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BLKÖ:Metzger, Johann Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 70. (Quelle)
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Metzger, Johann Karl, oder J. C., wie er sich gewöhnlich schrieb (Schriftsteller, geb. zu Kapelle in Niederösterreich 7. Juni 1797, gest. zu Wien 18. Jänner 1865). Sein Vater war Polizeidirector zu Freiburg im Breisgau, wurde, nachdem dieses Gebiet an das Großherzogthum Baden gefallen war, nach Salzburg und, nach der Abtretung des Herzogthums an Bayern, als Polizei-Obercommissär nach Wien versetzt. Der Sohn beendete an der Wiener Hochschule die Studien und mit so günstigem Erfolge, daß er sich ein Regierungsstipendium erwarb. Seine Liebe zur journalistischen Thätigkeit bewog ihn, im Jahre 1820 bei Adolph Bäuerle’s [Bd. I, S. 118; Bd. XI, S. 364] „Theater-Zeitung“ die Stelle eines Secretärs, Mitarbeiters und Correctors, zu übernehmen, welche er durch 39 Jahre, bis zum Aufhören der Zeitung, behielt. In den ersten Jahren lieferte er für das Blatt mehrere Erzählungen, von denen eine, „Die Löwenbraut“, in’s Englische übersetzt wurde. Später beschränkte er sich auf Referate über Theater-Vorstellungen und über Literatur- und Kunstgegenstände, sowie auf kleine Artikel. Ein selbstständiges Buch hat M. nicht herausgegeben, jedoch möchten seine in der „Theater-Zeitung“ erschienenen Kleinigkeiten, als Räthsel aller Art, Epigramme, Witzspiele, Minutenspiele und wie er sie nannte, einen stattlichen Band füllen. Seine Stellung in der Wiener Journalistik und speciell in der „Theater-Zeitung“ durch fast vierzig Jahre war eine ganz eigenthümliche, und zwei Schriftsteller, welche die Wiener vormärzlichen geistigen Zustände zum Gegenstande schon mancher geistvollen Bluette gemacht, Meynert und Märzroth, haben eine Charakteristik Metzger’s gegeben, die denselben in seiner ganzen Größe und Bedeutenheit in kleinlicher Beschäftigung darstellt. Durch vierzig Jahre stand er zur literarischen und künstlerischen Regsamkeit Wiens in lebhaftester Beziehung, und war so zu sagen der Prügelknabe des alten Bäuerle, der bei aller seiner Jovialität seinen armen Secretär Metzger oft in keineswegs angenehme, mitunter höchst peinliche Situationen brachte, die dieser mit einem Gleichmuth ertrug, der seines Gleichen nicht wieder findet. Auf ihm ruhte die ganze Last der Correspondenz, der Durchsicht der Manuscripte, um ihre Aufnahme in das Blatt zu entscheiden, die stylistische Feile der Beiträge, der Correctur des Blattes u. dgl. m. Die Aenderungen, die er, nach erhaltener Bewilligung, oft an den Beiträgen vorzunehmen hatte, waren nicht selten totale Umarbeitungen, unter welchen der bescheidene Redactions-Secretär den Namen ihrer ursprünglichen Einsender setzte, ohne daß diese eigentlich, strenge genommen, mehr ein Recht dazu gehabt hätten. Aber M. schien es ein Vergnügen zu sein, so manches Talent, das heute noch einen gut klingenden Namen in der österreichischen [71] Literatur besitzt, zum Fluge zu bringen. Ein völliges Verkennen des Menschen und der eigentlichen im Redactions-Bureau der „Theater-Zeitung“ ihm zugewiesenen journalistischen Aufgabe beurkundet sich aber in den grimmigen Worten von Dr. Julius Seidlitz in seiner Schrift: „Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1839“, wo er dem armen M., sogar eigennützige Gedanken unterschiebt, dem die Poesie als eine Pumpe erscheint, um Geld zu schöpfen. O wie müßte doch Metzger wohlhabend geworden sein, wenn er für die stylistischen Besserungen der Novellen, Erzählungen, Romane u. dgl. m., die er erst lesbar hergestellt hatte, nur einigermaßen anständig honorirt worden wäre. M. aber starb arm, er bezog bis 1848 ein für seine angestrengte undankbare Arbeit keineswegs übermäßiges Gehalt, welches sich dann sogar verminderte, als das Blatt immer mehr und mehr in Verfall gerathen war. M. blieb bis zum Aufhören des Blattes, 1859, in seiner Stellung bei demselben, nun tauchte „der alte Journalist aus dem Vormärz“ noch einmal bei einem obscuren Blättchen als Stylist auf, dann verschwand er den Blicken gänzlich, er war in eine stille abgelegene Stube langsam sterben gegangen. Mit der vormärzlichen politischen Unzurechnungsfähigkeit des Wieners förmlich verwachsen, hatte sich auch M. in die neuen Verhältnisse nicht mehr zu finden vermocht. Er war nicht mehr jung genug, um die neuen Ideen in sich aufzunehmen, und mochte sich auch nicht die Mühe nehmen, die neue Zeit, die über Charaden, Logogryphen, Räthsel, und wie dieser poetische Trödel heißt, wie die Windsbraut über das Saatfeld verheerend dahinbrauste, nur einigermaßen zu begreifen, so stand er denn isolirt, vereinzelt da, sein ganzes Denken und Fühlen gehörte der „Theater-Zeitung“ an, und als sie aufgehört hatte, ging es wie ein Riß durch sein Leben, und er hatte nichts Eiligeres zu thun, als ihr nachzufolgen.

Constitutionelle Vorstadt-Zeitung (Wien, Fol.) 1865, Nr. 40: „Ein Journalist von Anno Dazumal“. Von Dr. Märzroth. – Linzer Zeitung 1865, Nr. 82–84: „Nekrolog eines Verschollenen“. – Wiener Abendpost (Abendblatt der amtlichen Wiener Zeitung, gr. 4°.) 1866, Nr. 256: „Der Wiener Parnaß vor einem Vierteljahrhundert. III.“ Von Hermann Meynert; – 1867, Nr. 19, in Nr. V dieser Meynert’schen literarischen Skizzen.