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BLKÖ:Mayer, auch Maier, Wolf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Meyer, Ursula
Band: 18 (1868), ab Seite: 183. (Quelle)
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116. Mayer, auch Maier, Wolf (jüdischer Schulmann, geb. zu Klattau in Böhmen im Jahre 1776, gest. zu Prag 20. December 1850). Die Talente, die sich schon in seinem Knabenalter kund gaben, waren Ursache, daß M. für die wissenschaftliche Laufbahn bestimmt wurde. Im Alter von dreizehn Jahren war er im Talmudstudium, das er mit dem berühmten Domprediger Veith zugleich machte, einer der Ausgezeichnetsten. In seinen Jünglingsjahren kam er nach Prag, wo damals Rabbi Ezechiel Landau [Bd. XIV, S. 68] als letzter Oberrabbiner Böhmens wirkte, und genoß dessen Unterricht. Unter Landau’s Leitung machte M. ausgezeichnete Fortschritte, da er aber der Fortschrittspartei angehörte und aus seiner freisinnigen Denkungsart kein Hehl machte, wurde er von der Zelotenpartei vielfach [184] angefochten. In der Folge bewarb er sich, es heißt, um die Heirathsbewilligung zu erlangen, um die Stelle eines außerordentlichen Lehrers der hebräischen Sprache an der Prager Hauptschule, welche er auch erhielt. Durch vierzig Jahre bekleidete er diesen Lehrerposten an der Hauptschule, an welcher Peter Beer [Bd. I, S. 223] und Simon Gunz [Bd. VI, S. 36] seine Collegen waren. M. war auch als Schriftsteller thätig und als hebräischer Dichter hatte er einen bedeutenden Ruf. Die von ihm durch den Druck veröffentlichten Schriften sind: „תּוֹרַת לָשׁוֹן עִבְרִיּת‎. Hebräische Sprachlehre, nach einem bei den öffentlichen Vorträgen durch vieljährige Erfahrung erprobten Plane, zum Unterrichte und Selbstunterrichte ganz neu umgearbeitet“. In drei Heften erschienen (Prag 1827, 8°.; dritte Ausgabe ebd. 1832, 8°.); es ist eine deutsche Bearbeitung der hebräischen Grammatik von Ben-Sew [s. d. Bd. I, S. 281], neu umgearbeitet (ebd. 1843, 8°.); – „שִׂפְתֵי יְשָׁנִים‎. Die Sprach-Kunstausdrücke der alten Grammatiker und Commentatoren, als: Raschi, Kimchi, Ibn-Esra u. s. w., alphabetisch geordnet“ (Prag 1828, 8°.); – „לְשׁוֹן לִמּוּדִים‎. Fabeln und Erzählungen für die Jugend in hebräischer und deutscher Sprache, dabei auch מַעֲשֵׂה טוֹבִיָּה‎, Geschichte des Tobias, hebräisch“ (Prag 1840, 8°.); – „Dasselbe, die deutsche Uebersetzung mit hebräischen Lettern“ (ebd. 1840, 8°.); – „תּוֹלְדוֹת יְשֻׁרוּן‎. Die Geschichte der Weltschöpfung und der israelitischen Nation, bis zur Erbauung des zweiten Tempels, zum Vortrage für die Jugend hebräisch bearbeitet. Uebersetzt und mit deutschen Anmerkungen begleitet (das Deutsche mit jüdischen Lettern) von S. Freund“ (Prag 1841, 8°.); – „Dasselbe, die Uebersetzung und die Anmerkungen mit deutschen Lettern“ (ebd. 1841); – „מִנְחַת עֶרֶב‎. Das Jom Kippur Katan neu übersetzt und erläutert“ (Prag 18.., 8°.); – „תְּחִינוֹת‎. Ein Gebetbuch für gebildete Frauenzimmer, zur Erweckung der Andacht u. s. w. (Prag 18.., 8°.); – „רֵאַשִׁית לִמּוּדִים‎. Hebräisch. Lese- und Sprachunterricht für die zarte Jugend, nebst moral. Erzählungen und Fabeln“ (Prag 18.., 8°.). Außerdem hat er zahlreiche Gedichte und verschiedene Aufsätze in hebräischen Zeitschriften veröffentlicht. M. war seiner Zeit eine in den Prager Judenkreisen vielgenannte und beliebte Persönlichkeit. Mehrere Jahre vor seinem Tode ward er vom Schlage gerührt, des Gebrauches aller Sinne beraubt und an allen Gliedern gelähmt, aber seine geistige Frische bewahrte er bis zum letzten Moment. Neues schweres Unheil traf ihn, als er drei Jahre vor seinem Tode seine einzige Tochter, die Pflegerin und Wärterin seines siechen Leibes, durch den Tod verlor und nun dem schrecklichsten Elende überlassen blieb. Von seinen beiden Söhnen ist einer Graveur und hat die Witwe des im Jahre 1848 vergifteten Rabbiners Abraham Kohn [Bd. XII, S. 296] geheirathet.

Wiener Blätter. Oesterreichische Zeitschrift für Israeliten, 1850, Beiblatt zu Nr. 25. Nekrolog [daselbst erscheint er Maier geschrieben, während er in Dr. Julius Fürst’s „Bibliotheca judaica“ als Mayer erscheint].