Zum Inhalt springen

BLKÖ:Heinrich, Albin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Heinrich LXIV.
Band: 8 (1862), ab Seite: 224. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Albín Heinrich in Wikidata
GND-Eintrag: 136494714, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Heinrich, Albin|8|224|}}

Heinrich, Albin (Geolog und Literator, Custos am Franzens-Museum zu Brünn, geb. zu Friedland im Olmützer Kreise Mährens 1. März 1785).[BN 1] Besuchte nach Vollendung des Elementarunterrichtes das Gymnasium zu Altenburg, [225] dann die Universität in Wien, wo seine Vorliebe für alte classische Literatur und das Studium der Naturwissenschaften alsbald erwachte. Der Besuch naturwissenschaftlicher Vorlesungen und der Naturaliensammlungen förderte ihn wesentlich in seinen Bestrebungen. Für die praktische Ausbildung in den Naturwissenschaften kamen ihm trefflich zu Statten die zur Ferienzeit unter Dr. Schultes Anleitung unternommenen Excursionen nach Ober- und Unterösterreich, Steiermark, Salzburg, Tirol und Ungarn, mit welchem Gelehrten H. auch später (1805) im Verkehre blieb, als er in der Eigenschaft eines Privaterziehers nach Krakau, wo Schultes an der Jagellonischen Hochschule als Lehrer und Vorsteher des botanischen Gartens wirkte, berufen wurde. Ein Aufenthalt im Frühjahre und Sommer 1806 zu Kielce war günstig für vielfältige orykto- und geognostische Ausflüge in die nahe gelegenen Kupfer-, Blei- und Eisenbergwerke zu Mezianagora, Karzuwka und Wonchocz u. s. w. Als im Jahre 1809 der Aufstand in Polen ausbrach, verlor H. seine erste, mühevoll zusammengebrachte Sammlung, für den jungen Mineralogen ein empfindlicher Verlust. Die besten Exemplare seiner gesammelten schönen Kupfererze hatte er aber glücklicher Weise früher schon dem Propst und Gymnasiums-Präfecten Johann Scherschnik in Teschen geschenkt, mit welch’ hochverdientem Schulmanne er noch im December 1809 in persönlichen Verkehr trat und diesen bis an Scherschnik’s Tod (1814) unterhielt. Am 1. November 1813 wurde H. Supplent für das Lehramt der Geographie und Geschichte am katholischen Gymnasium zu Teschen; am 1. Mai 1814 aber wirklicher Lehrer dieser Fächer. Nach Scherschnik’s Tode substituirte H. dessen Stelle durch nahezu zwei Jahre und erhielt auch im April 1815 die Besorgung der Geschäfte an der von Scherschnik hinterlassenen, nun durch dessen Anordnung öffentlichen Bibliothek und Naturaliensammlung, welche er bis December 1831 leitete und die Sammlungen selbst ansehnlich vermehrte, bis er im genannten Jahre als Professor an das akademische Gymnasium in Brünn berufen wurde. Im Jahre 1836 übertrug ihm die k. k. mährisch-schlesische Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde in Brünn, deren correspondirendes Mitglied H. bereits seit dem Jahre 1818, wirkliches Mitglied und Conservator der Bibliothek am Franzens-Museum aber seit 1832 war, die Custosstelle am genannten Museum, dessen sämmtliche Sammlungen H. in eine neue treffliche Ordnung gebracht. Als H. über so angestrengter mehrseitiger Beschäftigung im Jahre 1850 in eine mehrmonatliche Krankheit verfiel, sah er sich genöthigt, dem Lehramte, dem er 37 Jahre angehört, zu entsagen und in den Ruhestand überzutreten. Von da ab widmete er sich ganz und gar seinen Lieblingsstudien und zwar zumeist der Oryktognosie, der er mit aller Vorliebe huldigte, und sammelte auf seinen fast jährlich unternommenen Reisen Mineralien für seine eigenen wie für die Sammlungen des Museums, die er mit manchem werthvollen Stücke bereicherte. Als anläßlich des hundertjährigen Gedenkfestes des berühmten Geognosten A. G. Werner die Gründung des „Wernervereines zur geognostischen Durchforschung von Mähren und Schlesien“ erfolgte, welcher Verein sich am 22. April 1851 constituirte, wurde H. in Anbetracht seiner umfassenden Kenntnisse der geognostischen und oryktognostischen Verhältnisse beider Länder [226] zum Vorstande des neuen Vereines gewählt. Für das Gedeihen desselben ist H. unermüdet thätig, wie er auch als Museum-Custos die Förderung der wissenschaftlichen Zwecke stets im Auge behält, und insbesondere in neuerer Zeit mit der Bearbeitung der Schätze beschäftigt ist, welche der Bibliothek durch die reichen Geschenke des Grafen Friedrich Silva-Tarucca zugewachsen. H. unterhält seit Jahren einen regen literarischen Verkehr. Unermüdet geistig thätig hat er mehrere selbstständige Werke, noch mehr aber kleinere Aufsätze, meistens Beiträge zur Geschichte, Biographik, Culturgeschichte und Erforschung der Naturverhältnisse von Mähren und Schlesien in verschiedenen literarischen Organen veröffentlicht. Heinrich’s selbstständig herausgegebene Schriften sind: „Versuch über die Geschichte des Herzogthumes Teschen von den ältesten bis auf die neuesten Zeiten“ (Teschen 1818, 8°.); – „Imm. Joh. Gerh. Schellers lateinisches Wörterbuch in etymologischer Ordnung. Mit mehr als 6000 Zusätzen, herausgegeben von Albin Heinrich“ (Teschen 1826, Lex. 8°.); – „Das Franzens-Museum, beschrieben von – – „(Brünn 1853, 8°.); – „Mährens und k. k. Schlesiens Fische, Reptilien und Vögel. Ein Beitrag zur Fauna beider Kronländer“ (Brünn 1856, Lex. 8°.); – außerdem enthalten die „Moravia“, Sartori’s „Vaterländische Blätter“, Andrée’s „Hesperus“, Hormayr’s „Archiv für Geographie, Geschichte u. s. w.“, die „Mittheilungen der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde“, Wolny’s „Taschenbuch für die Geschichte Mährens und Schlesiens“, das Brockhaus’sche „Conversations-Lexikon“, die in Prag erscheinende naturwissenschaftliche Zeitschrift Lotos, die „Steiermärkische Zeitschrift“, die „Monatschrift von und für Schlesien“ u. m. A., literarische Mittheilungen von Heinrich. Zu P. Gr. Wolny’s „Topographie von Mähren“ hat er die „Allgemeine Uebersicht der physikalischen und politischen Verhältnisse“ geliefert, und in Handschrift befindet sich ein umfassendes statistisches Werk in Tabellenform über Mähren und Schlesien, dessen Druck in Folge der Wirren des Jahres 1848 unterblieb. Die Wissenschaft hat Heinrich’s Verdienste anerkannt und mehrere gelehrte Vereine des In- und Auslandes, darunter der geognostisch-montanistische in Gratz, die Landwirthschaftsgesellschaft in Klagenfurt, der Verein „Lotos“ in Prag, die botanische Gesellschaft in Regensburg, die preußisch-schlesische für vaterländische Cultur zu Breslau, der Verein für Geschichte der Mark Brandenburg in Berlin und die kön. dänische Gesellschaft für nordische Alterthümer zu Kopenhagen haben H. zum Mitgliede ernannt.

Jurende’s mährischer Wanderer, Jahrg. 1838, S. 312. – Oesterreichisches Morgenblatt. Jahrg. 1838. Biographie von Franz Wanitschek. – Brünner Zeitung 1855, Nr. 49: „Custos Albin Heinrich“ [entwirft ein reiches Bild der Verdienste, die sich H. um sein engeres Vaterland und um die Wissenschaft erworben]. – D’Elvert (Christian), Geschichte des Bücher- und Steindruckes, des Buchhandels, der Büchercensur und periodischen Literatur ... in Mähren und Oesterreichisch-Schlesien (Brünn 1854, R. Rohrer, Lex. 8°.) S. 225, 318, 324, 334, 337, 338. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 538.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Heinrich, Albin [s. d. Bd. VIII, S. 224], gestorben zu Brünn 5. April 1864.
    Brünner Zeitung 1864, Nr. 161: Nekrolog im Feuilleton von Moriz Trapp. [Band 14, S. 474]