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BLKÖ:Jörger zu Tollet, Franz Anton Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 10 (1863), ab Seite: 227. (Quelle)
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Jörger zu Tollet, Franz Anton Graf (General der Cavallerie, geb. um das Jahr 1670, gest. zu Ofen 11. December 1738). Entstammt einem alten oberösterreichischen Adelsgeschlechte [siehe [228] unten die Genealogie] und ist von 15 Kindern der jüngste Sohn des berühmten Staatsmannes Johann Quintin Grafen Jörger [siehe S. 230 die hervorragenden Sproßen der Grafen von Jörger]. In jungen Jahren trat Graf Franz Anton – er erscheint in den Genealogien als Johann Franz Anton Dominik – in die kaiserliche Armee und that sich unter Ludwig von Baden und Eugen von Savoyen so hervor, daß er bereits am 18. Mai 1706 Oberst und am 27. December 1709 Inhaber eines Dragoner-Regiments wurde. Nach dem Siege von Widdin, 1689, hatte ihn der Markgraf Ludwig mit der Siegesnachricht an den Kaiser geschickt, damit er, nachdem er selbst in der Schlacht mit ausgezeichneter Tapferkeit gefochten, mündlich Nachricht von Allem gebe, was er selbst gesehen. Später focht er in Italien und Spanien, wurde General-Major und erhielt am 15. April 1716 den Kammerherrnschlüssel. Im Türkenkriege gab er neue Proben seines Heldenmuthes in den Schlachten bei Peterwardein (1716) und Belgrad (1717). Bei Belgrad stand er im ersten Treffen. Nachdem auf den beiden Flügeln schon Unordnung entstanden war, rückte das erste Treffen in fester Haltung, ungeachtet tiefer Nebel jeden Blick in die Gegend vor sich verhinderte, dem Feinde entgegen und kam ihm so nahe, daß fast jeder Schuß seinen Mann niederstreckte. Bei der Hartnäckigkeit des Feindes, dem jedes Fußbreit Erde abgenommen werden mußte, wurde zum Bajonnetangriff geschritten und der Feind auf diese Art in die Laufgräben zurückgeworfen. Am 1. October 1723 rückte J. zum Feldmarschall-Lieutenant, einige Jahre später zum wirklichen Hofkriegsrath vor. Noch erhielt er die geheime Rathswürde, wurde im April 1735 General der Cavallerie, und zuletzt Commandant der Festung Ofen, ein Posten, durch den 1737 ausgebrochenen Türkenkrieg von hoher Wichtigkeit, den er aber nur kurze Zeit inne hatte, da er schon im folgenden Jahre starb. Aus seiner Ehe mit Eva Constanzia Freiin von Pestaluzzi hatte er einen einzigen Sohn, Johann Quentin, welcher Kränklichkeit halber die Stelle eines Reichshofrathes, die er bekleidete, niederlegte, und der letzte seines Stammes zu Gratz am 5. October 1772 in tiefer Melancholie starb, so die Reihe dieses alten und berühmten Geschlechtes, welches beinahe fünf Jahrhunderte geblüht hatte, beschließend.

Nach Wißgrill (Bd. IV, S. 511) fiele des Franz Anton Grafen von Jörger Geburt, den er S. 512 ausdrücklich des Grafen Johann Quintin jüngsten Sohn nennt, zwischen die Jahre 1675–1680, er wäre also im besten Falle 14 Jahre alt gewesen, als ihn Markgraf Ludwig von Baden mit der Siegesbotschaft der Schlacht von Widdin (1689) an den Kaiser sendete; das ist doch unwahrscheinlich, und muß Franz Anton’s Geburt mindestens schon um das Jahr 1670 fallen. – Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen, 8°.) Bd. I, Abtheilung 2, S. 424. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 353.