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BLKÖ:Müller, Alois

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 19 (1868), ab Seite: 339. (Quelle)
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4. Müller, Alois (Orientalist, geb. zu Rabenstein in Böhmen 10. December 1835). Jüngerer Bruder des Sprachforschers Friedrich Müller [s. d. S. 348, Nr. 14]. Nachdem er die Gymnasialstudien theils in Znaim, theils in Wien durchgemacht hatte, trat er in das Cisterzienserstift Heiligenkreuz, um Theologie zu studiren, erkannte jedoch gar bald, daß diese Laufbahn seiner Geistesrichtung nicht zusage, und verließ daher nach kaum einem Jahre wieder das Stift, um an der Wiener Universität historisch-philologische und orientalische Studien zu treiben. Er beschäftigte sich nun besonders mit dem Studium des Hebräischen und Aramäischen, welches erstere er bereits am Gymnasium angefangen hatte. Im Jahre 1859 hatte er seine Universitätsstudien beendet und wurde 1860, in welchem Jahre er auch zum Doctor der Philosophie promovirt wurde, als Amanuensis in die Wiener Universitäts-Bibliothek aufgenommen, in welcher Stellung er sich noch befindet. In den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften erschienen von ihm folgende Abhandlungen: „Pharisäer und Saducäer oder Judaismus und Mosaismus. Als Beitrag zur Religionsgeschichte Vorderasiens“ (Bd. XXXIV, Jahrg. 1860); – „Vier sidonische Münzen aus der römischen Kaiserzeit. Als Beitrag zur phönizischen Geschichte“ (Bd. XXXV, Jahrg. 1860); – „Astarte. Ein Beitrag zur Mythologie des orientalischen Alterthums“ (Bd. XXXVII, Jahrg. 1861); – „Esmun. Ein Beitrag zur Mythologie des orientalischen Alterthums“ (Bd. XLV, Jahrg. 1864). Im Jahre 1862 erschien im Auftrage des Ministeriums für Cultus und Unterricht seine Neue hebräische Lesefibel für israelitische Volksschulen. Seit dem Jahre 1861 war er ständiger Mitarbeiter bei der jüdisch-theologischen Zeitschrift „Ben-Chananja“, sowie er sich auch an der hebräischen Zeitschrift „Kochbe-Jitzchak“ betheiligte. Außer mehreren Kritiken und Anzeigen in der ehemaligen katholischen Literaturzeitung und der Wiener Wochenschrift erschienen ferner von ihm folgende Artikel: in der Zeitschrift für englisch-theologische Forschung, von Heidenheim (Bd. I, II, III, 1860–1867): „Die phönizischen Münzen des k. k. Münz- und Antiken-Cabinetes zu Wien“ und „Achaschmerosch nach den beiden Esthertargumim“; – im Mannheimer Album von Kohn (1864): Der „Talmud“ und das „Neue Testament“; – in den Illustrirten Monatsheften für die Interessen des Judenthums, von Hilberg (Bd. I, II, 1865–1866): „Die Biographien von Fürst und Luzzatto“. Durch jahrelangen persönlichen Verkehr mit Israeliten ward Müller in den Stand gesetzt, im Gegensatze zu den meisten christlichen Gelehrten dieses Faches eine lebendige und vorurtheilsfreie Anschauung vom Judenthume zu erlangen. In neuester Zeit, bei den bevorstehenden Reformen des Consulatwesens im Orient, verlautete es, daß M. den seine ausgezeichnete Kenntniß in den Idiomen des Orients zu etwas Tüchtigerem befähigt, als zur bloßen Abfassung von Titelcopien, für eine entsprechendere Stelle, als er jetzt bekleidet, in Aussicht genommen sei. Auch ging einige Zeit das Gerücht, daß ein benachbarter Staat die Absicht habe, den jungen Gelehrten zu gewinnen. Das wäre [340] für uns dann wieder ein Verlust, wofür uns kaum so bald wieder ein Ersatz würde.

Jahrbücher der biblischen Wissenschaften, von Ewald, Jahrg. 1860/61, S. 172 u. 252. – Jahrbuch für Israeliten, Jahrg. 1861/62, S. 140. – Tübinger theologische Quartalschrift, Jahrg. 1862, S. 690. – Werner, Geschichte der katholischen Theologie, S. 546, Anmerkung. – Literarisches Centralblatt, von Zarncke, Jahrg. 1864, S. 1176.