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BLKÖ:Jülg, Bernhard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 10 (1863), ab Seite: 298. (Quelle)
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Jülg, Bernhard (Philolog, geb. zu Ringelbach bei Oberkirch im Großherzogthume Baden 20. August 1825). Sohn katholischer Eltern, besuchte er seit 1839 das Gymnasium in Offenburg, wo es Professor Schwemmlein war, der ihn der Erste zu sprachlichen Studien anregte. Das letzte Jahr seiner Gymnasialzeit, 1843/44, verbrachte er in Mannheim, wo Nüßlein’s Vorträge über griechisches und römisches Alterthum wesentlichen Einfluß nahmen auf die Wahl seines Berufsstudiums. Im Herbste 1844 bezog er die Heidelberger Hochschule, und Männer wie Baehr, Creuzer, Häusser, Umbreit, Weil u. A. wurden seine Führer in der classischen Philologie und Sprachwissenschaft. Als Mitglied des philologischen Seminars löste J. 1845 die von der philosophischen Facultät ausgeschriebene Preisfrage: „De M. Terentii Varronis saturis Menippeis“, womit er die von dem Großherzoge Karl Friedrich dafür gestiftete goldene Medaille gewann. Ein ihm von dem Großherzoge Leopold gewährtes Reisestipendium ermöglichte es ihm, seine Studien in Berlin fortzusetzen, wohin er sich im Herbste 1845 begab. Durch Radowitz, damals Gesandter in Karlsruhe, und durch Minister Eichhorn erhielt er nun auch von König Friedrich Wilhelm IV. ein Stipendium, wodurch die Fortsetzung seiner Studien in Berlin bis Ende 1847 ermöglicht wurde. Hier lag er den classisch-philologischen Studien ob unter Böckh, Lachmann, Zumpt, während er sich in den übrigen Sprachen, wie Sanskrit, Chinesisch, Japanisch, Mongolisch, Mandschu, Finnisch, Türkisch, Armenisch, Koptisch [299] u. A. unter Bopp, Petermann, Schott, Schwartze und Stuhr ausbildete. Seine Studien brachten ihn auch mit Alexander von Humboldt, mit dem Geheimrath von der Gabelentz in Altenburg, mit den russischen Akademikern Staatsrath I. J. Schmidt und Fraehn[WS 1] in nähere Verbindung. Durch von der Gabelentz und I. J. Schmidt wurde Jülg auf einen bis dahin noch nicht grammatisch bearbeiteten Dialect des Mongolischen, auf das Kalmückische hingelenkt, und auf eine kalmückische Uebersetzung des Matthäus-Evangeliums basirend, entwarf er 1847 der Erste die Grundzüge der kalmückischen Sprache: „Initia linguae Calmuccicae“. Die Arbeit fand ihre gerechte Würdigung und es war damals im Werke, den jungen Gelehrten als Adjuncten für ostasiatische Sprachen in die Akademie von St. Petersburg zu berufen, aber Schmidt’s Tod, im September 1847, vereitelte diesen Plan. Ende 1847 nach Heidelberg zurückgekehrt, wirkte er bereits seit Anfang 1848 als Lehrer am Lyceum daselbst. Nachdem er im September 1848 das philologische Staatsexamen zu Karlsruhe abgelegt, kam er sofort als Lehrer an das Lyceum zu Freiburg im Breisgau; er hatte daselbst an den mittleren und oberen Classen zugleich vorzutragen. Im März 1850 kam er nach Heidelberg, um die Leitung der obersten Classe zu übernehmen und noch im Herbste d. J. in gleicher Eigenschaft an das Lyceum in Rastatt. Da erging zu Ostern 1851 von Seite des österreichischen Unterrichtsministeriums an ihn der Ruf die Professur der classischen Philologie und Literatur an der Universität in Lemberg zu übernehmen, welchem J. auch folgte. Bis Ende 1852 in Lemberg, wo er zugleich Mitdirector des philologischen Seminars war, thätig, kam er Anfang 1853 als Professor der classischen Philologie und Literatur und als Director des philologischen Seminars an die Jagellonische Universität in Krakau, an welcher er noch zur Zeit thätig ist und unter Einem auch die Leitung der mit der Universität verbundenen sogenannten akademischen Bursa (eines Convictes armer Studirender aller Kategorien, durchschnittlich 80) seit 1856 über sich hat. Neben den Vorträgen der classischen Alterthumswissenschaft hält er Vorlesungen über Sanskrit, Vergleichung des Slavischen mit den classischen und übrigen indoeuropäischen Sprachen, über allgemeine Sprachwissenschaft u. dgl. m. Auf dem Gebiete der Wissenschaft, welche J. zu seinem Berufe gewählt, ist J. auch schriftstellerisch thätig. Außer der schon erwähnten Preisschrift und kalmückischen Sprachlehre gab er heraus: „Litteratur der Grammatiken, Lexica und Wörtersammlungen aller Sprachen der Erde. Nach der Anlage von J. S. Vater neu bearbeitet und herausgegeben (Berlin 1847, Nicolai, 8°.); – „Die Märchen des Siddhi-kür. Kalmukisch. X. Erzählung (als Probe einer Gesammtausgabe), Festgruss aus Oesterreich an die II. Versammlung deutscher Philologen, Schulmänner und Orientalisten zu Frankfurt a. M. vom 24.–27. September 1861“ (Wien 1861, Staatsdruckerei, Fol.); hier muß bemerkt werden, daß zur weiteren Ausführung der kalmückischen Studien unserem Gelehrten erst die kais. Staatsdruckerei Gelegenheit bot, da dieselbe den Guß kalmückischer Lettern übernahm, die in Deutschland nirgend existirten. Jülg, der fast den größten Theil der kalmückischen Litteratur theils in Original-Handschriften, theils in Copien besitzt, die er aus der Sammlung der königl. Bibliothek in Dresden selbst gemacht, kann erst jetzt an eine Herausgabe derselben denken. In gelehrten Zeitschriften [300] zerstreut finden sich folgende größere und kleinere Abhandlungen; in den Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst (Beilage der amtlichen Wiener Zeitung) 1853: „Sprachkenntniß, Sprachwissenschaft, Philologie. Resultate der Sprachvergleichung“ (1853, Nr. 29, 31, 33, 35); – „Ueber Jan Kollar’s Staroitalia Slavjanska“ (Wien 1853, Nr. 46, 48, 50, 52, und 1854, Nr. 4 und 5); leider wurde der weitere Abdruck dieser eingehenden Kritik unterbrochen; – in der Zeitschrift[WS 2] für vergleichende Sprachforschung von Aufrecht und Kühn (Berlin); „Ulbandus“ (Jahrg. 1855, Bd. IV, S. 207); – in den neuen Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik von Dietsch und Fleckeisen: „Zu Thukydides. I, 39“ (1861, Bd. 83, S. 168); – in der Krakauer Zeitung: „Die polnische Wappenlegende Paprzyca und die ähnlichen germanischen Sagen“ (1857, Nr. 126). Außerdem mehrere Anzeigen slavischer Schriften. Zur Zeit ist J. beschäftigt mit den Vorbereitungen zur Herausgabe der berühmtesten Märchensammlung der Mongolen, nämlich der sogenannten Erzählungen des Siddhi-kür, welche mit dem Originaltexte, der Uebersetzung und dem Wörterbuche erscheinen sollen. Diese Arbeit hat ihre nicht geringe culturhistorische Wichtigkeit, seit Benfey’s „Pantschatantra“ (Leipzig 1859) gerade den Mongolen eine bedeutende Rolle zuweist in der Verbreitung unserer fast ganz aus Indien stammenden Märchen und Sagen. Jülg, welcher bereits, nachdem er die Initia linguae Calmuccicae veröffentlicht hatte, von der Universität zu Kiel das Doctordiplom der Philosophie erhielt, ist überdieß Mitglied der deutschen morgenländischen Gesellschaft zu Halle-Leipzig und auch mehrerer anderen gelehrten Vereine.

Literarische Zeitung (Berlin) 1847, Nr. 21 u. 23. – Hallische allgemeine Literatur-Zeitung 1848, Nr. 132–137 (von Pott). – Heidelberger Jahrbücher der Literatur 1847, Nr. 10, S. 149. – Neue Jenaische allgemeine Literatur-Zeitung 1847, Nr. 288. – Wiener Zeitung 1861, Nr. 191, S. 2969. – Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 1861, Bd. XII, S. 809. – Süddeutsche Zeitung 1861, Nr. 437.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Siehe Frähn, Christian (ADB).
  2. Vorlage: Zeischrift.