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BLKÖ:Bossi, Joseph II.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Bossi, Ludwig Graf
Band: 2 (1857), ab Seite: 87. (Quelle)
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Bossi, Joseph II. (Maler, geb. im Busto Arsizio bei Mailand, 11. August 1777, gest. zu Mailand 15. December 1815). Erhielt eine sorgfältige Erziehung am Collegium zu Monza, begann alsdann an der Kunstschule der Brera, die damals unter der Leitung eines Traballesi und Appiani stand, künstlerische Studien, und begab sich zur weitern Ausbildung nach Rom. Dort trat er in freundschaftliches Verhältniß zu Canova, verband sich mit Camuccini, Benvenuti, Landi u. a., und bildete mit ihnen den Künstlerkreis, welcher den Glanz der italienischen Malerschule aufrecht erhielt. Nach sechsjährigem Aufenthalte in Rom kehrte er nach Mailand zurück und erhielt nach Bianconi’s Tode die Stelle eines Secretärs an der Akademie der bildenden Künste und hatte an der Organisation und den Fortschritten dieses Institutes wesentlichen Antheil. Als im J. 1801 ein Preis für das trefflichste Gemälde, das den geschlossenen Frieden verewigen sollte, ausgeschrieben worden, erhielt B. denselben. Als im J. 1805 Napoleon in Mailand war, stellte Bossi aus: eine „Zeichnung des jüngsten Gerichtes“ von Michael Angelo; – zwei Gemälde „Aurora und die Nacht“ und „Oedipus und Creon“, welche insbesondere durch die Correctheit der Zeichnung gefielen, und einen großen Carton, „der italienische Parnass“, eines seiner vorzüglichsten Werke, das im Museum zu Mailand aufbewahrt wird. Er ward nun mit dem Orden der eisernen Krone ausgezeichnet, zum Präsidenten der Akademien von Mailand, Venedig und Bologna ernannt, und hielt als Professor der Theorie des Zeichnens sehr zahlreich besuchte Vorträge. Eugen, Vicekönig Italiens, gab ihm nunmehr den Auftrag, das berühmte „Abendmahl“ des Leonardo da Vinci im Refectorium der Dominikaner im Kloster S. Maria delle Grazie, das dem Untergange nahe war, zu copiren. Bossi unterzog sich dieser schweren Arbeit; er verglich Kupferstiche, Zeichnungen und die verschiedenen Copien des Bildes, um sich mit der Idee des unsterblichen Meisters vollkommen vertraut zu machen. Endlich vollendete er die Zeichnung in der Größe des Originals mit wunderbarer Treue. Nach demselben führte der berühmte Mosaikkünstler Rafaelli das Bild in Mosaik aus. B.’s Copie befindet sich gegenwärtig in der Leuchtenbergschen Gallerie, das Mosaikbild wurde nach Wien gebracht und befindet sich im Belvedere. Das bei seiner Copie beobachtete künstlerische Verfahren beschrieb B. in seinem Prachtwerke: „Del Cenacolo di Leonardo da Vinci, libri IV“ (Mailand 1810, königl. Druckerei, gr. Fol. mit K. K.). Ueberhaupt widmete B. sein ganzes Leben dem Studium der Werke des Leonardo da Vinci und seine letzte Arbeit war eine Darstellung einzelner Momente aus dem Leben da Vinci’s, die er einfärbig in Braun in der Villa Melzi am Comersee malte. Auch führte Bossi noch einen großen Carton in schwarzer Kreide aus: „der todte Heiland in Maria’s Schoosse, Johannes und Magdalena zu beiden Seiten“. Der Kopf Christi ist meisterhaft und die Zeichnung des Körpers ausdrucksvoll. Ueberhaupt war Bossi ein großer Meister im Zeichnen, seine Compositionen sind musterhaft correct, voll Feuer und Phantasie. Sein Colorit aber ist schwach, der Farbenauftrag schwerfällig und im Helldunkel oft unrichtig. Viele [88] seiner Zeichnungen werden im Museum Correr zu Venedig aufbewahrt. B. war aber nicht blos ausübender Künstler seines Faches, sondern auch Sammler und Gelehrter im Kunstgebiete. Als Sammler besaß er die seltensten Werke; darunter eine beinahe vollständige Reihe aller Ausgaben des Dante, seines Lieblingsdichters, welche nach B.’s Tode von dem gelehrten Advocaten Francesco Reina zu Mailand gekauft wurden, merkwürdige Autographe, z. B. von Fortiguerra, Pietro della Franzesca, Lomazzo, da Vinci, kostbare Kupferstiche, Handzeichnungen, Gemälde, selbst von Raphael u. da Vinci. Diese kostbare Sammlung kam nach B.’s Tode in den Besitz des Ab. Celoti, wurde im J. 1822 von Kaiser Franz I. gekauft, welcher sie der Akademie der schönen Künste in Venedig schenkte, wo sie sich noch jetzt befindet. [Vergleiche: „Nuovissima guida di Venezia da Francesco Zanotti“ (Venedig 1856, Brizeghel kl. 8°.) S. 510, Anmerkung.] Als Gelehrter im Kunstfache stand B. in hohem Ansehen, denn B. verband mit gründlichen Kenntnissen auch rastlosen Fleiß, der das Studium eines Gegenstandes immer sehr ernst nahm. Thätigen Antheil hatte Bossi an der in der großen Sammlung der Classici italiani befindlichen Ausgabe von Vasari’s „Vite de più eccelenti architetti, pittori e scultori“ (Mailand 1807). Auch schrieb B. mehrere Gedichte und bei Gelegenheit der Vermälung des Prinzen Vicekönigs Beauharnais verfaßte er ein kleines Gedicht im Mailänder Dialecte. Fernere Verdienste B.’s sind sein wesentlicher Antheil an der Begründung des Museums der Brera, das ihm eine der kostbarsten Sammlungen von Gypsabdrücken, in Paris, Rom u. Florenz erworben, verdankt. Auf sein Drängen kaufte die Regierung das Bild Raphaels, „die Verlobung“, welches aus dem Besitze der Stadt Castello in den des großen Hospitals zu Mailand übergegangen war; ferner veranlaßte er, daß Canova im Auftrage des Staates die Gruppe des „Theseus und Centaurus“ arbeitete, und vom Staate aus drei Pensionen gestiftet wurden, worin die drei besten Zöglinge der Akademie in der Malerei, Architektur und Sculptur in Rom ihre letzte Ausbildung erhalten sollten. B. vermehrte die Bibliothek der Akademie, begründete eine Mosaikschule, und lieferte die Zeichnungen zu verschiedenen Medaillen für die Münze von Mailand. Solche Verdienste wurden im Leben mehrfach anerkannt, viele Akademien ernannten B. zum Mitgliede; nach dem Tode erhielt er zwei Monumente: in der Brera und in der Ambrosianischen Bibliothek. In der Brera befindet sich B.’s einfache Büste; in der Ambrosiana aber ein herrliches Monument, nach der Zeichnung von Palagi, mit einem Basrelief, das die „Freundschaft“ vorstellt, von Marchesi, und obenauf B.’s kolossale Büste, von seinem intimsten Freunde Canova ausgeführt.

Gaetano, Discorso recitato nel Funerale del Cavaliere G. Bossi (Mailand 1815, 8°.). – Calvi (Giovanni), Versi in morte del Cav. G. Bossi pittore (Mailand 1816). – Millin, Voyage dans le Milanais (Paris 1817) I. Bd. S. 128. – Verri, Osserv. sul vol. intitolato: Del Cenacolo di Leon. da Vinci libri quattro di G. Bossi (Mailand 1812, 8°.). – Heidelberger Jahrbücher der Literatur 1806, December. – Jahrbücher der Literatur (Wien, gr. 8°.) 1819, VIII. A. Bl. S. 40. – Biblioteca italiana (Mailand, 8°.) 1816, II. Bd. S. 143 [nach dieser ist B. am 11. Aug. 1777 geboren, am 15. Dec. 1815 gestorben]. – Almanaco e Guida di Milano per l’anno bisestile, 1816, S. 83. – Nuovissimo Dizionario degli uomini illustri d’ogni età ec. (Milano 1854, Pozzoli, 16°.), I. Bd. S. 537 [nach diesem ist B. 1776 geboren]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgem. Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.), II. Bd. S. 73 [nach diesem ist B. 1816 in der Villa Melzi am Comersee gestorben]. – Oestr. National-Encyklopädie [89] (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 361. – Goethe, Ueber Kunst und Alterthum (Stuttgart 1827) III. Heft, S. 114–118. – Fusi (F.), Bibliografia ad Elenico raggionato delle opere contenute nella Collezione de’ Classici italiani (Mailand 1814) S. 79, 91. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) VI. Bd. Sp. 787. – Tipaldo, Biografia degli uomini illustri. – Ticozzi, Dizionario. – Oettinger (E. M.), Bibliographie biographique (Bruxelles 1854, q. 4°.) I. Bd. Sp. 183 [nach diesem ist B. am 9. Dec. 1815 gestorben].