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BLKÖ:Colloredo-Mansfeld, Ferdinand Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 420. (Quelle)
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Colloredo-Mansfeld, Ferdinand Graf (Staatsmann und Humanist, geb. zu Wien 30. Juli 1777, gest. auf seiner Herrschaft Gresten in Niederösterreich 10. Dec. 1848). Ist ein Sohn des Fürsten Franz de Paula Gundaccar II. und ein Bruder des Fürsten Hieronymus II. (siehe diese Zwei). Studirte zu Würzburg und Göttingen, bildete [421] sich für die Diplomatie, ward 1801 kurböhmischer Gesandter auf dem Reichstage zu Regensburg und böhmischer Subdelegirter in der denkwürdigen Epoche der großen Säcularisation und Mediatisirung (1802–3). Alsdann kam er als Gesandter nach Neapel, und folgte 1806 dem nach Palermo vertriebenen Hofe. Im J. 1808 trat der Graf aus dem Dienste der Diplomatie in’s Privatleben zurück. Als die Kriegsepoche des J. 1808 die Organisirung der Landwehr erheischte, übernahm C. die Bildung einer Compagnie derselben und erhielt bald als Major die Führung eines Bataillons, mit welchem er den Feldzug von 1809 mitmachte. Im Gefechte bei der schwarzen Lacken und in den Schlachten bei Wagram u. Aspern zeichnete sich der Graf besonders aus. In letzterer, in welcher er den Rückzug des 4. Armeecorps deckte, verwundet, mußte er nach Prag zurückgebracht werden. Für seine in diesem Feldzuge erworbenen Verdienste erhielt er auf persönlichen Antrag des Erzh. Karl das Commandeurkreuz des österr. Leopold-Ordens. Nach Napoleons Rückkehr von Elba nahm C. abermals Kriegsdienste, wurde im Hauptquartier des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg verwendet und zuerst zur Beobachtung der Aufstellung und des Geistes der Schweizertruppen nach der Schweiz gesendet. Nach Beendigung des Feldzuges 1815 zog er sich in’s Privatleben zurück, widmete sich aber 1822 abermals dem Staatsdienste. Zuerst übernahm er provisorisch die Geschäfte eines Verordneten des niederösterr. Herrenstandes und zwar die Führung des Steuerreferates für die gesammte Provinz; wurde im folgenden Jahre nach Ableben seines Vorgängers in diese Stelle berufen und 1829 wieder darin bestätigt. In dieser Stellung wirkte der Graf mit seltener Energie und das vor seinem Dienstantritte sehr zerrüttete Steuerwesen Niederösterreichs hat er durch ein Wohl durchdachtes System geregelt und in Ordnung gebracht. Auch war er seit 1823 Beisitzer der Erbsteuer-Hofcommission; seit 1825 Administrator der wechselseitigen Brandversicherungs-Anstalt; 1826 Präsident der ersten österr. Sparcasse und damit verbundenen Versorgungsanstalt; 1833 Ober-Curators-Stellvertreter der Sparcassa und 1835 General-Director der wechs. Brandversicherungs-Anstalt. Als Mitglied des Ausschusses der Landwirthschafts-Gesellschaft in Wien wirkte er kräftig zur Hebung der Cultur, und führte mit großen Opfern der erste den fabriksmäßigen Betrieb der Zuckerbereitung aus Runkelrüben in Niederösterreich ein. Allen patriotischen Anstalten sich mit Lust und Eifer anschließend, entfaltete er als Präsident des niederösterr. Gewerbevereins eine solche Thätigkeit, daß die Mitglieder desselben dem, um die Förderung der heimischen Industrie viel verdienten Grafen an seinem 70. Geburtstage (30. Juli 1847) ein Ehrengeschenk überreichten (siehe darüber unten in den Quellen). Im Jahre 1848 nahm er das Commando der Wiener akademischen Legion an, gab aber nach mannigfachen Erfahrungen diese Stellung bald wieder auf, zog sich gänzlich vom öffentlichen Leben zurück, und starb im Dec. des nämlichen Jahres.

Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835 u. f., 6 Bde.) VI. Bd. und Supplement S. 406. Artikel von Leopold Fitzinger. – Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) I. Bd. S. 736, Nr. 11. – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1832, Brockhaus, gr. 8°.) I. Bd. S. 468. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1847, Kunstblatt Nr. 16: „Der n. ö. Gewerbverein und sein Präsident Graf Ferd. Colloredo-Mansfeld.“ – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 2. Abth. S. 1001, Nr. 12 [mit der unrichtigen Angabe des J. 1767 als Geburtsjahr], II. Supplem. [422] Bd. S. 1087, Nr. 2. – Ehrengeschenk. Dasselbe besteht in einem silbernen Henkelkrug, nach einer Zeichnung von Professor Rösner. Der Krug ist in Cylinderform, in der Mitte des Cylinders sind acht Nischen, darin die acht Figuren der Chemie, Physik, Mechanik, der Montangewerke, Naturgeschichte, gewerblichen Zeichnung, des Handels und Webererwaarendrucks, nach Zeichnungen von Führich, von dem Graveur Steinbock modellirt. Der Knopf des Deckels besteht aus einem heraldischen Löwen als Schildhalter des gräflichen Wappens. Der Krug ruht auf einem silbernen, reich verzierten, achtseitigen Untersatz und ist ein Meisterwerk des berühmten Wiener Ciseleurs Joseph Glanz (s. d.).