Zum Inhalt springen

BLKÖ:Nassau-Usingen, Friedrich August Herzog

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Naß
Nächster>>>
Nast, Hermann
Band: 20 (1869), ab Seite: 89. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Friedrich August (Nassau-Usingen) in der Wikipedia
Friedrich August von Nassau-Usingen in Wikidata
GND-Eintrag: 116884061, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Nassau-Usingen, Friedrich August Herzog|20|89|}}

Nassau-Usingen, Friedrich August, regierender Herzog (k. k. Feldmarschall und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. 23. April 1738, gest. zu Biberich 24. März 1816). Ein Sohn des Herzogs Karl (geb. 1712, gest. 1775) aus dessen Ehe mit Christine Wilhelmine Prinzessin zu Sachsen-Eisenach (gest. 1740). Der Prinz trat zu Beginn des siebenjährigen Krieges, 1756, damals erst 18 Jahre alt, in kaiserliche Dienste, und bewies schon im ersten Feldzuge so viel Muth und Umsicht, daß er bereits im Jahre 1757 Major bei De Ville-Kürassieren wurde. Zwei Jahre später zum Obersten bei Zweybrück-Dragonern (jetzt Uhlanen [90] Nr. 7) befördert, commandirte er sein Regiment bis zum Jahre 1764, in welchem seine Ernennung zum General-Major erfolgte. In der Folge wurde er nach dem Tode des Generals Ried Oberdirector der k. k. Werbung im deutschen Reiche, dann Inhaber des später aufgelösten 14. Kürassier-Regiments, und im Jahre 1790 Feldmarschall. Im Jahre 1800 quittirte er als kais. Reichswerbungsdirector, und am 17. Mai 1803, nach dem Tode seines älteren Bruders Karl Wilhelm, succedirte er demselben in der Regierung. Im Jahre 1806, als Mitglied des Rheinbundes, mußte er für den Dienst Frankreichs auf eigene Kosten ein Infanterie-Regiment stellen, dessen Eigenthümer er blieb. Er legte bei dieser Gelegenheit seine kais. Feldmarschalls-Charge und Inhaberswürde nieder. Altershalber konnte er an den deutschen Befreiungskriegen, in denen er überdieß im französischen Heere zu kämpfen gezwungen gewesen wäre, nicht mehr theilnehmen; als aber im Jahre 1815 die europäischen Verhältnisse eine neue Ordnung und der deutsche Bund seine Regelung erhielt, wurde auch dem regierenden Herzoge seine Feldmarschallswürde zurückgegeben und die Inhaberstelle des 22. Infanterie-Regiments verliehen, die er beide nicht lange mehr versah, da er schon im folgenden Jahre, 78 Jahre alt. starb. Der Prinz war ein tapferer Degen. Schon im ersten Feldzuge des siebenjährigen Krieges gab er Beweise seines kriegerischen Muthes. Besonders that er sich im zweiten in der Schlacht bei Hochkirch (13. u. 14. October 1758) hervor. Der Prinz, damals Major bei De Ville-Kürassieren, stand mit seinen Schwadronen im zweiten Treffen. Der Kampf hatte bereits begonnen und das erste Treffen war schon in das preußische Lager eingefallen, als der Prinz gewahr wurde, wie die Croaten des Loudon’schen Corps und die Grenadiere, die vor dem Infanterie-Regimente Haller aufgestellt waren, von einer Abtheilung preußischer Cavallerie immer mehr und mehr gedrängt und zuletzt so in die Enge getrieben wurden, daß sie nicht mehr zu feuern im Stande waren. Der Prinz gab nun seinen drei Schwadronen sofort Befehl, vorzurücken. In eigener Person führte er sie vor und hieb mit solchem Nachdrucke auf die Cavallerie des Feindes ein, daß diese ganz zurückgeworfen und bis zu den Abtheilungen ihrer eigenen Infanterie gedrängt wurde. Auch auf diese unternahm nun der Prinz eine entschiedene Attaque, aber durch das heftige Gewehrfeuer derselben verlor er viele von seinen Leuten, wurde auch selbst schwer verwundet und war nun gezwungen, den weiteren Kampf, nachdem er ohnehin den eigentlichen Zweck seines Angriffes erreicht, aufzugeben. Im Feldzuge des Jahres 1760 im Gefechte bei Strehlen (20. August) commandirte der Prinz die Avantgarde, mit der er auch den Kampf eröffnete, und gerieth dabei in Gefangenschaft. Nicht lange darnach ranzionirt, kehrte der Fürst zur Armee zurück, bewährte im letzten Feldzuge des siebenjährigen Krieges, 1762, im Treffen bei Wildruf seine schon oft bewährte Tapferkeit. Als nach Beendigung des letzten Feldzuges im Jahre 1763 ein Capitel des Maria Theresien-Ordens zusammenberufen wurde, um die Ansprüche jener zu prüfen, welche ein Recht auf diese Auszeichnung in den letzten und auch noch in den früheren Kämpfen erworben zu haben glaubten, wurde der Prinz insbesondere für seine Waffenthat bei Hochkirch in der 9. Promotion (vom 21. November 1763) mit [91] dem Ritterkreuze ausgezeichnet. In der darauf folgenden Friedensepoche ließ sich der Prinz vor Allem die Vervollkommnung des Cavalleriedienstes angelegen sein.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 187 u. 173. – Biographie nouvelle des Contemporains etc. Par MM. A. V. Arnault; A. Jay; E. Jouy; J. Norvins et autres hommes des lettres (Paris, librairie historique, 8°.) Tome XV, p. 17 [nach diesem gest. am 9. Jänner 1816].