Zum Inhalt springen

BLKÖ:Inzaghi, Karl Borromäus Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Intzedy
Band: 10 (1863), ab Seite: 214. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Karl von Inzaghi in der Wikipedia
Karl von Inzaghi in Wikidata
GND-Eintrag: 13018747X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Inzaghi, Karl Borromäus Graf|10|214|}}

Inzaghi, Karl Borromäus Graf (Oberster Kanzler der vereinigten Hofkanzlei, Humanist, geb. 5. December 1777, gest. zu Gratz 17. Mai 1856). Sohn des Grafen Johann Nepomuk I., k. k. innerösterr. Gubernialrathes und Ober-Berginspectors zu Idria, aus seiner Ehe mit der Gräfin Attems. Graf Karl trat in Gratz in den Staatsdienst, ging von da nach Galizien, wurde dann Kammerherr Sr. kön. Hoheit des Erzherzogs Rainer, Vicekönigs in Italien, unter Einem k. k. Cabinetssecretär und später Obersthofmeister des Vicekönigs. Im Jahre 1815 begleitete er die Armeen der Alliirten als österreichischer Armee-Intendant auf ihrem Siegeszuge; 1818 wurde er Gouverneur in Laibach, von wo er in gleicher Eigenschaft nach Venedig und, da ihm die Luft daselbst nicht zuträglich war, nach Brünn kam. Brünn vertauschte er mit Wien, um als erster Hofkanzler bei der vereinigten Hofkanzlei eines der höchsten Staatsämter anzutreten, worauf er nach dem Tode des Grafen Mittrowsky dessen Nachfolger in der Stelle des obersten Kanzlers wurde. Auf diesem Posten beging er noch das 50jährige Dienstjubiläum, dann aber fiel auch er gleich vielen Andern, ein Opfer der mit den Märztagen 1848 hereinbrechenden neuen Zeit mit den alten Menschen. Graf Inzaghi, welcher mit der Würde eines obersten Kanzlers, jene eines Präsidenten der Studien-Hofcommission, k. k. Kämmerers und geheimen Rathes verband, besaß das Großkreuz des Leopold-Ordens und war Großkreuz-Ehrenbailli des souveränen Johanniter-Ordens. Nach seinem Austritte aus dem Staatsdienste begab er sich nach Gratz, und wie überhaupt weniger seine staatsmännische Wirksamkeit in einer Oesterreichs unwürdigen Zeit in Anbetracht kommt, so war es ebenso damals, als er nach dem Staatskanzler das höchste Staatsamt in der Monarchie bekleidete, wie später, nachdem er in den Ruhestand übergetreten und nach Gratz sich zurückgezogen hatte, vornehmlich das echt humane, nur das Menschenwohl, und zwar mehr im Geheimen als öffentlich, fördernde Wesen, welches ihm das Andenken vieler einzelner, von ihm dauernd Unterstützten, wie jener Stadt sichert, die er zum Mittelpuncte seiner Wohlthätigkeitsacte gemacht hat. Es gab kein Wohlthätigkeitsinstitut in Gratz, das er nicht reichlich unterstützt hätte, und so feiern das Gratzer Kinderspital, die Kinderbewahranstalten, die Krippen, das Witweninstitut für Bürger, der Invalidenfond in Pettau, das Institut der barmherzigen Schwestern sein Andenken als das eines ihrer edelsten Wohlthäter. Für das Waiseninstitut Borromäum, des von ihm gegründeten katholischen Männervereines, kaufte er ein Haus um mehrere Tausend Gulden, ließ es zweckmäßig umbauen, mit Betten, Kleidungs- und Einrichtungsstücken versehen, fundirte es mit einem Capital zur Erhaltung des Hauspersonales, was Alles wieder einen Betrag von mehreren Tausend Gulden ausmachte. Im Jahre 1856 schenkte der Graf das vollendete und völlig eingerichtete Haus dem katholischen Männerverein und, um dessen Erhaltung zu sichern, fügte er zu dieser Schenkung eine neue von 20.000 fl. hinzu. Seine im Stillen geübten zahllosen Wohlthaten übersteigen aber weit die oben angeführten Summen. Wien und Gratz haben den edlen hochherzigen Cavalier zum Ehrenbürger ernannt. Er starb im hohen Alter von 79 Jahren. Auf seinen Wunsch wurden seine irdischen Reste von Gratz in die eigene Gruft auf dem Friedhofe zu Währing bei Wien überführt und dort beigesetzt. [215] Mit ihm und seinem unvermält gebliebenen Bruder, dem Grafen Philipp (geb. 1779, gest. zu Ober-Kindberg in Steiermark 30. Juli 1857), erlosch, wie schon früher der Zweig in Como, im Mannsstamme das Geschlecht der Inzaghi. Der Graf war mit Elisabeth Gräfin Attems (geb. 11. November 1777) seit Mai 1818 verheirathet, doch ist diese Ehe kinderlos geblieben und sein Neffe Friedrich Graf Attems ist sein Universalerbe. Von den Inzaghi’s leben nur mehr drei weibliche Sproßen, und zwar drei Schwestern des Grafen Karl, nämlich die Tochter aus erster Ehe des Grafen Johann Nepomuk mit Walpurgis gebornen Gräfin Dietrichstein: die Gräfin Maria Louise (geb. 27. November 1794), vermält (seit 18. April 1814) mit Ignaz Reichsgrafen Attems, Witwe seit 17. December 1861, Sternkreuz-Ordens- und Palastdame Ihrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich, und die zwei Töchter aus zweiter Ehe des Grafen Johann Nepomuk[WS 1] mit Rosalia Gräfin Attems (gest. 15. Februar 1841): Gräfin Maria (geb. 20. August 1799), Stiftsdame in Brünn, und Gräfin Maria Anna (geb. 5. März 1801), Honorar-Stiftsdame des weltlichen adeligen Dameninstituts zu Innsbruck.

Gratzer Zeitung 1856, Nr. 114. – Oesterreich und seine Staatsmänner (Leipzig 1844, Reclam jun., 8°.) Bd. II, S. 67: „Graf Inzaghi“, [Aus diesem mit „Graf Inzaghi“ überschriebenen, drei volle Seiten starken Artikel erfährt man nichts als eine Unrichtigkeit, daß nämlich Graf Inzaghi, Nachfolger des Grafen Wittrowsky (statt Mittrowsky) in der obersten Hofkanzlerstelle gewesen. Das übrige ist seichtes Geschwätz über Alles andere, nur nicht den Grafen Inzaghi.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Johannn Nepomuk.