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BLKÖ:Hallaschka, Franz Ignaz Cassian

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 239. (Quelle)
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Hallaschka, Franz Ignaz Cassian (inful. Propst von Alt-Bunzlau, Mathematiker, geb. zu Bautsch in Mähren 10. Juli 1780, gest. zu Prag 12. Juli 1847). Von früher Jugend auf sich selbst angewiesen, erhielt er sich vom Unterrichte in der Musik, deren Kenntniß er schon in den Normalschulen sich angeeignet hatte. Das Gymnasium besuchte er in Altwasser, die Humanitätsclassen in Kremsier. Am 20. October 1799 trat er in den Orden der frommen Schulen ein. Das Probejahr bestand er im Collegium zu Leipnik, 1801 kam er in jenes zu Straßnitz, 1802 zu Nikolsburg, 1803 zu Kremsier, wo er seine Studien fortsetzte, zugleich aber selbst, den Zwecken seines Ordens gemäß, Unterricht ertheilte. Im Jahre 1804 kam er an die theresianische Ritterakademie nach Wien, welche damals der böhmisch-mährischen Ordensprovinz einverleibt wurde. Dort versah er 1805 und 1806 das Amt eines Präfecten, unterzog sich den strengen Prüfungen aus der Mathematik und Physik, worauf er 1806 in’s Collegium nach Nikolsburg gesendet wurde, um dort den Clerikern Logik und Mathematik, am Gymnasium aber die Grammatik vorzutragen. Am 24. October 1807 erwarb er sich zu Wien die philosophische Doctorwürde. Als im Jahre 1808 zu Nikolsburg und Brünn Lehrkanzeln der Mathematik und Physik errichtet wurden, kam er zuerst an jene von Nikolsburg, dann an jene nach Brünn, von letzterer 1814 einem Rufe nach Prag als Professor der Physik folgend. Dort wirkte er bis zum Jahre 1833, in welchem Jahre er als Regierungsrath und Referent bei der Studienhofcommission nach Wien berufen wurde. Als solcher führte er das Referat über die sämmtlichen philosophischen Studien, die technischen, nautischen und Realschulen, Berg- und Forstakademien. Im Jahre 1838 wurde er Propst zu Alt-Bunzlau und Landesprälat von Böhmen und bekleidete diese Aemter bis an seinen Tod, der im Alter von 67 Jahren erfolgte, nachdem er eben für seine physischen Leiden Genesung in den Bädern von Karlsbad gesucht hatte. Neben seinem Berufe als Lehrer und später im Dienste des Staates, betrieb H. bis an seinen Tod ununterbrochen wissenschaftliche Studien. Schon während seines Aufenthaltes in Mähren brachte es sein Eifer dahin, daß in Brünn ein astronomischer Thurm erbaut wurde, auch verdanken Brünn und Prag vorzugsweise seinen Bemühungen ihre physikalischen Cabinete; er selbst berechnete 1811 alle Sonnenfinsternisse von 1813–1860 und zeichnete sie orthographisch sowohl für die ganze Erde, als auch für den Brünner Horizont. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten gelangte durch den Druck in die Oeffentlichkeit: „Elemente der Naturlehre“ (Brünn 1813, Traßler, mit 1 Taf., 8°.); – „Kurze Anleitung zur Kenntniss der Sternbilder“ (Brünn 1814, 8°.); – „Dissertatio de constructione et usu barometri et thermometri“ (Brünn 1814) – „Elementa ecclipsium quas patitur tellus luna eam inter et solem versante ab anno 1816 usque 1860“ (Prag 1817, Calve, mit 22 Taf., gr. 4°.); – „Versuch einer geschichtlichen Darstellung dessen, was an der Karl Ferdinand’schen Universität zu Prag in der Experimentalphysik gearbeitet wurde“ (Prag 1818, 8°.); – „Dissertatio de lege dilatationis per calorem quorundam fluidorum stilatitiorum etc.“ (Prag 1818); – „Dissertatio de phaenomenis tuborum capillarium“ (ebd. 1819); – „Dissertatio de phaenomenis electro-magneticis etc.“ (ebd. 1822); – „Dissertatio de luminis inflexionis et deflexionis phaenomeno“ [240] (ebd. 1822); – „Calculus ecclipsis solis observatae 19. Nov. 1816 cui accedunt elementa ecclipsium etc. ab anno 1861 usque 1900“ (Prag 1820, Calve, mit 16 Taf., 4°.); – „Längen- und Breitenbestimmung mehrerer Oerter der Herrschaften Reichenau und Czermkowiz“ (Prag 1821, Haase S.); – „Handbuch der Naturlehre“. 3 Thle. (Prag 1824 und 1825, Calve, mit 8 Taf., 8°.); – „Sammlung der vom 8. Mai 1817 bis 31. December 1827 im k. k. Convictgebäude nächst dem Piaristencollegium auf der Neustadt in Prag angestellten astronomischen, meteorologischen und physischen Beobachtungen“ (Prag 1830, Calve, 4°.); die Fortsetzung derselben in den „Annalen der Wiener Sternwarte“ (XXIII, 1845). Außerdem enthalten die Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, Bode’s „Jahrbücher“ und Schumacher’s „Astronomische Nachrichten“ die Ortsbestimmungen der Herrschaften Tetschen, Steinschönau und astronomische Beobachtungen. Seinem Geburtsorte Bautsch setzte Hallaschka ein schönes Andenken durch sein Werk, „Die freie Municipalstadt Bautsch in Mähren in geographischer, topographischer und historischer Beziehung“ (Prag 1843, 4°.), auch abgedruckt in den „Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften“, V. Folge, 2. Bd. (1843), S. 65. H. war seit 1823 Mitglied der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften und überdieß vieler anderer wissenschaftlicher Vereine.

Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, V. Folge, 5. Band (1847), S. 30–34: „Nekrolog“. – Vaterländische Blätter, herausg. von Dr. Franz Sartori (Wien) 1818, S . 265. – Oesterreichische Blätter für Literatur, Kunst, Geschichte, Geographie u. s. w.; herausg. von Dr. Adolph Schmidl (Wien, 4°.) IV. Jahrg. (1847), S. 746. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Verlag von Bernh. Friedr. Voigt), XXV. Jahrg. (1847), S. 939, Nr. 1246 [mit der falschen Angabe des Jahres 1789 als Geburtsjahr und des Ortes Rautsch statt Bautsch als Geburtsort]. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 1002. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 481. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) III. Suppl. Bd. S. 1259 [mit der irrigen Schreibart Halaschka und dem falschen Geburtsjahr 1789]. – Frankl (Ludw. Aug.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) 1847, S. 31. – Zuschauer, herausg. von S. Ebersberg, 1837, Bd. III, S. 832. – Morawia (ein mährisches Unterhaltungsblatt, 4°.) 1815, Nr. 105: „Biographische Nachrichten von jetzt lebenden mährischen Schriftstellern“. – Dasselbe Blatt 1815, Nr. 41, S. 158. – Libussa. Taschenbuch, herausg., von Alois Klar (Prag, 8°.) Jahrg. 1851, S. 465 [nach diesem gest. in Karlsbad]. – Grabdenkmal. Dasselbe befindet sich auf dem Friedhofe zu Altbunzlau. Es besteht aus einer oben abgestutzten Pyramide, worauf sich ein Kreuz erhebt und auf dessen Stirnseite das Prälatenwappen angebracht ist. Die Pyramide ruht auf einem Sockel, welcher folgende Inschrift weist:
Franciscus Cassianus
Hallaschka
Praep. Vetero Boleslaviensis et Praelatus
Bohemiae infulatus, natus 10. Julii 1780
denatus die 12. Julii 1847
In te Domine speravi, non confundar in
aeternum.
Das Denkmal ist 14 Schuh hoch und von Robert Platzer, akademischen Bildhauer zu Prag, ausgeführt. Eine Abbildung desselben enthielten die von J. N. Druchsa (Jan z Prahy) herausgegebenen „Cypressen“ im Steindruck von W. Popelik in Prag.