Zum Inhalt springen

BLKÖ:Fürstenberg, Karl Egon Fürst (Staatsmann)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 5 (1859), ab Seite: 22. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Karl Egon II. zu Fürstenberg in der Wikipedia
Karl Egon II. zu Fürstenberg in Wikidata
GND-Eintrag: 118694146, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Fürstenberg, Karl Egon Fürst (Staatsmann)|5|22|}}

Fürstenberg, Karl Egon Fürst von (Staatsmann und Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Prag 28. Oct. 1796, gest. zu Ischl 22. Oct. 1854). Sohn des Fürsten Karl Alois (s. d. S. 20). Zählte kaum 5 Jahre, als er durch den kinderlosen Hintritt seines Vetters Karl Gabriel in das Erbe der böhmischen Subsidiallinie eintrat. Als am 17. Mai 1804 auch Karl Joachim, der letzte Sprößling der reichsfürstl. Linie, starb, wurde er auch Erbherr dieser Besitzungen des Fürstenberg’schen Hauses, so daß mit Ausnahme der mährischen Güter wieder alle Fürstenberg’schen Güter in einer Hand vereinigt waren, welcher Fall seit Bestand des Hauses nur zweimal Statt gefunden hatte, zu Anfang des 16. Jahrhunderts und unter Joseph Wilhelm Ernst, dem Urgroßvater des Fürsten Karl Egon. Am 17. Nov. 1805 fand die Sequestration und in der Rheinbundsacte die Mediatisirung seines bis dahin souveränen Fürstenthums Statt. Alle Versuche der Mutter, später noch auf dem Congresse in Wien die Landeshoheit der Fürstenberge zu retten, blieben fruchtlos, die Besitzungen des Fürsten kamen unter badensche, hohenzollern-sigmaringen’sche und würtembergische [23] Oberhoheit. Der Fürst erhielt eine sorgfältige Erziehung, besuchte 1811–13 die Hochschulen zu Freiburg und Würzburg, trat dann in die Armee und sah 1815 als Ordonnanzofficier des Fürsten Schwarzenberg das Meteor untergehen, dessen Aufgang seinen Thron zertrümmert hatte. Im J. 1817 wurde er mündig erklärt und übernahm das Erbtheil seiner Väter. Im folgenden Jahre vermälte er sich mit Amalie, Prinzessin von Baden, des glorreichen Großherzogs Karl Friedrich Tochter. In seiner öffentlichen Thätigkeit als Staatsmann entfaltete er als erster Vicepräsident der badenschen ersten Kammer in den denkwürdigen Jahren 1830–1833 durch Vermittlung der schroffen Gegensätze, die in der gereizten Zeit zu Tage traten, eine segensvolle Wirksamkeit. 1834 erschien er am Hoflager des Kaisers Franz I. in Wien, bei der böhmischen Krönung erhielt er das goldene Vließ, wohnte dann den Krönungsfeierlichkeiten in London, 1838 in Mailand bei. Nach Niederwerfung des badenschen Aufstandes 1848 wirkte er vereint mit seinem regierenden Schwager dem Großherzog in vermittelnder, begütigender Weise. Neben dieser staatsmännischen Wirksamkeit entfaltete aber der Fürst noch eine humanitäre und wissenschaftliche. Das Karlkrankenhaus in Donaueschingen ist ein Denkmal seiner Mildthätigkeit, das großherzogliche Blindeninstitut bei Neidingen entstand zuvörderst durch seine Unterstützung. Der Verein zur Besserung entlassener Sträflinge, der Verein für die sittlich bedrohte Jugend wurden von ihm fürstlich unterstützt. Auf die Verbesserung der Güter in Böhmen verwendete der Fürst große Summen; die erste Eisenbahn in Deutschland, zunächst für Pferdekraft, führte er durch seine Güter in Böhmen, später ließ er sie als Zweigbahn mit der Linie in Verbindung setzen, welche Böhmen mit der Ostsee und dem adriatischen Meere verknüpft. Die Eisenwerke von Neujoachimsthal, Alt- und Neuhütten, Rostock, das Walzwerk Brasz, sämmtlich in Böhmen, und viele andere in Schwaben, brachte der Fürst zur gegenwärtigen Blüthe, und nehmen ihre Erzeugnisse eine hervorragende Stelle in der Industrie ein. In Hüsingen und Donaueschingen errichtete er Musterwirthschaften, rief unter seiner Bürgschaft eine Sparkasse in’s Leben und sicherte die Zukunft seiner Beamten durch eine der badischen nachgebildete Diener-Ordnung, indem er früher schon für deren Witwen und Waisen eine Versorgungsanstalt begründet hatte. In gleicher Weise hielt er den Ruhm seines Großvaters, der für einen der gelehrtesten Fürsten seiner Zeit galt, in Pflege der Kunst und Wissenschaft aufrecht. Seine Kapelle, eine der ersten in ihrer Art, dirigirten ein Conradin Kreuzer, und Wenzel Kalliwoda; Karl Egon Ebert versah die Stelle eines fürstlichen Bibliothekars. Seine Kupferstich- und Münzsammlung, deren Seltenheiten durch eigene Schriften des Fürsten zur Kenntniß der Gelehrten kamen, die Sammlung in- und ausländischer Naturalien, der Alterthümer, altdeutschen Gemälde, sind kostbare Zeugen seines Kunst- und Sammlersinns. Aus den urkundlichen Schätzen seines Archivs wurde mit seiner freigebigen Unterstützung die Geschichte des Hauses Fürstenberg von Münch begonnen, von Fickler beendet. Stillfried und Märker wurden bei ihren Forschungen in Schwaben für die Urgeschichte des Hohenzollern’schen Herrscherhauses die Schätze der Fürstenberg’schen Archive zur Verfügung gestellt. Zur Erinnerung an des Königs von Preußen gastliche Einkehr in Heiligenberg veranstaltete der Fürst eine urkundliche Geschichte der alten Grafen von Heiligenberg und des von ihnen beherrschten [24] Linzgaues. Sein letztes Lebensjahr brachte der Fürst abwechselnd in Schlesien, Böhmen, Wien und Berlin im Kreise seiner Familie zu. Eine Badecur, die er in Ischl nahm, endete mit seinem unerwarteten Tode, denn ein anfangs wenig beachtetes Uebel an der rechten Hand nahm einen tödtlichen Ausgang und entriß den Fürsten im Alter von 58 Jahren seiner Familie, dem Staate und der Menschheit.

Allgem. (Augsburger) Zeitung. Außerordentliche Beilage zu Nr. 37, Jahrg. 1855: „Ein Cypressenzweig auf die Gruft Karl Egons, Fürsten v. Fürstenberg.“ – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungs-Conversations-Lexikon X. Bd. S. 521. – Die Jetztzeit (Wiener Blatt). Herausg. von Dr. Herm. Meynert II. Jhrg. (1855) Nr. 21, 22. – Oestr. Nat.-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), Wien 1835) II. Bd. S. 249. – Gmundner Wochenblatt 1854 (IV. Jahrg.) Nr. 50: „Leichenbegängniß des in Ischl verstorbenen und sehr betrauerten Fürsten Karl Egon v. F.“ – Ebert (Karl Egon), Ein Denkmal für Karl Egon Fürsten zu Fürstenberg (Prag, Haase, 32 S. gr. 8°.) [elegische Dichtungen auf den Tod des Fürsten] – Porträte. 1) Kniestück. Nach Lauchert lithographirt von Léon-Noël, gr. Fol. Karlsruhe, Velten. – 2) Brustbild in Civil, nach Grund lithogr. ebenda. – 3) Zu Pferd, mit Gemalin und Gefolge, nach Adam lith. von Maier, gr. qu. Roy. ebenda. – 4) Brustbild, nach Winterhalter lith. von Léon-Noël, Roy. Fol. ebenda. – Auch bestehen mehrere Oelgemälde und Marmorbüsten des Fürsten; unter ersteren eines von Lauchert in jüngeren Jahren und ein anderes von Maria Ellenrieder aus der letztern Zeit seines Lebens.