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BLKÖ:Goez (Göz), Joseph Franz Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Goetz, Joseph Mathias
Band: 5 (1859), ab Seite: 249. (Quelle)
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Goez auch Göz, Joseph Franz Freiherr (Maler und Kupferstecher, geb. zu Hermannstadt in Siebenbürgen 28. Febr. 1754, gest. zu Regensburg 16. Sept. 1815). Zum Staatsdienste bestimmt, folgte er unter ungünstigen Verhältnissen seiner Neigung zur Kunst und bildete sich in derselben auf das Vollkommenste aus. Wohl trat er zuerst in den Hofkriegsrath ein und später zur Justizstelle über und blieb im Amte so lange sein Vater lebte. Als aber dieser starb, gab er die Stelle auf, die er bekleidete und lebte nun von seinem kleinen Vermögen, ausschließlich mit der Kunst sich beschäftigend, oder auf Reisen, auf denen er die Gallerien besuchte und seinen Geschmack ausbildete. 1779 besuchte er München und entwarf in dieser Stadt jene Folge von Charakterbildern, welche seinen Namen als trefflichen Charakterzeichner bald in ganz Deutschland bekannt machten. Nachdem er dritthalb Jahre in München sich aufgehalten, ging er nach Augsburg, um aber bald nach München zurückzukehren. Nach nicht langer Zeit bereitete ihm seine Eigenschaft als Mitglied des Freimaurerordens, welchem er in Wien beigetreten war, ohne Veranlassung seinerseits große Unannehmlichkeiten. In Baiern hatten eben die Verfolgungen des Illuminatenordens begonnen. Goez fiel in Verdacht – die Gründe, warum? sind nicht bekannt – und unvermuthet erhielt er 1791 von der Regierung Befehl, München zu verlassen. Obwohl unschuldig von dieser Maßregel getroffen, fügte sich G. dem Befehle und ging nach Regensburg. Als der dortige Fürstprimas die Errichtung einer Kunstakademie beabsichtigte, sollte G. deren Director werden, aber die Zeitverhältnisse und die Regierungsveränderung Regensburgs vereitelten den Plan. Getäuscht in manchen Hoffnungen und heimgesucht von körperlichen Leiden brachte G. die letzten Jahre in Regensburg zu, bis er im Alter von 61 J. starb. Goez’ Arbeiten sind sehr zahlreich und mannigfaltig, er malte in Oel, in Gouache, ätzte mehrere Blätter u. drgl. m. Seine Hauptarbeiten sind: „Versuch einer zahlreichen Folge leidenschaftlicher Entwürfe für die [250] empfindsamen Kunst- und Schauspielfreunde; erfunden, gezeichnet, geätzt und mit Anmerkungen begleitet“ (Augsburg 1784, 4°.); es sind 160 Zeichnungen, veranlaßt durch die Darstellung eines nach Bürgers Ballade: „Lenardo und Blandine“ von ihm selbst verfaßten Melodramas, welches dem Künstler Gelegenheit gab, an den verschiedenen Charakteren den Ausdruck leidenschaftlicher Bewegungen als Studien wiederzugeben; – „Exercises d’imagination de differens caracteres et formes humaines“ (Eb. 1783 u. 1784), dieses Werk ist nur die franz. Ausgabe des vorigen und wird von Nagler irrthümlich als ein von demselben verschiedenes behandelt; – eine Sammlung ländlicher charakteristischer Scenen aus dem bairischen Volksleben, in Gouache und nun im Besitz des Lord Walpole; – „Die Nothzucht“, zwei Gouachebilder von seltener Wirkung und ohne das sittliche Gefühl zu beleidigen; – „Tod der Königin“ aus Shakspeare’s „Hamlet“; – und „König Lear im Wahnsinn“, beide in Oel; die Porträte des Churfürsten Karl Theodor, wofür ihn die Münchner Akademie mit der goldenen Denkmünze auszeichnete, – des Schauspielers Schröder, – des Freiherrn von Gleichen, – des Feldmarschall Grafen Hadik; – des Fürsten Lichnowsky; – des Feldmarschalls von Riesee, u. m. a. Von seinen theils punctirten, theils geätzten Blättern sind zu nennen: „Papst Pius VI.“, nach dem Leben gezeichnet und in Kupfer geätzt; – „Gustav III. von Schweden“ (1783, 4°.); – „Kosciuszko“, punctirt und farbig, erster Versuch in Punctirmanier; – „Denkmal auf den Tod des Heinrich Adolph von Dittmer“; – „Sechs Scenen“ zu A. C. Kaysers „Lecture für Stunden der Muße“; – „Drei Ansichten von Donaustauf“; – „Eine Familienscene, bei der Nachricht von der Ankunft der Franzosen in Regensburg“. Zwei kleine Blätter: „Trinkt nur ihr die Milch“ und: „Leben sie wohl, edler Freund“; – „Ein Gefangener, den man befreit“. G. war ein großer Künstler in kleinen Dingen, bei meisterhafter Behandlung der Farben verstand er es, überraschende Wirkungen hervorzubringen. In der Ausführung beurkundet er eine Sorgfalt ohne Gleichen. Leider sind viele seiner Arbeiten unbeendet geblieben und in seinem Nachlasse fanden sich Tausende von Ideen und Skizzen.

Meusel (J. G.), Miscellen artistischen Inhalts. XIII. Hft. S. 44 u. f. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgem. Künstler-Lexikon (München 1837, Fleischmann, 8°.) V. Bd. S. 262. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 395 [nach dieser gest. 16. Sept. 1815]. – Porträt. Dieses befindet sich zu Ende seines Werkes: „Versuch einer zahlreichen Folge leidenschaftlicher Entwürfe“ [siehe oben den Text].