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BLKÖ:Leonhardt, Andreas

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lepař, Johann
Band: 15 (1866), ab Seite: 8. (Quelle)
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Leonhardt, Andreas (k. k. Armee-Capellmeister und Tonsetzer, geb. zu Asch bei Eger 20. April 1800). Sein Vater betrieb in Eger ein Tuchgeschäft. Selbst ein großer Musikfreund, gewahrte er mit Freude, wie sein sechsjähriger Sohn ohne Meister sich auf dem Piccolo übte und später seine Uebungen auf der Flöte ausdehnte. Da der Knabe unverkennbares Talent für die Musik besaß, gab ihm der Vater Lehrer und bei den beiden Organisten in Eger bildete sich L. fleißig in der Musik aus, versuchte sich auch in kleineren Compositionen. Ein durch Brandschaden über das elterliche Haus hereingebrochenes Unglück nöthigte aber L. mit einem Male, sich der Erlernung eines bürgerlichen Geschäftes zuzuwenden und die Kunst wurde nunmehr nur nebenbei und auch da mehr zum Broderwerbe betrieben. Im Jahre 1818 gelang es ihm, durch Verwendung des Grafen Wilhelm von Zedtwitz nach Wien zur Capelle des Regiments Kaiser Alexander zu kommen. In Wien fand er bald Gelegenheit, tüchtige Studien in der Harmonielehre bei den besten Meistern zu machen. Im Jahre 1820 marschirte er mit dem Regimente nach Neapel, wurde schon im Jahre 1822 Capellmeister im Regimente und setzte in Neapel unter Zingarelli seine musikalischen Studien fort, zugleich aber schulte er seine Regiments-Capelle so tüchtig, daß sie unter allen in Neapel den ersten Rang behauptete. Als später das Regiment nach Zara beordert wurde, gab L. seine Stelle auf und ging nach Prag, wo er unter Tomaschek den strengen Satz studirte. Nach beendeten Studien nahm er wieder eine Capellmeisterstelle, und zwar bei dem Regimente Bianchi in Lemberg an. Als ihm das dortige Klima nicht zusagte, nahm L. 1829 die gleiche Stelle bei dem 27. Infanterie-Regimente Baron Piret an, welches damals in Italien stationirt war. Bis zum Jahre 1835 blieb L. mit dem Regimente in Italien, wurde in der Zwischenzeit Ehrenmitglied der philharmonischen Gesellschaft in Bologna und später jener zu Modena. Sein Uebertritt als Capellmeister zum Regimente Hoch- und Deutschmeister kam nicht zu Stande, da ihm im Regimente Piret von dem Obersten namhafte Vortheile geboten wurden, welche L. zum Bleiben bestimmten. Im Jahre 1835 marschirte das Regiment nach Gratz, wo sich ihm vielfache Gelegenheit bot, seine Tüchtigkeit als Capellmeister und Leiter großartiger Musikchöre zu erproben. Im Jahre 1840 übertrug ihm der Gratzer Musikverein die Stelle des Directors und Gesangprofessors; wegen Geschäftsüberhäufung aber mußte L. diese Stelle später niederlegen. Als im Jahre 1850 eine einheitliche Organisation in den Musikbanden sämmtlicher Regimenter in der kais. Armee angeordnet worden, wurde L. zum k. k. Armee-Capellmeister ernannt. In dieser Stellung erwarb er sich durch seine Reformen, welche die Capellen der kais. Armee zu den ersten des Continents hoben, namhafte Verdienste; ein nicht geringeres aber durch die Zustandebringung eines Militär-Capellmeister-Pensionsvereins, der eben durch seine rastlosen Bemühungen gegründet wurde. Am 1. October 1862 überreichten ihm die Capellmeister der k. k. Armee aus diesem Anlasse einen silbernen Ehrenpokal und eine von 134 Capellmeistern der Armee unterzeichnete Dankadresse. Als Compositeur [9] hat L. eine große Fruchtbarkeit entfaltet. Außer einer großen Anzahl von Märschen aller Schrittgattungen, welche von allen Regiments-Capellen der k. k. Armee gespielt werden, componirte er ferner viele Vergatterungen, vier Trauermärsche, ein Trio für Flügelhorn, Trompete und Euphonion mit ganzer Militärmusik, die Festmusik zur Rückkehr des Erzherzogs Johann , eine Idylle, auf der Bühne zu Gratz gegeben, vier Cavatinen für Sopran- und Baß-Flügelhorn, eine Serenade für Flügelhörner, Trompete, Hörner und Posaune; den 142. Psalm, Vocal- und Instrumental-Composition; 3 Ouverturen für Orchester, 2 Ouverturen für Militärmusik, verschiedene Lieder mit Pianofortebegleitung, viele Uebungen und Duetten für Oboe, Fagott, Flöte und verschiedene andere Instrumente, endlich eine große Anzahl Arrangements von Opernpiecen für Militärmusik. Außer mehreren Heften seiner Märsche sind die meisten übrigen Werke Leonhardt’s noch im Manuscript.

Wiener allgemeine Musik-Zeitung. Redigirt von August Schmidt (Wien, 4°.) VI. Jahrg. (1846), Nr. 97 u. 98, S. 386. – Zellner’s Blätter für Theater, Musik u. s. w. (Wien) 1862, Nr. 83. – Der Kamerad (militärische Zeitung in Wien, 4°.) 1862, S. 228.