Zum Inhalt springen

BLKÖ:Christ Freiherr von Ehrenblüh, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Chotek, Franz Xaver
Band: 2 (1857), ab Seite: 363. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Josef Christ von Ehrenblüh in Wikidata
GND-Eintrag: 143926268, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Christ Freiherr von Ehrenblüh, Joseph|2|363|}}

Christ Freiherr von Ehrenblüh, Joseph (k. k. Artillerie-Oberst, Ritter des Mar. Theresienordens, geb. zu Wien 1774, gest. ebenda 30. Dec. 1841). Trat am 24. April 1783 als Tambour in’s zweite Feld-Artillerieregiment; im Mai 1790 zum Bombardiercorps übersetzt, [364] rückte er bis zum Jahre 1797 zum Feuerwerker vor. Als im Golfo di Spezia – im August 1799 – die Stadt Venere, und mehrere benachbarte Forts bereits gefallen waren, blieb nur noch das Fort Sta. Maria übrig, welches Oberst Oraskowich beschießen ließ. Bei dieser Gelegenheit zeichnete sich der Feuerwerker Ch. aus, der mit rastloser Thätigkeit nicht nur bei dem Batterienbaue auf felsigem Gebirge seltene Energie bewies, sondern bei dem Mangel brauchbaren Geschützes die vorgefundenen vernagelten Kanonen ausbohren, die zertrümmerten Lafetten zusammensetzen und repariren, und ein und das andere stückweise durch Menschen und Thiere auf die hohen Felsenrücken aufziehen ließ. C. erhielt hierfür im April 1800 die goldene Militär-Tapferkeitsmedaille, rückte mit 11. Febr. 1803 zum Oberfeuerwerker vor, und ward mit 18. Sept. 1805 als Unterlieut. zum ersten Feld-Artillerie-Regimente übersetzt. Im Jahre 1805 stand C. bei der Armee in Italien, und zeichnete sich bei den Gärten jenseits der Brenta am 4. November aus. Er commandirte eine Cavalleriebatterie von vier sechsbändigen Kanonen und zwei siebenpfündigen Haubitzen. Die Stellung, die er erhalten hatte, nützte in der Situation wenig; ohne einen Befehl abzuwarten, rückte er selbst in das erste Treffen, wodurch er in den Stand gesetzt wurde, den Feind energisch zu beschießen und den Rückzug der Seinigen zu unterstützen. Als auch eine feindliche reitende Batterie mit neun Geschützen erschien, u. durch ihr mörderisches Feuer die zum Abwerfen der Brücke in Bereitschaft stehenden Kroaten an der Ausführung dieses Vorhabens hindern wollte, da richtete C. seine sechs Geschütze gegen die heftig eindringende feindliche Infanterie und beschoß dieselbe mit Kartätschen, feuerte seine Artillerie-Mannschaft, gegen welche der Feind sein Geschützfeuer richtete, zur größten Standhaftigkeit und Thätigkeit an, sprang dann vom Pferde und brachte die bereits wankend gewordenen Kroaten durch sein Beispiel und seine Ansprache zum Stehen, ließ alle Pfosten der Brücke abreißen und in den Fluß werfen, wodurch der Uebergang des Feindes über die Brenta vereitelt wurde. C. wandte sich hierauf wieder zu seinen Geschützen, fand die nächst der Brücke stehende Haubitze durch das heftige Feuer des Feindes von Mannschaft entblößt, übernahm dabei die Vormeistersstelle, ließ durch die übrigen 5 Geschütze immer eine Kanone des Feindes beschießen, so daß der Feind zum Rückzuge gezwungen wurde; dann wurde die Brücke abgetragen. Mit Tagesanbruch ging er über die Piave, zerstörte dann die Pontonbrücke daselbst, übernahm die Zerstörung der Jochbrücke über den Tagliamento am 8. freiwillig, welche er bis an die Oberfläche des Wassers abbrannte. Den zweiten Tag erschien die mehrere tausend Mann starke feindliche Cavallerie, welche beim Uebersetzen durch den Fluß namhafte Verluste erlitt. Im J. 1809 beim Reservecorps des Generals der Cavallerie Fürst Liechtenstein, hatte er mit seiner Cavalleriebatterie in der Schlacht bei Aspern den Feind sieben Mal angegriffen und seiner Cavallerie so viel Schaden zugefügt, daß sie sich zurückziehen mußte. Als am 22. Eßlingen von allen Seiten mit Sturm angegriffen werden sollte, und die attaquirende Infanterie im Augenblicke des Sturmes nur drei Kanonen hatte, bot sich C. freiwillig an, den Angriff der Infanterie zu unterstützen, führte seine 11/2 Batterien unter Jubelgeschrei der durch seine Ansprache entflammten Bedienungsmannschaft in die nächste Nähe des Ortes, und durch trefflich angebrachtes Kartätschenfeuer fügte er dem Feinde so großen Schaden zu, daß die Infanterie bereits theilweise in [365] das Dorf einzudringen vermochte. Als diese vom übermächtigen Feinde wieder zurückgeworfen wurden, ließ C. mitten im heftigsten feindlichen Feuer seine Batterie stehen, und vereitelte durch ein unausgesetztes Kartätschenfeuer dem Feinde das Verfolgen der österr. Infanterie. In den Tagen der Schlacht von Deutsch-Wagram (5.–6. Juli) befehligte C. eine Cavalleriebatterie von 6 Geschützen bei dem Corps des FML. Grafen Bellegarde, und hatte am Vormittag des 6. schon 5 Mal mit dem besten Erfolge die feindliche Cavallerie angegriffen. Als durch das immer heftigere Andringen des Feindes am 6. Nachmittags der linke Flügel des I. Armeecorps wirklich schon zu weichen anfing, ließ C. seine Batterie bis auf 400 Schritte an den Feind führen, und ein heftiges, gut angebrachtes Kartätschenfeuer vereitelte ein weiteres Vordringen des Gegners, und verschaffte den geworfenen Truppen Gelegenheit, sich zu sammeln, um in der größten Ordnung den Rückzug antreten zu können. C. erhielt für seine Waffenthaten in der Folge (am 10. März 1810) das Ritterkreuz des Mar. Theresienordens, rückte mit 11. Juli 1809 zum Oberlieut. vor, und ward im August 1810 in den österr. Freiherrnstand mit dem Prädikate von Ehrenblüh erhoben. Nachdem er sich auch in den Feldzügen von 1813, 1814 u. 1815 hervorgethan, ward er im Febr. 1815 Kapitänlieut., im Mai 1816 wirkt. Hauptmann bei dem 4. Feld-Art.-Reg., am 26. Febr. 1826 Major im Regimente, am 31. März 1834 Oberstlieut. bei dem 5. Feld-Art.-Reg., und im Aug. 1835 Oberst und Regimentscommandant des 2. Feld-Artillerie-Reg., als welcher er im Alter von 67 Jahren starb.

Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von J. Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) I. Bd. S. 698. – Wappen: Ein quergetheilter Schild. In der oberen blauen Hälfte ein geharnischter Mann, in den oberen Winkeln rechts eine strahlende Sonne links ein linksgekehrter Mond. Auf der Sturmhaube eine rothe Feder, in der rechten Hand ein zum Streit gerichtetes Schwert, die Linke in die Seite gestützt. In der unteren silbernen Hälfte auf grünem Grunde drei blühende Kornähren, über ihnen ein Lorbeerkranz.