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BLKÖ:Mutti, Pietro Aurel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 19 (1868), ab Seite: 482. (Quelle)
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Mutti, Pietro Aurel (Patriarch von Venedig, geb. zu Bergamo 10. September 1775, gest. zu Venedig 9. April 1857). Einer vornehmen, in Bergamo ansässigen Adelsfamilie angehörend, begann er daselbst den Schulbesuch, zeigte aber schon in früher Jugend große Vorliebe für das beschauliche Leben. Im J. 1793, damals 18 Jahre alt, trat er bei den Cassinenser-Benedictinern von Sta. Giustina in Padua ein, setzte dort seine Studien fort, vollendete sein Noviciat und blieb im Kloster, bis die Napoleonische Regierung, im Jahre 1811, die Aufhebung desselben decretirte. Nun begab er sich nach Pontida, welches zwei Jahre später von dem gleichen Geschicke ereilt wurde, worauf er in die parmesanischen Staaten flüchtete, wo der Orden noch bestand. Aber auch da war seines Bleibens nicht lange, denn auch hier wurde der Orden kurze Zeit darnach aufgehoben, und so zog sich M., überall vertrieben, in den Schoß seiner eigenen Familie zurück, um [483] dort ruhigere Tage und die Entscheidung seines Geschickes abzuwarten. In Bergamo lebte M. zurückgezogen seinem geistlichen Berufe und den Wissenschaften. Als Italien wieder in österreichischen Besitz gelangt war, richtete sich bald die Aufmerksamkeit von maßgebender Seite auf den ebenso frommen als gelehrten Priester, der indessen Ehren-Canonicus der Kathedrale zu Bergamo geworden war, und M. wurde zum Director des philosophischen Studiums am Lyceum seiner Vaterstadt ernannt. Aber im Jahre 1836 erbat er von Kaiser Franz es sich als Gunst, in das Benedictinerstift Praglia wieder eintreten zu dürfen, welche Erlaubniß ihm auch gewährt worden war. Dort wurde er im Jahre 1838 Abt der Congregation und bekleidete die Würde zum Ruhme und Segen seines Ordens. Aber die Regierung, die nun einmal ihr Augenmerk auf den ausgezeichneten Priester geworfen, behielt ihn auch, als er in die ihm so geliebte klösterliche Abgeschiedenheit zurückgekehrt war, im Auge, und im Jahre 1840 wurde M. zum Bischof von Verona ernannt. Eilf Jahre blieb M. auf diesem Posten, im J. 1851 wurde er auf den Patriarchenstuhl von Venedig berufen und unter Einem wirklicher geheimer Rath und Ritter des Ordens der eisernen Krone erster Classe. Diese Würde bekleidete M. in stürmischen Tagen, in welchen ihn weder sein hohes Kirchenamt, noch sein Greisenalter vor den Insulten des aufgewiegelten Pöbels schützten, vor dem wie vor den Wirren jener Zeit er bei den Armeniern auf der Insel Murano Schutz suchte und welche er erst wieder verließ, nachdem Ordnung und Friede wieder hergestellt waren. Nach längerer Krankheit starb der Patriarch im hohen Alter von 81 Jahren. Als Kirchenfürst einer der würdigsten, die je der Patriarchenstuhl des h. Marcus eingenommen, hat er sein Andenken durch eine Reihe der schönsten Werke, Stiftungen und sonstigen Einrichtungen fest begründet. Als Bischof von Verona stiftete er ein Kloster von barmherzigen Schwestern für Kranke, und eines zu gleichem Zwecke von barmherzigen Brüdern; für den Unterricht der weiblichen Jugend gründete er ein Kloster der Clarisserinen; als Erzbischof und Patriarch von Venedig errichtete er von Grund aus die Pfarren von Cavallino, Burano, Lido, über der Errichtung jener von Tre Porti überraschte ihn der Tod; an Stelle der zu kleinen Kirche S. Michele del Quarto erbaute er eine umfangreichere, wie sie die stets wachsende Bevölkerung dieses Stadttheiles bedurfte, in der Pfarre S. Pietro di Castello gründete er eine vierclassige Hauptschule und ein Oratorium, welches von Grund aus neu erbaut wurde. In denselben finden arme Kinder und Waisen Zuflucht und Unterkunft. Die Einkünfte der Bisthümer, welche M. verwaltet, verschwinden gegen die kolossalen Summen der Bisthümer im Osten und Norden (Ungarn, Böhmen, Mähren) des Kaiserthums; aber selbst diese Summen verwendete M. zum größten Theile für die Armen, so spendete er als Bischof von Verona, welche Würde nur 28.000 Lire Einkommen bringt, innerhalb 11 Jahren 160.000 Lire Almosen; in Venedig unterstützte M. täglich 2000 Arme und von den jährlichen 40.000 Lire Einkünften wurden 24.000 L. allein unter die Armen vertheilt. Was er an Werthsachen je besaß, gab er wieder für die Armen, und es ist Thatsache – so wenig glaublich es klingen mag – daß er keinen eigenen Bischofring und kein eigenes Bischofkreuz besaß. Kreuz und Ring, die er trug, waren nicht sein Eigenthum. Als er starb, fand man [484] bei ihm 250 Lire. Alles aber, was er noch zu fordern berechtigt war, hinterließ er zu gleichen Theilen dem bischöflichen Seminar zu Verona, dem Patriarchal-Seminar zu Venedig und seinen Armen daselbst. Mutti war ein Gelehrter im vollen Sinne dieses Wortes. Seine Schriften sind gesammelt unter dem Titel: „Opere sacre e filosofiche di sua Eccellenza Rev. Mons. Pietro Aurelio Mutti“, tom. I–X (Venedig 1857, Naratovich, 8°.), unmittelbar nach seinem Tode erschienen, und enthalten nebst anderem seine Denkschrift auf Angelo Mai, in Folge welcher er Ehrendomherr von Bergamo geworden sein soll, seine philosophischen Abhandlungen, eine Sammlung von Betrachtungen und Unterweisungen für geistliche Exercitien, mehrere Gedächtniß- und Leichenreden, eine Sammlung seiner Pastoralbriefe und Homilien, wahre classische Muster dieser Gattung geistlicher Schriften u. dgl. m. Ein Theil dieser Schriften ist bei Mutti’s Lebzeiten bereits gedruckt erschienen, der andere und bei weitem größere aber in diese Sammlung zum ersten Male aufgenommen. Seine Bestattung war eine feierliche, und die zahlreichen Inschriften an den Kirchenwänden der Kathedrale und am Katafalk berichteten von den Tugenden des Kirchenfürsten, dessen voller Werth erst gewürdigt wurde, als die Armen Venedigs ihren Beschützer und Wohlthäter verloren hatten.

Opere sacre e filosofiacche di Sua Ecc. Rev. Mons. Pietro Aurelio Mutti (Venezia 1857, 8°.) [den ersten Band dieser Ausgabe der Werke Mutti’s eröffnet Canon. Cam. Benzon mit einer Biographie Mutti’s]. – Menzioni onorifiche a defonti di Venezia (Venezia, F. A. Perini, 8°.) Primo semestre 1857, p. 16–27. – Dandolo (Girolamo), La caduta della Repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’anni. Studii storici (Venezia 1855, Naratovich, 8°.) Appendice, p. 209. – Porträt. Unterschrift: Pietro Aurelio Mutti, Patriarca di Venezia. F. Capello dis. Prem. Lit. Kirchmayr (Venedig, 4°.). – Grabstein-Inschrift. Petrus. Aurelius. Mutti. | Cass. Cong. Abbas | Venetiarum. Patriarcha | Litterarum. Scientiarumque | Omnigena. Doctrina | Abunde. clarus | Omnibus. Episcop. numeribus. in Exemplum. perfunctus | Effusa. praesertim. in Pauperes. charitate | plane. admirandus | heic. jacet. in pace | Vixit. P. M. Annos. LXXXII. Decessit. Ann. M.DCCCLVII.