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BLKÖ:Hartmann, Leopold Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hartmann, Ludwig
Band: 8 (1862), ab Seite: 2. (Quelle)
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Hartmann, Leopold Freiherr von (Landwirth, geb. zu Wien 1734, gest. 24. Februar 1791), Vater und Sohn – Letzterer, da er in Wien geboren, Ersterer in anderer Hinsicht – dürfen ihre Stelle in einem Werke wie das vorliegende einnehmen. Leopold’s Vater war pfälzischer Geschäftsträger am kais. Hofe in Wien gewesen und hatte sich bei dem pfälzischen und bayerischen Regenten dadurch beliebt gemacht, daß es ihm gelungen war, das Ferdinand’sche Testament aus dem kais. Archive zu verschaffen. Leopold, sein Sohn, zur Zeit in Wien geboren, als sein Vater den erwähnten diplomatischen Posten am kais. Hofe bekleidete, erhielt seine Erziehung in Wien, später in Neuburg an der Donau, wohin sein Vater als Director kam, und zuletzt studirte er die Rechte in Ingolstadt. 1754 wurde er Regierungsrath in Burghausen, 1769 Vicepräsident der von Hoppenbichl (aber nicht von Hoggerbiehl, wie es in Ersch und Gruber heißt) zu Oettingen am Inn gestifteten Gesellschaft der Wissenschaften, welche 1772 auf Hartmann’s Betrieb nach Burghausen verlegt wurde, den Titel churbayerische landwirthschaftliche Gesellschaft führte und mit H.’s Tode erlosch. H. schrieb namentlich über Landwirthschaft, aber auch einiges [3] in die Moral und Politik und Naturgeschichte Einschlägiges. In der Naturgeschichte war er mit seinen paradoxen Ansichten nicht sehr glücklich und wurde mit Theorien, wie z. B. daß die Jacobsmuscheln, Seebohrer u. dgl., die in den Ortenburger Dunsthöhlen weich ausgegraben wurden und an der Luft erhärteten, keine Versteinerungen wären, sondern sich mineralisch aus Kalk als dem semine masculino, und Thon dem feminino, in dem Sande als utero erzeugten!! von Fachmännern verlacht. Das Beste leistete er als landwirthschaftlicher Schriftsteller; seine metaphysischen Ideen aber, bisher in keiner Geschichte der Philosophie gewürdigt, verdienten ihrer Sonderbarkeit wegen eine Erwähnung. Das Verzeichniß seiner zahlreichen Schriften, Reden und sonstigen Abhandlungen zählen Meusel und Kayser [siehe die Quellen] auf.

Schlichtegroll’s Nekrolog auf das Jahr 1791, Bd. I, S. 163–174 – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 3. Theil, S. 27. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805, G. Fleischer, 8°.) Bd. V, S. 194. – Kayser (Christian Gottlob), Vollständiges Bücher-Lexikon (Leipzig 1835, 4°.) Bd. III, S. 51.