Zum Inhalt springen

BLKÖ:Gritti, Francesco

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 5 (1859), ab Seite: 362. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Francesco Gritti in Wikidata
GND-Eintrag: 104670429X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Gritti, Francesco|5|362|}}

Gritti, Francesco (Schriftsteller, geb. in Venedig 1740, gest. ebenda 1811). Sohn der Vorigen. Erhielt seine erste Erziehung in der Accademia de’ Nobili alla Giudecca, trat dann in Dienste der Republik, stufenweise jene unteren Aemter bekleidend, welche den Söhnen vornehmer Familien, wenn sie dem Staate dienen wollten, vorbehalten blieben. Im J. 1777 [nach Gamba bereits 1770) wurde er in den Rath der Vierzig gewählt, und gehörte demselben an bis zur Auflösung der Republik. Die Liebe für die schöne Literatur hatte ihm schon seine Mutter eingeflößt, und so betrat er denn auch dieses Feld. Seine Uebersetzungen des Hamlet von Ducis und der Merope von Voltaire wurden mit Beifall aufgenommen. Proben frischen Humors und schlagfertigen Witzes gab er mit dem humoristischen Werke: „La mia storia, ovvero Memorie del signor Tomasino scritte da lui medesimo, opera narcotica del Dre. Pifpuf“ (Venedig 1767). – Sein Lustspiel „Acqua alta“ obgleich bei der Aufführung ausgepfiffen, erschien dennoch von eigenthümlichen Glossen begleitet, im Drucke. Sein poetischer Ruf hebt aber an mit Herausgabe der Uebersetzung des „Tempio di Gnido, canti VIII.“ und „Cefisa, canto unico“. In beiden Uebersetzungen machte sich G. vorerst mit dem Geiste des Originals vollkommen vertraut, und dann erst ging er an die freie Uebertragung oder vielmehr Bearbeitung derselben in seiner Muttersprache, welche musterhaft ausfiel. Seine Uebersetzung der „Pucelle“ von Voltaire blieb ungedruckt. Bei der Vorliebe des Venetianers für Dichtungen in seinem heimischen Dialecte, in welchem der derbste Witz, Spott und Humor ihre Flügel frei schießen lassen können, [363] und welcher Namen wie Basso, Barbaro, Burati, Lamberti, Zorzi, die im Volksmunde leben, aufzuweisen hat, betrat auch G. dieses Feld und seine „Apologhi“ im Venetianer Dialect erfreuten sich der günstigsten Aufnahme und erlebten bisher mehrere Auflagen. Im Dialect geschrieben ist auch sein „Brigliadoro“, reich an Spott und beißendem Witze. Das schweigsame, tiefernste, nachdenkende Wesen G.’s hätte nie jene geistigen Anlagen ahnen lassen, mit denen er, die Verkehrtheiten des Lebens unerbitterlich geißelnd, seine Mitbürger ergötzte. Cesarotti in seinem „Saggio della lingua italiana“ schreibt über ihn: „In diese Reihe (nämlich unter die Venetianischen Dialect-Schriftsteller) gehört auch Gritti in seinen „Apologhi“, ausgezeichnet durch die Anmuth des Ausdruckes, die Feinheit der Anspielungen, und eine ihm eigene ganz besondere Lebhaftigkeit; aber damit haben wir noch kein vollständiges Bild seines Wirkens, denn mit gleicher Meisterschaft und gleichem Erfolge, wie seinen heimatlichen Dialect, handhabt G. auch die toscanische Sprache.“ G. starb im hohen Alter von 71 Jahren.

Perlini (Giovanni Antonio), Cenni intorno alla vita ed alle opere di F. Gritti P(atrizio) V(eneto) (Venedig 1813). – [Martignon, Luigi] Elogio a F. Gritti, poeta Viniziano (Treviso 1827, 8°.). – Meneghelli (Antonio), Compendio della vita e delle opere di P. Gritti (Venedig 1815) [auch in Meneghelli’s „Opere“ (Padova 1831, Coi tipi della Minerva) II. Bd. S. 149]. – [Gamba, Bartolommeo] Galleria dei Letterati ed Artisti illustri delle Provincie Veneziane nel secolo XVIII (Venedig 1824, 8°.). – Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venedig 1856, Naratovich, 8°.) S. 143. – Porträt. Unterschrift: Francesco Gritti. Comirato incise (Venedig, 8°.).