Zum Inhalt springen

BLKÖ:Martini, Karl conte

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 17 (1867), ab Seite: 31. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Karl conte Martini in Wikidata
GND-Eintrag: 1055312188, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Martini, Karl conte|17|31|}}

Martini, Karl conte (Alterthumsforscher, geb. zu Calliano im Trienter Kreise im August 1747, gest. auf seiner Villa Mezzotedesco 28. Juni 1829). Sein Vater stand in Diensten des Trienter Fürstbischofs und seine Mutter Antoinette war eine geborne degli Alberti di Poja. Die erste Erziehung erhielt er in seiner Heimat, im Jahre 1763 aber, 16 Jahre alt, kam er in das Adelsconvict nach Verona, wo er während vier Jahren den philosophischen Studien oblag. Schon damals beschäftigte er sich gern mit literarischen Arbeiten, trieb aber auch Zeichnen und und Malen, und leistete darin so Vortreffliches, daß er, wenn er sich auf diesen Zweig geworfen hätte, kein unbedeutender Maler geworden wäre. Im J. 1768 kehrte er in seine Heimat zurück. Dort lebte er seinen geistigen Genüssen und beschäftigte sich nebenbei vorzugsweise mit der Bienenzucht, über die er die sorgfältigsten Beobachtungen anstellte und deren Ergebnisse in einer ausführlichen Abhandlung niederlegte. Diese Abhandlung trug ihm die Ehre ein, wie sein [32] Biograph berichtet, daß er Mitglied der Accademia di agricoltura e d’arti dell’ Austria wurde. Es ist aus dieser Bezeichnung nicht zu entnehmen, was für eine österreichische Akademie damit gemeint sei. Das rege geistige Leben, welches sich damals in der Romagna entfaltete, trieb M. dahin und M. studirte nun zu Bologna die Rechtswissenschaft und griechische Sprache und Literatur. Eine in jenen Tagen erschienene Dissertation „Origine dei servi“ bekundete seinen nicht gewöhnlichen Scharfsinn und sein Geschick für historische Forschungen, denen er sich in der Zukunft auch ausschließlich widmete. Aber auch in diesen letzteren war es vornehmlich eine Seite, die ihn vor Allem anzog, nämlich die archäologische, daher er auch mit besonderem Eifer und aller Gründlichkeit die classischen Sprachen betrieb. Aus jenen Tagen stammen zwei größere Briefe, in welchen er zwei sehr seltene griechische Medaillen erläutert. Diese Briefe wurden ihrer Fassung und Tüchtigkeit wegen von Kennern gerühmt. Auch beschäftigte er sich damals, ebenso zu seinem Vergnügen, wie um zu studiren, mit der Ordnung und Beschreibung des Museums Trombelli, über welches er einen neuen Katalog anfertigte. Der Umgang, ja zum Theile freundschaftliche Verkehr mit Männern wie Trombelli, Casanova, Mingarelli, Tiraboschi, Baretti, Malvezzi, Serassi u. A. förderte ihn ungemein in seinen Bestrebungen. Im April 1771 machte er eine Reise nach Rom, wo er in den dortigen Kunstschätzen seine numismatischen Studien fortsetzte und mächtig erweiterte, und für das Giornale dei Letterati d’Italia mehrere Artikel, jedoch ohne sich zu nennen, schrieb. Auch entfaltete er in Rom in einem gelehrten Vereine, in der Società dell’arco, welche sich wöchentlich zu versammeln pflegte, eine rege Thätigkeit. Im Mai des folgenden Jahres setzte er seine Wanderung nach Neapel fort, wo er mit Martorelli und dem berühmten Antiquar Abb. Passeri literarische Verbindungen anknüpfte. Von Neapel nach Rom zurückgekehrt[WS 1], verweilte er dort noch zwei Jahre, endlich im April 1774 kehrte er in sein Vaterland zurück und lebte nun zuerst in Trient, wo er vornehmlich das fürstbischöfliche Archiv und das Archiv des dortigen Capitels mit großer Sorgfalt durchforschte und für die seit mehreren Jahren begonnene Geschichte von Trient verwerthete. Im Jahre 1792 vermälte er sich und blieb noch einige Jahre in Trient, als aber die politischen Wirren der französischen Revolution auch ihren Weg in die Tiroler Berge gefunden, zog sich M. im Jahre 1796 nach Calliano, einem Orte, etwa acht Meilen von Trient entfernt, zurück und lebte dort ausschließlich seinen wissenschaftlichen Forschungen. Eine Abhandlung über die Philosophie, in der er gegen die französische Schule auftrat, verbrannte er, als die Franzosen in’s Land kamen; sonst schrieb er sechs große Abhandlungen über den Ursprung und die Urgeschichte der Trientiner, zwei kritische Briefe an Stoffella und Giovanelli, beide die alte Geschichte Trients behandelnd, verschiedene Betrachtungen über Natur- und Völkerrecht, einen Katechismus der Souveränität und kritische Bemerkungen über die Werke von Macchiavelli, Filangieri und Beccaria. In neuer Zeit erst sind Martini’s historische und archäologische Schriften von dem Trienter Gelehrten Tommaso Gar [Bd. V, S. 83] gesammelt und unter dem Titel „Scritti di Storia e di Archeologia del Conte Martini“ (Trient 1858, Monauni, [33] gr. 8°.), denen ein „Discorso intorno alla vita e alle opere di Carlo Martini“ vorangeht, herausgegeben worden. In seiner Familie selbst aber werden noch reiche Collectaneen, von ihm angelegt und sorgfältig fortgeführt, aufbewahrt, so z. B. ein ausführlicher Auszug der Urkunden, welche den von der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien herausgegebenen „Codice diplomatico, detto Vanghiano“ bilden und bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts reichen; ein Auszug des Katalogs des Capitular-Archivs, der um so wichtiger ist, als das Archiv selbst längst nicht mehr die Urkundenschätze, die es einst besaß, besitzt; ferner eine Folge von Briefen der Cardinal-Legaten des Concils von Trient im Jahre 1546, welche er nach einer Abschrift, die in der Bibliothek der Casa Conti in Rom sich befindet, selbst copirt hatte. Diese Abschrift ist aber getreu dem Originale, das im geheimen Archive des Vaticans aufbewahrt wird, entnommen. Es war keine großartige Thätigkeit, welche M. entwickelte, aber es war eine auf den Nutzen seines eigenen Heimatlandes gerichtete, für dessen Geschichte und Aufhellung ihrer dunklen Puncte er in mancher Hinsicht nicht ohne Erfolg thätig gewesen. M. erreichte das hohe Alter von 82 Jahren, indem er bis zu seinem Lebensende die geistige Frische bewahrt hatte.

Biographie Martini’s von Tommaso Gar, welche vor den von eben diesem herausgegebenen „Scritti di Storia e d’ archeologia del Conte Martini“ (Trient 1855, Monauni, gr. 8°.) steht.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: zuückgekehrt.