im österreichischen Kunstvereine im Jahre 1851 ausgestellt und ist Eigenthum des Grafen Arthur Batthyany; – „Die Bäder des Cicero bei Gaeta“, eines seiner ersten in Rom gemalten Bilder, das in der Wiener Kunstausstellung bei St. Anna im Jahre 1837 zu sehen war; – „Tizian, wie er von seinen Eltern Abschied nimmt“; – „Ansicht des Palazzo Contarini Zaffa“, ein prächtiges Architecturstück; – „L’heure du diner“, mit architektonischen Details des von dem Künstler selbst bewohnten Gemaches im Palazzo Pisani; – „Die Fahrt nach den Lidofelsen“; – „Die im Schiffe bei Sonnenuntergang ausruhende Fischerfamilie“ [188] u. m. a. Viele Bilder Nerly’s befinden sich in öffentlichen und Privatgallerien in Deutschland und Italien, es sind meist Scenen aus dem italienischen Volksleben, Architecturen mit lieblichen Staffagen, Landschaften mit idealen oder nationalen Staffagen u. s. w. Auch sind von ihm einige radirte Blätter, Thierstudien nach der Natur, bekannt. Diese Blätter – im Ganzen sechs – von denen drei schon auf der Kunstausstellung 1828 in Berlin zu sehen waren, tragen entweder seinen ganzen Namen oder ein aus den verschlungenen Initialen seines Namens gebildetes Monogramm. Im Jahre 1852 hat König Wilhelm von Württemberg den Künstler mit seinem Kron-Orden ausgezeichnet. N.’s gleichnamiger Sohn[WS 1] hat sich auch zum Künstler herangebildet und ist ein würdiger Schüler seines Vaters.

Deutsches Kunstblatt, Jahrgang 1850, S. 236; 1852, S. 436; 1853, S. 170; 1856, S. 335; 1857, S. 144; 1858, S. 29 u. 247. – Nolte (Vincent). Fünfzig Jahre in beiden Hemisphären (Hamburg 1853, Perthes-Besser und Mauke, 8°.), im Abschnitt: „Erinnerung aus meinem Aufenthalte in Venedig 1840“. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. X, S. 186. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 170. – Gazzetta uffiziale di Venezia 1861, No. 207, im Appendice. – Verschiedene Kunstkataloge und handschriftliche Notizen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Friedrich Paul Nerly (Wikipedia).