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BLKÖ:Kammel, Anton

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 10 (1863), ab Seite: 423. (Quelle)
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Kammel, Anton (Violinvirtuos und Compositeur, geb. auf der Fürst Fürstenbergischen Herrschaft Hanna in Böhmen, gest. zu London um 1788). Der Sohn eines Waldbereiters, der ein schönes Talent für die Musik bekundete und von dem Grafen Waldstein, der ein Liebhaber der Tonkunst war, nach Italien geschickt wurde, um sich dort im Violinspiele, worin er bereits tüchtig geschult war, vollends auszubilden. Nachdem er längere Zeit den Unterricht Tartini’s in Padua genossen hatte, kehrte er nach Prag zurück und erregte mit seinem meisterhaften Spiele allgemeine Bewunderung. Plötzlich war er aus Prag verschwunden und Niemand wußte wohin. Eine unglückliche Liebe soll es gewesen sein, die ihn sein Vaterland zu verlassen zwang. Nach längerer Zeit erst tauchte sein Name in London auf, wo es ihm anfänglich schwer fiel, sich Beifall zu verschaffen, endlich aber drang er durch und gefiel sehr. Er wurde nun großbritannischer Kammermusikus und heirathete, wie es verlautete, eine reiche Engländerin. Die Zahl seiner Werke ist nicht groß. Gerber [424] gibt sie mit 19 an und darunter Duetten für 2 Violinen (Op. 5, 12, 18, 19), Quartetten (Op. 4, 8, 14, 17); Sonaten für 2 Violinen, und für Violin und Baß (Op. 2, 7, 13); 6 Violinsolo (Op. 9); 6 Ouverturen (Op. 10) u. m. a. Vieles ist ungedruckt und in Böhmen in Handschrift verbreitet. Auch soll er mehrere Kirchenstücke componirt haben. Weitere Nachrichten über ihn sind nicht aufzutreiben gewesen, und daß er um 1788 schon gestorben gewesen, ist auch nur eine, wenngleich gut unterstützte Annahme.

Dlabacz (Gottfried Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 38. – Gerber (Ernst Ludwig), Historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, G. J. Breitkopf, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 706. – Desselben Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 10. – Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden, Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 561.