Zum Inhalt springen

BLKÖ:Braun, Jakob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Braun, Adam
Band: 2 (1857), ab Seite: 119. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Jakob Braun (Blindenpädagoge) in der Wikipedia
Jakob Braun in Wikidata
GND-Eintrag: 142023779, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Braun, Jakob|2|119|}}

Braun, Jakob (Blinder, geb. zu Bruck an der Leitha in Nieder-Oesterreich 1795, gest. zu Wien 1839). Erblindete, drei Jahre alt, durch die Blattern gänzlich. Es waren ihm die Augen ausgeronnen. Der nunmehrige Director des Blindeninstitutes, Wilhelm Klein, nahm 1804 den Kleinen zu sich, um mit ihm die Erziehung blinder Kinder zu beginnen. Auf den gelungenen Versuch mit B. gründet sich die Errichtung des Blinden-Institutes zu Wien. Seine Bildungsgeschichte wurde in einer eigenen Druckschrift (Wien 1805) beschrieben, dadurch die Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand in Deutschland gelenkt und mehrere Blinden-Institute in’s Leben gerufen. Schon dieser Umstand allein würde ihm eine Stelle in unserem Lexikon einräumen. Ein Philantrop, Friedrich Leo, nahm jene Druckschrift mit nach London und las sie in einem größeren Kreise vor. Durch Sammlung kam ein Capital zu Stande, dessen Interessen für einen im Wiener Blinden-Institute gebildeten Zögling, der als Lehrer für andere Blinde verwendet werden kann, bestimmt sind. B. war der Erste, welcher diese Stiftung bis an seinen Tod genoß. Er hatte während seiner Unterrichtszeit die sogenannte Blindenschrift lesen, auf die gewöhnliche Art schreiben, fertig rechnen, die Harfe und Guitarrespielen und singen gelernt. Auch in anderen Fächern hatte er sich mannigfaltige Kenntnisse erworben. Bemerkenswerth ist die große Fertigkeit, zu welcher es B. in technischen Arbeiten brachte. In Papparbeiten, Körbeflechten, Gurtenschlagen, Seilmachen leistete er Treffliches, und in der Tischlerarbeit brachte er es gar so weit, daß er aus feinem, polirtem Holz Bilderrahmen, kleine Chatouillen, Zuckerdosen, Leuchter, Pfefferbüchsen, brauchbar und verkäuflich, schnitzte. Dabei erkannte er Münzen aus dem Falle, Getreidesorten und Samen aus dem Gefühle. Aus Wachs und Thon bildete er Thiere und andere Objecte im verjüngten Maßstabe sehr ähnlich nach. Bei mechanischen Arbeiten war er sehr erfinderisch und sonst auch in allen übrigen sehr genau und zuverlässig. Er schrieb eine lesbare Handschrift und wechselte mit Verwandten und Bekannten Briefe. Dabei klagte er nie über seinen Zustand. 24 Jahre lang (1815 bis 1839) stand er beim Institute als Haustischler und Lehrer seiner Leidensgenossen in verschiedenen Arbeiten. Da er in freier Zeit auch für Andere gegen bares Geld arbeiten durfte, hatte er sich ein Vermögen von 1200 fl. C. M. erspart, wovon er 100 fl. dem Blinden-Institute zur Anschaffung einer Orgel in die Hauscapelle testirte. Seine Instrumente und seinen Holzvorrath vermachte er den erwachsenen Blinden im Institute.

Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien 1843, 8°.) II. Jahrg. S. 800: „Biographische Skizze“ von W. Klein. – Klein (W. Joh.), Beschreibung einiger gelung. Versuche an einem blinden Knaben (Wien 1804, Geistinger, 8°.).