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BLKÖ:Mikuli, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mikysch, Abund
Band: 18 (1868), ab Seite: 297. (Quelle)
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Mikuli, Karl (Tonsetzer, geb. zu Czernowitz in der Bukowina 20. October 1821). Sein Vater, ein Armenier, lebt zu Czernowitz als Kaufmann und Gutsbesitzer. Der Knabe zeigte früh Talent für die Musik und erhielt den Unterricht in den ersten Elementen derselben in seiner Vaterstadt. In einem Concerte, welches der bekannte Virtuose Franz Kolberg (gest. 1850) in Czernowitz gab, hörte M. zum ersten Male einige Compositionen Chopin’s vortragen, die ihm so mächtig in’s Gehör fielen, daß er sie ohne Noten nachspielte, worauf die Eltern seinen inständigen Bitten, ihn den Unterricht Kolberg’s genießen zu lassen, nachgaben. Nach einem Jahre ernster Arbeit – M. war bereits tüchtig vorgebildet – erklärte Kolberg, daß sein Schüler so weit sei, um sich öffentlich hören zu lassen. Die Vorliebe Mikuli’s für Chopin’s Compositionen, die sich beim ersten Hören derselben kundgab, wurde durch Kolberg nur genährt, und M. gab sich immer mit besonderem Eifer dem Studium seines Lieblingsmeisters hin. Indessen setzte M. auch seine übrigen Studien fort, und wählte zur Zeit der Reife die Medicin zu seinem Berufe. Er begab sich zum Studium derselben im Jahre 1839 nach Wien, wo das rege musikalische Leben, das dort in jener Zeit herrschte, auf seine weitere musikalische Ausbildung nicht ohne nachhaltigen Einfluß blieb. Als endlich sein Wunsch, Paris zu besuchen, im Jahre 1844 von seinen Eltern gewährt wurde, da ward denn auch der Inbegriff seines Sehnens erfüllt, denn unter Chopin’s unmittelbarer Leitung legte er die letzte Feile an sein Spiel, während er bei Reber den theoretischen Unterricht in der Harmonielehre und im Contrapuncte nahm. Die Revolution des Jahres 1848 unterbrach seine Studien. M. kehrte in seine Heimat zurück und setzte im Elternhause für sich selbst die Ausbildung fort. Nun wollte er es mit einer Kunstreise versuchen, die wider Erwarten gut ausfiel, denn die Piano-Concerte, welche er zu Kiew, Lemberg, Jassy, Bukarest und an anderen Orten Südrußlands gab, waren von glänzendem Erfolge begleitet und machten seinen Künstlernamen allenthalben bekannt. Im Jahre 1858 berief ihn der Lemberger Musikverein als artistischen Director. Auf diesem Posten entwickelte M. allen Eifer zur Hebung der daselbst nicht eben vernachlässigten, doch nie gehörig geleiteten Musikzustände. Auch rief M. dort eine Musikschule in’s Leben, wodurch die Liebe für diese Kunst noch mehr geweckt wurde. So entfaltete M. als Lehrer der Harmonie und Composition, als Director des Orchesters und der Chöre, wie denn [298] auch als ausübender Virtuos, der überdieß ein schönes Compositionstalent besaß, nach mehreren Seiten eine fruchtbringende, seine Bemühungen lohnende Thätigkeit. Von Mikuli’s Compositionen ist nur ein sehr kleiner Theil gedruckt. Es sind, so weit es mir möglich war, seine Werke zusammenzustellen: „Praeludium et Presto agitato“, Op. 1; – „Mazourka“, Op. 4; – „Polonaise et scherzino pour 3 viol.“, Op. 7; – „Polonaises“, Op. 8; – „Six pièces: 1. Prélude, 2. Agitato, 3. Etude, 4. Lied, 5. Scherzino, 6. Réverie“, Op. 9 (Wien, bei Spina); – „48 airs nationaux roumains (ballades, chants des bergers, airs de danse etc.) recueillis et transcrits“, Cahier 1–4 (Lemberg, Wild); – „Six danses allemandes“, Op. 13 (Wien 1866); – „Méditation“, Op. 14 (ebd.); – „Andante con variazioni“, Op. 15 (ebd.); – „Sechs Lieder“ [von Eichendorff 2, Zedlitz, Burns, Mathisson, Uhland]. Op. 16 (ebd.); – „Sechs Lieder“ [von Hoffmann v. Fallersleben 3, Heine, Geibel, Goethe], Op. 17 (ebd. 1866). Außerdem sollen noch ein „O salutaris hostia“, Offertorium, für einen Tenor mit Orchesterbegleitung, und die „Chöre zu Korzeniowski’s Drama: der Mönch“ im Stiche erschienen sein. Ungleich mehr aber besitzt er in Handschrift, darunter ein Album französischer Gesänge, ein anderes, polnischer Volkslieder, welche sich in den Sammlungen des Lemberger Musikvereins befinden sollen, eine „rumänische Vocalmesse“, componirt anläßlich der Einweihung der Kathedrale der Rumänen in Czernowitz im Jahre 1864, u. dgl. m. Die Fachkritik spricht sich über alle Werke M.’s in sehr anerkennender Weise aus, und Rudolph Hirsch, bekanntlich Musik-Referent der amtlichen „Wiener Zeitung“, schreibt über M.’s Compositionen: „ich kann mich des Erstaunens nicht erwehren[WS 1], wie solche Tonwerke bis zur Stunde völlig echolos bleiben konnten! Mikuli ... ist aber ein Sonderling, dem man die Manuscripte gewissermaßen abringen muß. Ich sage hier nur ganz kurz: diese Lieder gehören zu dem Besten, Edelsten, was im deutschen Liede vorhanden; sie sind, um sie zu charakterisiren, natürliche Ausläufer der Schumann’schen Muse, bester Periode. Wenn unsere Herren Verleger da nicht aufhorchen, nicht selbst auf solche Manuscripte fahnden, so darf es keinen Menschen Wunder nehmen, daß neunundneunzig Procent der neuesten vaterländischen musikalischen Literatur eben nur Schund sind und Schund bleiben“.

Wiener Zeitung 1863, Abendblatt Nr. 79, S. 314.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: erwähren.