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BLKÖ:Hohenstein, Adolph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 202. (Quelle)
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Hohenstein, Adolph (Forstmann, geb. zu Feucht bei Nürnberg 23. August 1808). Sein Vater Karl H. war Justizamtmann zu Feucht, kam aber später als kön. bayerischer Landrichter nach Thalgau bei Salzburg und als dieses an Oesterreich überging, in österreichische Dienste. Der Sohn besuchte das Gymnasium in Salzburg und trat im Jahre 1825 als Prakticant beim kön. Forst- und Jagdamte Salzburg ein; unter dem erfahrenen Oberförster Emanuel Ritter von Koch-Sternfeld erlernte er praktisch das Forstwesen, wurde dann in das k. k. Forst- und Jagdamt Braunau übersetzt, wo er durch zwei Jahre zu Waldgeschäften verwendet wurde. Im Jahre 1829 trat er in das Infanterie-Regiment Nr. 59, damals Großherzog von Baden, und fand, da die Compagnie, in welcher er diente, beim Festungsbaue in Brixen verwendet wurde, Gelegenheit, sich manche nützliche Kenntnisse zu erwerben. Nach einigen Jahren trat er aus und wurde k. k. Forstwart beim k. k. Forstamte zu Trient, verließ aber diese Stelle schon nach zwei Jahren, da ihm die Bezüge eines Forstwartes, 180 fl., nicht genügten, um davon zu leben. Mit Hilfe seines Onkels besuchte er, um sich im Forstfache auszubilden, die Wälder Bayerns, Böhmens, ebenso alle Culturen und Jagden, kam 1839 nach Wien und trat 1840 in Privatdienste als Förster, welche ihn nach Galizien brachten. Nunmehr reiste er nach Rußland und beschäftigte sich durch 13 Jahre in 12 Gouvernements mit Vermessung, Einrichtung der Privatwälder, Erbauung von Bretsägen, Pottaschenfabriken, Theeröfen der größten Magnaten Rußlands, welche ihn so ansehnlich honorirten, daß sich H. ein kleines Vermögen zurücklegen konnte. Ueber Aufforderung des österreichischen Gesandten am russischen Hofe, die gewonnenen vielseitigen Erfahrungen und Kenntnisse lieber zum Nutzen des Vaterlandes anzuwenden, und da für das Forstwesen in Oesterreich ein günstiger Zeitpunct gekommen war, kehrte H. nach 13jähriger Abwesenheit in’s Vaterland zurück und erhielt in kurzer Zeit die Stelle eines Vermessungsadjuncten beim Kataster in Ungarn, welche er später mit der eines k. k. Cameralförsters der Cameralherrschaft Niepolomice vertauschte, aber schon 1856 aufgab, als er anläßlich der politischen Forstorganisirung zum k. k. Bezirksförster in Mezzalombardo in Südtirol ernannt wurde. Dort hatte er die dankbare Aufgabe, die Vorurtheile der Tiroler gegen das neue Forstgesetz zu bekämpfen und durch dreijährige herangezogene Bestände [203] und angelegte Culturen sie von dem Nutzen des neuen Gesetzes zu überzeugen. Aber als deutscher Beamter unter den Italienern, als Protestant unter Katholiken, wurde seine Lage bald so unbehaglich, daß er zuletzt das Land verließ und seine Stelle aufgab. Gegenwärtig lebt Hohenstein in Wien als Redacteur der forstwirtschaftlichen Zeitschrift „Oesterreichischer Forstwirth“ und Leiter einer Güter- und Immobilien-, Kaufs- und Verkaufsagentie. Seine literarischen Arbeiten begann H. im Jahre 1849 mit einem Aufsatze in russischer Sprache im Journal der kais. landwirthschaftlichen Gesellschaft in Moskau: „Ueber die Verbesserungen der russischen Privatforste“. Seine übrigen, theils selbstständigen, theils in Fachblättern erschienenen Schriften sind: „Die Pottaschenfabrikation für Waldbesitzer und Forstmänner“ (Wien 1856, Braumüller, mit 56 eingedr. Holzschn. und 5 Tafeln, 8°.); – in der vom Reichsforstvereine herausgegebenen österreichischen Vierteljahrsschrift für Forstwesen: „Mittheilungen über die forstlichen Zustände Rußlands“ (Bd. V, Heft 3. 1855); – in der von der Wiener Landwirthschaftsgesellschaft herausgegebenen „Land- und forstwirtschaftlichen Zeitung“: „Ueber die Walderträgnisse in Rußland“ (1856, Nr. 16); – „Ueber die Cameralherrschaft Niepolomice“ (ebd., Nr. 28); – „Ueber die von dem Verfasser selbst in Südtirol eingeführte Drathriese und ihre Vorzüge als Beförderungsmittel“ (1858, Nr. 46); – „Die forstlichen Anordnungen in Bayern“ (1859, Nr. 36); – in den „Mittheilungen des ungarischen Forstvereines“: „Erfahrungen über die Theerfabrikation“ (2. Reihe, 1. Heft, 1855). Selbstständig wieder erschien das Werkchen: „Wichtigkeit der Wälder“ (1855), welchen Gegenstand er auch (1856, 6. Heft) in den Mittheilungen des westgalizischen Forstvereines behandelte; ferner das Werk: „Die Theerfabrikation für Forstmänner und Waldbesitzer“ (Wien 1857, Gerold, gr. 8°., mit Holzschnitten im Texte), worin H. treffend nachweist, daß Oesterreich seinen Schiffstheer nicht aus Rußland zu beziehen brauche, aber auch nicht die Stätte der Kiefern im Walde, wie es bisher geschah, nutzlos verfaulen lassen dürfe. Sein letzterschienenes Werk ist: „Der Wald sammt dessen wichtigem Einfluss auf das Klima der Wälder, Wohl der Staaten und Völker, sowie die Gesundheit der Menschen. Nutzen einer forstwirthschaftlichen Einrichtung und Vorschrift für die Vermessung, Schätzung und Betriebseinrichtung der Wälder“ (Wien 1860, Gerold’s Sohn, 8°.), welchem demnächst ein nicht minder praktisches über die Pechfabrikation folgen soll. H., als tüchtiger und anerkannter Fachmann, ist auch Mitglied aller Gesellschaften, in deren oberwähnten Organen seine gemeinnützigen Aufsätze erschienen sind.

Allgemeine land- und forstwirthschaftliche Zeitung, herausgegeben von Prof. Arenstein (Wien, gr. 8°.) 1856, Nr. 34.