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BLKÖ:Molindes, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 457. (Quelle)
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Molindes, Franz (Priester der Gesellschaft Jesu, geb. zu Mainz 6. Juni 1678, gest. zu Wien im Collegiathause bei St. Anna 28. Mai 1768). Seine erste Erziehung erhielt er theils in Franken, theils in der Steiermark; im Alter von 16 Jahren trat er in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er die Studien beendete, die philosophische und theologische Doctorwürde erlangte und dann im Lehramte verwendet wurde. Letzteres versah er anfänglich zu Wien, wo er die Dicht- und Redekunst, dann die Philosophie lehrte, zuletzt zu Gratz, wo er durch 13 Jahre verschiedene theologische Fächer vortrug. Im Jahre 1720 wurde er Rector, dann Novizenmeister bei St. Anna in Wien, später Rector in Gratz und Vorsteher der Ordensprovinz, in welcher Eigenschaft er im Jahre 1730 der General-Congregation seines Ordens in Rom beiwohnte. Nun wurde er Rector bei St. Anna, darauf im akademischen Collegium, darnach Vorsteher im Profeßhause und Regens des Wiener Convictes, bis er im Jahre 1752 Altershalber – er zählte damals bereits 74 Jahre – sich in das Stifthaus zu St. Anna zurückzog, in welchem er als Spiritual im hohen Alter von 90 Jahren sein Leben beschloß. Die von ihm durch den Druck veröffentlichten Schriften sind: „Pia desideria seu gemitus Europae post cruentum octo annorum bellum pacem suspirantis“ (Viennae 1709, Voigt, 12°.); – „Angelus Pacis, seu Orationes variae sanctorum Antistitum qui partim ad belli tumultus partim ad publica dissidia componenda in comune orbis bonum a Deo sunt dati Ecclesiae“ (Viennae 1710, 12°.); – „Synopsis historiae universalis ab Orbe condito usque ad Carolum M.“ (ibid. 1713, 12°.); – „Ejusdem Continuatio [458] ad Carolum Vl“ (ibid. 1714, 12°.); – „Pietas quotidiana ergo Jesum Crucifixum ad impetrandam gratiam pie vivendi et sancte moriendi“ (ibid. 1722, 8°.); dieses Andachtsbuch, von dem innerhalb kurzer Zeit mehrere Tausend Exemplare verkauft worden sind, hat M. dem Magistrate der Stadt Wien gewidmet; es wurde dasselbe noch oft in lateinischer und deutscher Sprache aufgelegt und erst in neuerer Zeit wieder in besserem Style von Joh. Nep. Stoeger (Gratz 1841) herausgegeben. Dieser, sein Biograph, rühmt seinem Ordenscollegen neben einer ascetischen Frömmigkeit insbesondere eine vortreffliche Gabe des Unterrichts nach.

Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1855, Lex. 8°.) p. 233.