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BLKÖ:Haas von Längenfeld-Pfalzheim, Josepha

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 6 (1860), ab Seite: 107. (Quelle)
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Haas von Längenfeld-Pfalzheim, Josepha[BN 1] (geb. 1782, gest. in Wien 29. November 1846). Diese als Sonderling und unter dem Namen: „Die alte Degenklinge“ – weil sie eine solche stets an ihrer Seite trug – bekannte Frau hat ein segensvolles Andenken hinterlassen. Schon im Jahre 1844 hatte sie bei dem kön. bairischen Landgerichte Burglengenfeld eine Heirathsausstattungs-Stiftung für 12 arme Mädchen aus der Pfalz mit dem erheblichen Ausstattungsbetrage von 800 fl. Reichswährung für Jede begründet; für dieselbe 120 österr. Bankactien deponirt, sich aber bei Lebzeiten den Fruchtgenuß vorbehalten. In ihrem Testamente verfügte sie ferner, daß abermals 27 Pfälzerinen [108] sich dieser Wohlthat Jahr für Jahr zu erfreuen haben. Armuth, Sittlichkeit, katholische Religion und die Verpflichtung, sich an Landleute aus Oesterreich ob der Enns zu verehelichen, sind die Bedingungen für die Bewerberinen. Im ähnlichen Sinne errichtete sie eine Stiftung für Niederösterreich, und übertrug das Verleihungsrecht an den jeweiligen Prälaten von Klosterneuburg. Zu diesen Stiftungen wies sie – nach Abzug bedeutender Legate – weitere 60 Stück Bankactien und 142.000 fl. in 5percentigen Metalliques an, und bat die nieder- und oberösterreichische Regierung, dann die pfälzische politische Behörde, für möglichst gute Capitalisirung Sorge zu tragen, um aus dem Ueberschusse der Interessen immer neue Stiftungen gründen zu können. Ihre Diamanten hatte sie zum Schmucke für die Krone einer Mutter Gottes auf eine Fahne für die Mödlinger Kirche, welche aus ihrem Nachlasse anzuschaffen war, bestimmt. Für ihr Grabesdenkmal hatte sie die Summe von 1000 fl. angeordnet. Alle diese Stiftungen gewinnen aber erst wahre Bedeutung, wenn man etwas Näheres über ihre Lebensweise erfährt. Sie wohnte in Gaudenzdorf bei Wien, in einer ärmlichen Behausung, gönnte sich die Woche über nur ein Pfund Fleisch, wärmte sich, um Holz zu sparen, die Brühe am Talglichte oder an einem Holzspan; lag in der Nacht auf einem verfaulten Strohsacke, und tagüber bewachte sie, eine alte Degenklinge in der Hand, ihren Schatz, auf dem sie saß. Die Polsterhülse ihres Schlafsessels war mit den Werthpapieren, welche ihre reiche Habe bildeten, ausgefüllt. Was ihren Anzug betrifft, so erstickte sie buchstäblich unter Schmutz und Unrath. Eine merkwürdige Vereinigung von Gegensätzen, diese abnorme Lebensweise und dieses himmlische Herz, diese zu einem fast Grauen erregenden Grade gesteigerte Abkargung und diese sinnige Sorge jugendliches Glück zu begründen! Sie starb im Alter von 64 Jahren.

Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) 1846, S. 1179: „Zur Menschengeschichte unserer Tage“. – Wiener Courier (ein polit. Blatt) 1867, Nr. 276: „Die alte Degenklinge“.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Längenfeld-Pfalzheim, Josephine von, siehe: Haas von Längenfeld-Pfalzheim, Josepha [Bd. VI, S. 107].
    Nachtrag zu den Quellen. Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) IV. Jahrg. (1845), S. 225 [Längenfeld-Pfalzheim, Josephine von [Bd. 13, S. 479.]