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BLKÖ:Leicher, Felix Ivo

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Leicher, Andreas
Band: 14 (1865), ab Seite: 322. (Quelle)
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Leicher, Felix Ivo (Maler, geb. zu Wagstadt in Oberschlesien 18. Mai 1727, Todesjahr unbekannt). Obwohl L. in früher Jugend ein unverkennbares Talent zur Kunst verrieth, wollte doch der Vater nichts davon wissen und schickte ihn, damit er sich für die wissenschaftliche Laufbahn ausbilde, nach Freyberg in Mähren, damit er dort auf der Piaristenschule die lateinische Sprache erlerne. Da fügte es sich einmal so glücklich, daß seine Schulkameraden Komödie spielten, wozu [323] L. die Decorationen malte. Der Aufführung des Stückes wohnte der Maler Franz Schaffer, ein Schüler Brand’s [Bd. II, S. 110] und Kupetzky’s [Bd. XIII, S. 396] bei. Diesem fielen die Decorationen auf und er wollte gar nicht glauben, daß sie ein vierzehnjähriger Junge gemalt habe. L. erzählte nun dem Maler Schaffer, welche Liebe zur Kunst er habe und daß sein Vater nichts davon wissen wolle. Da übernahm es denn Schaffer, den Vater Leicher’s umzustimmen, und in der That bewog er ihn endlich dahin, daß er ihm den talentvollen Jungen zur Ausbildung in der Kunst anvertraute. Vier Jahre lernte nun L. bei Schaffer, als aber dieser im Jahre 1749 starb, blieb L. sich selbst überlassen. Bald hatte aber L. einen Entschluß gefaßt. Er ging nach Wien, wo er die Akademie der bildenden Künste besuchte und insbesondere bemüht war, sich in der Zeichnung nach tüchtigen Mustern auszubilden. Einzelne Arbeiten, die er vollendete, richteten bald die Aufmerksamkeit auf den geschickten Künstler, die Bestellungen mehrten sich und L. wählte nun Wien zu seinem bleibenden Aufenthalt. Vornehmlich malte L. Altarblätter, und die Zahl der bekannten Bilder L.’s ist nicht gering. Es sind in der Piaristenkirche zu Wien: „Die Freundschaft Christi“ und „Der Joseph von Calasanz“, zwei große Altarblätter; – „Die H. Theresia in himmlischer Verzückung“, auch ein Altarblatt; – „Die h. Gnadenmutter“ und „Die h. Familie“, beide in der Pfarrkirche zu Misteck; – „Der H. Vitus“, in der Pfarrkirche zu Groß in Niederösterreich V. U. M. B.; das Hochaltarblatt in der Minoritenkirche zu St. Johann in Brünn; – zwei Seitenaltarblätter zu Königsfeld im Brünner Kreise; – sämmtliche Altarblätter in der Kirche zu Mutenitz ebenda; – drei Altarblätter in der Kirche zu Topolan ebenda; – sieben Altarblätter in der Kirche zu Fulnek im Prerauer Kreise; – gemeinschaftlich mit Maulbertsch sechs Altarblätter in der St. Johanneskirche zu Nikolsburg im Brünner Kreise; – das Hochaltarblatt in der Kirche zu Giersig im Olmützer Kreise; – zwei Altarblätter in der Kirche zu Klosterbruck; – mehrere in der Piaristenkirche zu Leitomischl in Böhmen; – zwei bei den Augustinern zu Bellovar in Kroatien; – vier in der Minoritenkirche auf dem Libanon in Syrien, überdieß deren in mehreren Kirchen zu Konskau und Troppau in Schlesien, zu Krakau u. s. w. Sein Todesjahr ist nicht bekannt. Nach Nagler starb er um das Jahr 1795; nach Tschischka aber hätte er noch im Jahre 1811 in Wien gelebt und wäre somit damals ein 84jähriger Greis gewesen.

Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst, herausg. vonDr. A. Schmidl (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1844), S. 607, in Dudik’s Aufsatze: „Die Kunstschätze der Malerei in Mähren“. – Dlabacz (Gottfr. Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, kl. 4°.) Bd. II, Sp. 191. – Meusel (Joh. Georg), Deutsches Künstler-Lexikon (Lemgo, 8°.) Zweite Ausgabe (1808), Bd. I, S. 560 u. 561. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, Fleischmann, 8°.) Bd. VII, S. 405. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, J. Th. Edl. v. Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 325. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 20, 21, 91, 373. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Professor Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. II, S. 571.