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BLKÖ:Forcellini, Aegydius

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Forcellini, Marcus
Band: 4 (1858), ab Seite: 287. (Quelle)
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Forcellini, Aegydius (Sprachforscher, geb. zu Fener im Gebiete von Treviso 26. Aug. 1688, gest. 4. April 1768). Armer Leute Kind, half er bei den landwirthschaftlichen Arbeiten mit und hütete Vieh, bis ein Oheim väterl. Seits des Knaben Lust und Liebe für Edleres gewahrend, ihn 1704 im Seminar von Padua unterbrachte, wo bald darauf Facciolati (vergl. diesen Band S. 131) die Leitung dieser Anstalt übernahm. Letzterer gewahrte bald des Jünglings besondere Zuneigung für philologische Arbeiten, nahm sich seiner mit erhöhter Sorgfalt an und gewann an F. bei seinen eigenen lexikalischen Arbeiten den thätigsten und sorgfältigsten Mitarbeiter. Die erste Arbeit, an welche beide Forscher gemeinschaftlich gingen, war eine Revision des griechischen Lexikons von Schrevelius und eine neue – die 7. – Ausgabe des Polyglotten-Lexikons von Ambrosius de Calepio gemeiniglich Calepinus genannt, welche F. am 12. April 1715 begann und schon nach drei Jahren (1718) zu Stande brachte (vergleiche: Ebert Nr. 3333). Nun faßten beide Gelehrten einen viel größeren und wichtigeren Plan, nämlich analog dem Wörterbuche der Crusca, worin aus anerkannten italienischen Schriftstellern die von denselben gebrauchten Wörter in das Lexikon der italien. Sprache – u. z. mit Nachweis des Autors und der Stelle, an welcher er sich des Wortes bedient – aufgenommen sind, aus den besten Schriftstellern der latein. Sprache die Wörter mit Angabe der Autoren und der Stellen, wo sie sich deren bedient haben, in ein Lexikon der lateinischen Sprache zu fassen. Gegen Ende des J. 1718 begann F., tüchtig geschult durch seine Bearbeitung des Calepinus, ermuthigt von Georg Cornaro, damaligem Bischof von Padua, sein Werk und beendete es nach mehrmaliger Unterbrechung in Erfüllung seiner geistlichen Pflichten am 21. Febr. 1753. Vom 4. Juni 1753 bis 9. April 1755 wurde die Revision besorgt; und die am 3. Dec. 1753 von Louis Violato begonnene Abschrift war am 13. Nov. 1761 vollendet. So waren 43 Jahre an diese Riesenarbeit verwendet worden, an der Facciolati nur den geringsten Antheil hatte, wie dieser in mehreren Briefen selbst erklärt, daß alles Verdienst an derselben lediglich Forcellini gebühre. F. genoß nicht mehr das Glück, es im Druck erscheinen zu sehen, da derselbe in der Druckerei des Seminars erst drei Jahre nach seinem Tode beendet wurde. Es erschien unter dem Titel: „Totius latinitatis Lexicon consilio et cura Jacobi Facciolati, opera et studio Aegidii Forcellini“, 4 Bde. (Padua 1771, Seminar-Druckerei, 4°.). (Ebert Nr. 7788). [Vergleiche über diese Ausgabe: Allgem. literar. Anzeiger 1801, S. 588 u. f. und Classical journal I. S. 172, II. S. 929], [288] mit einer von dem Präfecten des Seminars Gaetano Cognolato (s. d. II. Bd. S. 403) verfaßten Vorrede eingeleitet. Das durch den Gebrauch F.’s bei seiner Arbeit stark abgenützte eigenhändige Original-Manuscript in 12 Foliobänden befindet sich im Paduaner Seminar, dessen Zierde F. war, aufbewahrt und bildet einen der schönsten Schätze menschlichen Fleißes und ehrwürdiger Ausdauer. In der zweiten Auflage vom J. 1805 wurden aus Cognolato’s Nachlaß Supplemente beigefügt, denen im J. 1816 der „Appendice“ von Jos. Furlanetto, gleichfalls einem Zögling des Paduaner Seminars, folgte, welcher nicht weniger denn 1060 neue Wörter und 2770 Correcturen enthält. Im Jahre 1826 gab man eine Ausgabe von Forcellini’s Lexikon in London heraus in 2 starken, schön gedruckten Quartbänden, wo die Supplemente bereits im Lexikon selbst aufgenommen sind und mehrere Zusätze, als eine Abhandlung de Particulis von dem Jesuiten Tursellinus, das Siglarium romanum von J. Gerrard und der Index etymologicus von J. Matt. Gesner Beigefugt sind. Diese englische Edition veranlaßt Furlanetto zu einer neuen, in welcher die sämmtlichen Supplemente aufgenommen werden sollten, und es erschien dieselbe in 4 Groß-Quartbänden in Padua in der Seminar-Druckerei, wo der Druck am 5. Oct. 1827 begann und 1831 beendet wurde. Diese letzte Ausgabe enthält 5000 neue Wörter und 10,000 Correcturen. Sie wurde die Beute eines deutschen Nachdruckers: Karl Schumann aus Zwickau, welcher den Nachdruck von 1828 bis 1835 in vier Foliobänden herausgab; dieser ist auch am meisten verbreitet. [Ueber die Geschichte dieses Nachdruckes, den Streit zwischen dem Verleger und dem Redacteur Voigtländer, vergleiche die „Jahrbücher für wissensch. Kritik“, 1829, Nr. 96–99 von Bonnell und Jahns „Jahrbücher“ 1832, V. Band S. 326 u. s. von Klotz]. We aus Obigem zu ersehen, so ging F.’s Leben in der Bearbeitung seines Werkes auf, welches die Grundlage aller künftigen lexikalischen Arbeiten der latein. Sprache bildet. Die Veränderungen seiner priesterlichen Stellung bestanden in einer Berufung nach Ceneda durch den dortigen Bischof als Rector des Seminars und Professor der Rhetorik von 1724–31, und 1742 in seiner Ernennung zum Beichtvater der Cleriker im Seminar, von welcher anstrengenden Pflicht er erst durch Cardinal Rezzonico im J. 1751 enthoben wurde.

Ferrari (Giov. Batt.), Vita di A. Forcellini (Padua 1792, 4°.). – Desselben: Vitae viror. illustr. Seminarii Patavini (Padua 1815) S. 176. – Fabroni (A.), Vitae Italorum doctrina excellentium (Pisa 1778–1805) XIX. Bd.Dandolo (Girol.), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venedig 1856, Naratovich, 8°.) Appendice S. 49. – Panteon Veneto e di parecchi Veneti illustri Ritratti incisi da Giuseppe Dala. Biografie scritte da Giuseppe Veronese (Venedig 1856, Gattei, 4°.) Nr. XII. – Enciclopedie des Gens du Monde [von Victor Leclerc; mit einer ausführlichen Geschichte des F.’schen Lexikons und mit der gebührenden Zurechtweisung der von den Redacteuren des Schumann’schen Nachdrucks vorgenommenen Verstümmelungen des Originals]. – Oestr. Nat.-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 161. – Gamba (Bartol.), Galleria dei Letterati ed Artisti illustri delle Provincie Veneziane nel sec. XVIII (Venedig 1824, 4°.). – Saxe, Onomasticon VI. Bd. S. 477. – Natusch, Oratio de Facciolato S. 21. – Sorgato (Gaet. Abb.), Memorie funebri antiche e recenti (Padua tipi del Seminario, Lex. 8°.) III. Bd. S. 185. – Tommaseo (Niccolò), Dizionario estetico (Mailand 1858, Lex. 8°.) Parte moderna S. 211. – Porträte. 1) Unterschrift: Egidio Forcellini. G. Dala dis. e inc. – 2) Unterschrift: Egidio Forcellini. Comirato inc. (Venedig, Lex. 8°.). – Monument. Die Inschrift desselben im Paduaner Seminar lautet: Aegidio Forcellini | Sacerdotum Exemplo | Lexicographorum Principi | Maximo Seminarii Patavini Ornamento | F. C. | Vixit a [289] LXXIX m. VIII d. X | Obiit Campi in patrio vico prid. non apr. | a MDCCLXVIII.