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BLKÖ:Csokonay, Vitéz Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 62. (Quelle)
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Csokonay, Vitéz Michael (Dichter, geb. nach Kölcsey zu Debreczin 17. Dec. 1774, gest. ebenda 28. Jänn. 1805). Sein Vater war Chirurgus zu Debreczin, der Sohn besuchte daselbst das Collegium der Reformirten, vollendete 1794 die Theologie, wurde alsdann Professor der Poetik, später aber, da er sich in seiner Stellung und mit seinen Schülern freier bewegte, als dies die strengen Gesetze des Collegiums gestatteten und er sich dadurch das Mißfallen seiner Vorgesetzten zugezogen, vom Amte suspendirt, worauf er freiwillig seine Entlassung nahm (1795), Ein Jahr lang hörte er nun das ungarische Recht zu Sáros-Patak, ging alsdann im Herbst 1796 nach Preßburg, wo eben der Reichstag versammelt war u. gab hier seine vermischten Gedichte, die er in letzterer Zeit schrieb, heftweise unter dem Titel: „Diétai magyar Musa“, d. i. Ungarische Landtagsgedichte heraus, welche ihm bald einen Namen und große Beliebtheit verschafften. Um diese Zeit lernte er in Komorn ein Mädchen kennen, welches er in seinen Dichtungen unter dem Namen Lilla feierte. Seine Hoffnungen, Lilla als das Weib seines Herzens heimzuführen, schienen der Erfüllung nahe zu sein, als Graf Festetics damals in Churgó ein Gymnasium für Reformirte errichtete und C. eine Lehrkanzel verlieh. Nun warb C. um die Hand des Mädchens, wurde aber von demselben abgewiesen. Davon tief erschüttert, entsagte er seinem Amte und lebte von dieser Zeit an theils bei seinen Freunden, theils bei seiner Mutter zu Debreczin, wo ihn ein früher Tod, er zählte erst 31 Jahre, ereilte. Seine in diesem Zeitraume herausgegebenen Werke sind: „Magyar Insurrectio“, d. i. Ungarische Insurrection (Komorn 1797); – „Amaryllis. Idyllium ...“ (Pesth 1803, Trattner, 8°.), eine Idylle anläßlich des Todes der Gemalin des k. Hofrathes Schrand; – „Dorottya vagyis[WS 1] a dámák diadalma a farsangon“, d. i. Dorothea, ein komisches Epos in 4 Gesängen (Großwardein und Waitzen 1804); die Vorrede enthält [63] eine Abhandlung über das komische Epos; – „Anakreoni dalok“, d. i. Anakreontische Lieder (Wien 1804, neue Aufl. 1816), mit einer kurzen Abhandlung über die Anakreontische Liebe; – „Lilla. Érzékeny dalok III. könyvben“ (Grosswardein 1805, 8°., neue Aufl. Wien 1816), das sind Liebeslieder, denen er den Namen seiner Geliebten als Titel gab; voran geht eine Abhandlung über lyrische Gedichte; – „Odák két könyvben“, d. i. Oden in 2 Büchern (Wien 1816, 8°.); – „Alkalmatosságokra írt versek“, d. i. Gelegenheitsgedichte (Großwardein 1805, 8°.); – „Halotti Versek“, d. i. Ein philosophisches Gedicht über die Unsterblichkeit der Seele bei Gelegenheit des Ablebens der Theresia Rhedei (Großwardein 1804, 8°.); – „Galatea“ (Gosswardein 1816, 8°.); – „A pásztor király“, d. i. Der Hirt ein König (Eb. 1816, 8°.) und „Temetési versek“, d. i. Leichengesänge (Ebenda, 8°.). Auch erschien von C. eine Uebersetzung des Frühlings von Kleist unter dem Titel: „A’ tavasz. Irta Kleist. Forditotta Csokonay Vitéz Mihály“ (Komorn 1802, 8°.). Professor Marton gab C.’s vorzüglichere Werke unter dem Titel: „Csokonay Vitéz Mihály nevezetesebb poétai munkái két kötetben“ (Wien 1813), in einer gefälligen Taschenausgabe in 4 Bänden heraus. Diesen beiden Ausgaben ist auch „Békaegérhartz, Homerus Batrachomyomachiája szerént“, d. i. Homers Froschmäusekrieg einverleibt. Ein Jahr später veröffentlichte Domby noch einige seiner ungedruckten Poesien unter dem Titel: „Csokonay Vitéz Mihály élete ’s némelly még eddig ki nem adott munkáji“ (Pesth 1817, 8°.), denen er C.’s Biographie voranschickte. Neue Gesammtausgaben der Werke C.’s erschienen noch 1816 (Wien 2 Bde.); 1836 (Werfer in Kaschau); von Kelemföldy 1842 in Leipzig; die fünfte und vollständigste Prachtausgabe 1846, nach Manuscripten herausgegeben von Dr. Franz Toldy, mit dem Porträt des Dichters. Ueber Csokonay als Dichter hat die ungarische Literaturgeschichte bereits das Urtheil gefällt. „Von Jugend her kannte er keine edleren Kreise, er genoß eine scholastische Erziehung. Dann lernte er Kazinczy und Földi kennen, doch seine Neigung zog ihn mehr zu Letzterem, der ein trockener geschmackloser Mann, die gute Sprache beim Landvolk suchte, das Populäre mit dem Pöbelhaften verwechselte und dem Postulat des Schönen genug gethan zu haben wähnte, wenn er die Sylben des gereimten Verses maß, und dieser Einfluß war für Csokonay nicht günstig. Doch sind viele seiner Lieder Muster metrischer Correctheit, und rhytmischer Schönheit. Das Beispiel Földi’s machte es, daß seine meisten lyrischen Productionen durch einzelne unedle Ausdrücke oft gewaltig verunstaltet worden. Zur populären Lyrik und zum Niedrigkomischen hatte Csokonay unstreitig das meiste Talent und seine besten Arbeiten gehören dieser Gattung an. Sein launigstes Epos „Dorottya“ ist gut gedacht, hat viel Scherz und Satire, oft geniale Sprünge, allein das Komische liegt mehr in der Erfindung als in der Darstellung und oft gilt ihm gemeiner Scherz als Witz. Unter diese Bemerkung fallen seine gedruckten sowohl als nur handschriftlich cursirenden Travestien, welche überdies auch durch priapeische Auswüchse beleidigen. Man hat C. den ungarischen Bürger genannt und thatsächlich finden sich im Leben und in den Arbeiten beider Dichter einige Aehnlichkeiten. C. besaß ausgebreitete wissenschaftliche Kenntnisse, verstand griechisch, lateinisch, französisch, italienisch, deutsch, etwas englisch und war sogar in den orientalischen Sprachen ziemlich bewandert. Er bedurfte eines Freundes, der seine Ansichten über Sprache und Poesie geläutert, und seinen [64] ausgebreiteten Kenntnissen eine edlere Richtung gegeben hätte.

Élete ’s némelly még eddig ki nem adott munkáji, i, d. i. Sein Leben und einige bis jetzt noch nicht herausgegebene Werke (Pesth 1817, 8°.). Diese noch ungedruckten Poesien C.’s gab Domby heraus und schickte denselben C.’s Biographie voran. – Tudományos gyüjtemény 1817, S. 107: „Kölcsey Csokonay Vitéz Mihály munkajinák kritikai megitéltetésök. – Toldy (Franz), Handbuch der ungarischen Poesie … In Verbindung mit Julius Fenyéry herausgegeben (Wien und Pesth 1828, Kilian und Gerold, 8°., 2 Bde.) I. Bd. S. LI und 268. II. Bd. S. 386 u. 560 [nach diesem, der die Angaben Kölcsey entnimmt, ist C. am 17. Dec. 1774 geb.]. – Der von J. Marton herausgegebenen Ausgabe der vorzüglicheren poetischen Werke C.’s steht auch sein Leben voran. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften u. Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 20. Bd. S. 288 [nach diesem ist Csokonay am 17. November 1773 geb., 28. Jänner 1806 gestorben]. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungar. Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreib. Von Jakob Ferenczy u. Jos. Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich) S. 86 [nach diesem geb. 1774]. – Müller (Gyula) és Vahot (Imre), Egyesült magyar és erdélyiországi nagy képes naptára 1857, d. i. Vereinigter ungar.-siebenbürgischer großer Bilder-Kalender (Pesth 1857, kl. 4°.) S. 128 [daselbst S. 129 die Abbildung seines Grabdenkmales]. – Allg. Literatur-Zeitung. Intelligenzblatt 1805, Nr. 79, S. 638. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die im ersten Jahrzehend des 19. Jahrhund. gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, Lex. 8°.) I. Bd. Sp. 277. – Kertbeny (K. M.), Album hundert ungrischer Dichter (Dresden u. Pesth 1854, Geibel, 16°.) S. 43 und 493 [gibt das J. 1774 als sein Geburts-, 1805 als sein Todesjahr an]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1842 u. f., Bibl. Inst.) VII. Bd. 3. Abth. S. 375 [gibt den 28. Jänner 1806 als Todestag an]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 638. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon 10. Auflage IV. Bd. S. 494 [gibt das J. 1774 als Geburtsjahr an].[BN 1][BN 2]Porträt. Von John gestochen, steht vor der zweiten Wiener Ausgabe seiner Werke. – C.’s Büste von seinem Landsmann Ferenczy in Rom aus carrarischem Marmor gearbeitet, ist in der Collegial-Bibliothek zu Debreczin aufgestellt. – Monument. Wolfgang von Cserey [s. d. S. 55 d. Bds.] errichtete C. in seinem Lustgarten zu Kraßna in Siebenbürgen auf eigene Kosten ein Denkmal.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Csokonai, Vitéz Michael, ungarischer Dichter [s. d. Bd. III, S. 62].
    Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, gr. 4°.) 1859, Nr. 34 [mit Cs.’s Porträt im Holzschnitt; auf S. 400 derselben Nummer befindet sich eine Abbildung seines Denkmals). – Magyar irók, arcképei és életrajzai, d. i. Ungarische Schriftsteller in Bildern und Lebensbeschreibungen (Pesth 1858, Gust. Heckenast, kl. 4°.) S. 50 u. f. – Toldy (Ferencz), A Magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig, d. i. Geschichte der ungarischen Dichtung seit der Schlacht von Mohács bis auf unsere Tage (Pesth 1855, Heckenast, gr. 8°.) Bd. I, S. 656–691. [Band 11, S. 384]
  2. E Csokonai, Vitez Michael [Bd. III, S. 62].
    Presse 1871, Nr. 281, im Feuilleton: „Ein Vorgänger Petöfi’s“. [Band 24, S. 381]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Dorotya vagy is.