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BLKÖ:Kontski, die Künstlerfamilie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 416. (Quelle)
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Kontski, eine Krakauer Künstlerfamilie, welche aus dem Vater Gregor, seinen vier Söhnen Anton, Apollinar, Karl und Stanislaus, und einer Tochter Eugenie besteht. Die Familie, von altem polnischen Adel, stammt aus Krakau, und im 17. Jahrhunderte war ein Martin K. (geb. 1635, gest. 1710), ein Ahn der heutigen Tonkünstler, Kastellan von Krakau. Er begleitete den Heldenkönig Johann (III.) Sobieski auf seinen Kriegszügen gegen die Türken (1674 u. 1676) und befehligte bei dem denkwürdigen Entsatze Wiens, 1683, als das Polenheer zu dessen Rettung herbeigeeilt war, die polnische Artillerie. Er schlug die Schlachten bei Gran und Raab mit und kämpfte im Jahre 1688 unter Stanislaus Jabłonowski’s [Bd. X, S. 6, Nr. 7] Oberbefehle in der Moldau. Ein Abkömmling dieses tapferen Kriegshelden ist der obige Gregor K. Dieser hatte aus [417] seiner Ehe mit Anna Rozycka, welche aus der alten Familie der Trojanow abstammt, vier Söhne und eine Tochter, welche sämmtlich, durch ihr ungewöhnliches musikalisches Talent sich einen europäischen Ruf geschaffen haben. Sie folgen hier in der alphabetischen Reihe der Taufnamen. Anton[WS 1] (geb. zu Krakau 27. October 1817) ist Virtuos auf dem Piano und ein sehr fruchtbarer Componist für sein Instrument. Er hat die meisten Länder Europas, Frankreich, Spanien, England, Deutschland bereist und überall mit glänzendem Erfolge sich hören lassen. Zuletzt besuchte er sein Vaterland, erntete Triumphe in Lithauen, Volhynien, Podolien und der Ukraine und nahm zuletzt seinen bleibenden Aufenthalt in St. Petersburg. Sowiński zählt eine große Zahl seiner Werke, welche schon im Jahre 1857 die Opus-Nummer 148 erreichte, auf; es sind Variationen, Phantasien, Mazurs, Polka’s u. dgl. m. Im Jahre 1857 organisirte er in St. Petersburg Concerte für classische Musik. – Apollinar[WS 2] (geb. nach Sowiński zu Posen 1826, nach Gaßner zu Warschau 23. October 1825) ist, wenngleich der jüngste, weitaus der berühmteste der vier Brüder. Er ist Violinvirtuos. Paganini, der ihn im Mai 1838 spielen gehört, anerkannte in nicht gewöhnlicher Weise seine Kunstfertigkeit. Auch Apollinar durchreiste Europa, überall Triumphe seiner Kunst feiernd. Sowiński zählt 40 von seinen Compositionen auf, deren jedoch nur 15 gedruckt sind. Er ist zur Zeit als Violin-Solospieler der kais. Capelle zu St. Petersburg angestellt. – Karl (geb. zu Krakau 6. September 1815), wie sein Bruder Apollinar Violinvirtuos, der, nachdem er große Kunstreisen gemacht und überall reichen Beifall geerntet, in Paris seinen bleibenden Aufenthalts nahm, wo er als Lehrer seines Instruments lebt. Karl war es auch, der den ersten Musikunterricht seines jüngsten Bruders Apollinar geleitet. Die Zahl seiner Compositionen erreichte im Jahre 1857 die Opus-Nummer 27. – Stanislaus (geb. zu Krakau 8. October 1820) ist Virtuos auf dem Piano und lebt als Componist und Lehrer seines Instruments zu Paris. Sowiński zählt zwanzig seiner Compositionen, die sämmtlich in Paris im Stiche erschienen sind, nach ihren Titeln auf. – Eugenie (geb. zu Krakau 22. November 1816) zeichnete sich ebenso als treffliche Pianistin wie als Sängerin aus.

Sowiński (Albert), Les musiciens polonais et slaves anciens et modernes. Dictionnaire biographique etc. etc. (Paris 1857, Adrien le Clere & Co., gr. 8°.) p. 321–332 [gibt die ausführlichste Nachricht über alle vier Brüder Anton, Apollinar, Karl und Stanislaus, und zählt auch einen großen Theil ihrer Compositionen auf]. Schilling in seinem „Musikalischen Europa“ (S. 192), ebenso Gaßner in der Handausgabe seines „Universal-Lexikons der Tonkunst“ (S. 504) und das Schladebach-Bernsdorf’sche „Neue Universal-Lexikon der Tonkunst“ (Bd. II, S. 643) geben nur sehr dürftige Notizen über diese Künstlerfamilie. Apollinar findet eine fleißigere Würdigung, so brachte die Leipziger Illustrirte Zeitung 1848, Nr. 272, S. 189, seine Biographie, sein Porträt und eine Composition: „La dispute. Caprice caracteristique“, Moscheles gewidmet: – auch widmen ihm das Meyer’sche „Große Conversations-Lexikon für das gebildete Publikum“ (Bd. XVIII, S. 1028) und die von Dr. Höfer redigirte „Biographie générale“ (tome XXVIII, p. 58) jedes einen besonderen, ersteres sogar einen ausführlicheren Artikel. Zu eigenthümlich ist die Schilderung seines Spiels, welches ein Musikkritiker bei Kontski’s Auftreten in Berlin im Mai 1849 folgendermaßen charakterisirte: „Mit Thema und Melodie springt er grausamer um, als selbst Liszt und als die Spinne mit der Fliege. Er saugt sein Thema nicht, es überspinnend, aus, er begräbt und erstickt es in den künstlerisch verschlungenen Tonarten und wirft es dann aus dem mit [418] Macht zerrissenen[WS 3] Gewirke als Leichnam weg, zum Schluß das Gewebe selbst verzehrend, um es wieder hervorzuspinnen zum müßigen Zeitvertreibe. Solche Contraste von grellen Ton-Disparaten sind wohl noch nie gespielt worden. Sein Bogen zieht allen möglichen Thieren die Stimme mit der Seele aus dem Leibe. Er spricht wie Salomo mit allen Bestien, behaart oder befiedert, in ihrer Muttersprache. Das Zwitschern einer von ihrer Nährerin umflatterten Kolibribrut wechselt plötzlich mit dem Brüllen eines Kalbes ab, das man seiner Mutter entrissen. Mäusepfiffern schlägt in Unkentriller so unerwartet um, daß sich Katzen, darüber miauend verwundern.“ – Porträt. Außer obigem sehr ähnlichen Holzschnitte in der Illustrirten Zeitung ist noch eine Lithographie von Waldow (Berlin, Schlesinger, Fol.) vorhanden.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Antoni Kątski (Wikipedia).
  2. Apolinary Kątski (Wikipedia).
  3. Vorlage: zerissenen.