Zum Inhalt springen

BLKÖ:Grüner, Joseph Sebastian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Grottger, Arthur
Nächster>>>
Haynald, Ludwig
Band: 11 (1864), ab Seite: 422. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Joseph Sebastian Grüner in der Wikipedia
Joseph Sebastian Grüner in Wikidata
GND-Eintrag: 118698400, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Grüner, Joseph Sebastian|11|422|}}

Grüner, Joseph Sebastian (Mineralog und Goethe’s Freund, geb. zu Eger im Jahre 1779, gest. ebenda 16. Jänner 1864). Nachdem G. seine Studien beendet, trat er in die Dienste seiner Commune, war erst Magistrats-Secretär, rückte zum Criminalrichter und substituirenden Bürgermeister vor, und war das letzte Mitglied des aus geprüften Richtern bestandenen Magistratscollegiums und dessen Präses, der die Amtsgeschäfte an den gegenwärtigen Stadtrath übergeben hat. Nach 44jähriger Dienstzeit zog er sich in den Ruhestand zurück. Aber nicht seine amtliche Laufbahn erregt unsere Aufmerksamkeit, sondern seine geistige Regsamkeit und die freundschaftlichen Beziehungen, in denen er durch viele Jahre zu Goethe gestanden, über welche uns Grüner selbst in dem schätzbaren Werkchen: „Briefwechsel und mündlicher Verkehr zwischen Goethe und dem Rathe Grüner“ (Leipzig 1853, Meyer, 248 S. 8°.) interessante Aufschlüsse gibt. Goethe hatte Grüner auf einer Durchreise in Eger, als er seinen Paß visiren ließ und Grüner als Polizeidirigent sich dort befand, kennen gelernt; er fühlte sich von dem intelligenten, mit Literatur, Sprachstudien und Musik beschäftigten Manne angenehm angezogen, und es bildete sich ein halb wissenschaftlicher, halb freundschaftlicher Verkehr zwischen beiden Männern heraus, den nur Goethe’s Tod löste. Noch sechs Tage vor seinem Tode, am 15. März 1832 (am 22. März starb Goethe), schrieb er einen ziemlich langen Brief an Grüner, und möchte dieses Schreiben vielleicht die letzte schriftliche Aeußerung Goethe’s sein. Im obenerwähnten Briefwechsel ist auch dieser Brief enthalten. Goethe, der bekanntlich naturwissenschaftliche Studien mit großem Eifer und Erfolge betrieb, regte auch Grüner’s Interesse für Mineralogie an, und in der That wurde G. ein tüchtiger Mineralog und Sammler. So war es er, der den Grund legte zu der reichhaltigen mineralogischen Sammlung des Fürsten Metternich im Schlosse Königswart, und auch für sich ein Cabinet von Naturschätzen zusammenbrachte, worunter sich Andalusiten, Rauchtopase, Eporane u. a. befinden, wie sie schöner in keiner anderen Sammlung anzutreffen sein dürften. Goethe hatte manche dieser Seltenheiten eingetauscht. Dadurch kam Rath Grüner auch mit mehreren naturwissenschaftlichen Gesellschaften in Berührung und die mineralogischen Gesellschaften in St. Petersburg und in Jena, die naturforschende Gesellschaft zu Jassy und die patriotische Gesellschaft in Böhmen nahmen ihn unter ihre Mitglieder auf, während ihn der Großherzog von Sachsen-Weimar mit der goldenen Gelehrtenmedaille am Bande des Falken-Ordens auszeichnete, welche Goethe selbst ihm 1824 übergab. Neben den mineralogischen Studien trieb G. insbesondere noch Topographie und Ethnographie. Im Drucke ist wohl nur ein, und zwar das beifällig aufgenommene Buch: „Beiträge zur Geschichte der königlichen Stadt Eger und des Egerschen Gebietes. [423] Aus Urkunden“ (Prag 1843, Calve, gr. 8°.) erschienen, aber in Handschrift befindet sich das nicht minder interessante: „Die Sitten, Gebräuche und Lieder, der Egerländer“, dessen Inhalt G. aus den Anschauungen, Beobachtungen eines ganzen Lebens, das er ja mitten im Volke und mit demselben zugebracht, geschöpft hat. Außerdem befinden sich in seinem Nachlasse die obenerwähnte Mineraliensammlung, eine reiche Urkundensammlung und mehrere mineralogische Manuscripte, darunter eines über die Fundorte der Mineralien. Um zwei Jahre älter als Goethe ist Grüner geworden, er starb im Alter von 85 Jahren. Ein Jahr vor seinem Tode verlor er seine Gattin, welche ihm zwei Söhne geboren, und zwar den in Leipzig lebenden österreichischen General-Consul und Legationsrath Joseph Ritter von Grüner, und einen zweiten, der zur Zeit die Stelle eines Kreisvorstehers zu Budweis in Böhmen bekleidet.

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1864, Nr. 1076, S. 111 [mit Porträt nach einer Photographie auf S. 112]. – Wiener Zeitung 1864, Nr. 16. – Zellner, Blätter für Musik, Theater u. s. w. (Wien, 4°.) 1864, Nr. 8.[BN 1]

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Grüner, Joseph Sebastian [Bd. XI, S. 422].
    (Grueber, Bernhard) Joseph Sebastian Grüner (Biographie). Separatabdruck aus dem 3. Hefte, 4. Jahrgange der Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen (Prag o. J. [1865], Gottl. Haase Söhne, gr. 8°., 14 S.). [Band 28, S. 344]