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BLKÖ:Mahler, Moriz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Magyar, Ladislaus
Band: 16 (1867), ab Seite: 277. (Quelle)
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Mahler, Moriz (Journalist, geb. zu Wien um das Jahr 1820). Von israelitischen Eltern abstammend, erhielt er seine Ausbildung im Vaterlande. Da er humoristisches Talent besaß, begann er, sehr jung, für Journale zu arbeiten und zuerst in Pesth in dem von Klein redigirten Blatte „der Ungar“, wo er mit seinen „Murmeleien“, einer Folge von humoristischen Artikeln, debutirte. In der zweiten Hälfte der Vierziger Jahre befand er sich in Wien und war Mitarbeiter an der Bäuerle’schen „Theater-Zeitung“ und an Saphir’s „Humoristen“, in welchen beiden Blättern man humoristisch-satyrischen Bagatellen, Bluetten u. dgl. m. mit seinem Namen unterzeichnet begegnet. War er bis dahin kaum in literarischen Kreisen bekannt gewesen, so wurde er es um so mehr, als er bald nach der Märzbewegung ein eigenes Journal „der Freimüthige“ gründete und sich später zur Herausgabe desselben mit Joseph Tuvora[WS 1] verband. Dieses Blatt war namentlich in den Kreisen der Aristokratie, Beamtenwelt und Geistlichkeit weniger gefürchtet, als in Folge der Art der Angriffe, die selten die Sache, sondern meist die Personen betrafen, verabscheut. Die Sprache, welche dieses Blatt führte, hatte man noch nicht gehört. Sie war in den verrufensten Schandblättern, welche in Paris in den Neunziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Schmach der Freiheit und des sie verfechtenden menschlichen Geistes entstanden waren, nicht schlimmer geführt worden. Um sich einen Anhang in jenen Kreisen zu schaffen, welche den Cynismus des Geistes mit der rohen Kraft der Faust zu unterstützen im Stande sind, verband er mit seinem Blatte eine Beilage „die Bauernzeitung“, welche auch, wie ganz richtig berechnet [278] war, ihre Wirkung nicht verfehlte. Bei einem an die freie Presse gewohnten, überhaupt liberal regierten und unter liberalen Institutionen geistig erstarkten Volke würde ein Blatt wie „der Freimüthige“ wirkungslos geblieben sein; nicht so bei einer Bevölkerung, die seit Jahrzehenden in einer geistigen Befangenheit planlos vegetirte und Alles, was ihr nun die Revolution und ihre Hohenpriester auftischten, mit Heißhunger aufzehrte und – es sträubt sich die Feder, es niederzuschreiben – wenn es noch so widersinnig war, geradezu für bare Münze annahm. Dem Treiben des Blattes wie allem anderen Unfug machte die October-Revolution, durch welche aber auch die Glorie der Märztage mit Blut vermischt wurde, ein Ende, und Mahler war so glücklich, sich durch die Flucht zu retten, da im Hinblick auf das Los seiner Freunde Becher und Jellinek, die bei weitem nicht so arg gefrevelt hatten wie er, sein Schicksal kaum einem Zweifel unterliegen konnte. Zwölf Jahre lebte M. nun fern von Wien, und zwar in Frankreich und Belgien, in Deutschland und in der Schweiz und wurde überall in Folge von Reclamationen Oesterreichs ausgewiesen. Nach zwölfjähriger Abwesenheit erhielt er auf seine Bitte, die Heimat besuchen zu können, einen Paß auf sechs Monate und wurde, als er später um Verlängerung seines Aufenthaltes in Oesterreich einschritt, aus Wien, wo er sich bis dahin aufgehalten, ausgewiesen und nach Gratz internirt, jedoch, wurde seine Internirung mit Ministerial-Erlaß vom 13. September 1861 aus. gehoben und ihm gestattet, seinen bleibenden Aufenthalt in Wien zu nehmen. In Gratz trat er mit einem dort erscheinenden Oppositionsblatte „die Volksstimme“ in Verbindung, schrieb als Hauptmitarbeiter für dasselbe die Leitartikel und wieder in einem Tone, daß das Blatt nach der Dauer von vier Monaten und einigen Tagen unterdrückt und das ganze Mitarbeiterpersonale vor die Schranken des Gerichtes gestellt wurde. Mahler aber, der selbst seine Leitartikel im Blatte „nur einen schwachen Nachhall der donnernden Reden im ungarischen Landtage, der fulminanten Artikel in ungarischen und deutschen föderalistischen Journalen“ nennt, ergriff noch bei Zeiten die Flucht und schrieb im Februar 1862 von Paris einen Brief, worin er die Motive seiner Flucht auseinandersetzt. Er besorgte nämlich für seine, durch die Presse verübten Verbrechen zu 5jähriger Festungshaft verurtheilt zu werden. M. lebt seit dieser Zeit im Auslande und ist, überdieß an einem langjährigen Augenübel leidend, in sehr mißlichen Umständen.

Der Telegraf (Gratzer Blatt), VIII. Jahrg. (1862), Nr. 46: „Ein Brief Moriz Mahler’s aus Paris“. – Gratzer Zeitung 1862, Nr. 25: „Aus dem Gerichtssaale“. – Presse (Wiener polit. Blatt, 1861, Nr. 191 Abendblatt“ u. Nr. 248. – Pester Lloyd (polit. Journal) 1861, Nr. 225. – Preßburger Zeitung 1849, Nr. 49 [unter der Rubrik „Journalistisches Brechpulver“ bringt diese Nummer Akrosticha auf Füster, Kossuth, Gritzner, Buchheim, Falke und Mahler. Das auf letzteren läßt aus den Anfangsbuchstaben folgender Wörter: „Magister aller Hallunken! Lächerlich eingebildeter Republikaner“ Mahler’s Namen bilden]. – Die Geißel (Wiener Blatt, 4°.) 1848, Nr. 69, S. 289: „Mahleriade“ (Gedicht in Blumauer’scher Form von W(ey)l].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Franz Tuvora.