Zum Inhalt springen

BLKÖ:Belgrado, Jacob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Belius
Band: 1 (1856), ab Seite: 238. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Jacopo Belgrado in Wikidata
GND-Eintrag: 117583626, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Belgrado, Jacob|1|238|}}

Belgrado, Jacob (Mathematiker und Priester der Ges. Jesu, geb. zu Udine, nach Ferrari am 16. Nov. 1704, gest. nach ebendemselben 26. März 1789). Er stammte aus einer Familie, in welcher die Pflege der Wissenschaften fast erblich war. Gegen Ende des Jahres 1716 kam er in’s Seminarium zu Padua und machte sich dort schon als Knabe durch sein Gedächtniß und seinen Fleiß bemerkbar. Seine Lehrer waren Quadrio und Lazzarini. Kaum zwanzig Jahre alt, verfaßte er eine lateinische Rede, welche auf den Jüngling aufmerksam machte. Im J. 1723 trat er zu Novellara in den Orden der Jesuiten und ging bald darauf nach Bologna, wo er sich dem Studium der Philosophie und Mathematik, sowie später in Venedig dem der Geschichte und Poesie und zu Parma endlich der Theologie hingab. Während dieser Studien schrieb er ein Buch: „De interpretatione,“ das aber in Verlust gerathen ist, und einige lyrische Poesien. Sein Hauptfach blieb Mathematik und Physik, und der Ruhm dieser seiner Kenntnisse war so verbreitet, daß er von allen Seiten, darunter vom Könige von Spanien Einladungen zur Annahme entsprechender Lehrkanzeln erhielt. Im J. 1748 machte er zu Parma interessante Beobachtungen der damals eingetretenen Sonnen- und Mondesfinsterniß. Eines seiner vorzüglichen Werke ist aber: „De utriusque analyseos usu in re physica“ (Parma 1761–1762), das ihm den Beifall von ganz Europa erwarb. Er ging nach Neapel, wo er über die damals vorgenommenen Ausgrabungen von Pompeji und Herculanum drei interessante lateinische Briefe schrieb: „Lettere sulle rovine di Ercolano“. Er hinterließ auch viele Schriften, mathematischen, physikalischen, archäologischen Inhalts, deren Verzeichniß sich in dem unten angegebenen Werke von Joh. B. Ferrari: „Vita virorum illustrium seminarii Patavini“ befindet etc. Es seien hier nur folgende angeführt: „Ad disciplinam mechanicam, nauticam et geographicam, Accroasis critica et historica“ (Parma 1741, 4°.); – „De altitudine atmospherae aestimanda critica disquisitio“ (Parma 1743, 4°.); – „De vita B. Torelli Puppiensis Commentarius“ (Patavii 1745, 8°.); – „De corporibus elasticis“ (Parma 1747, 4°.); – „I fenomeni elettrici etc.“ (ib. 1749, 4°.); – „Della riflessione de’ corpi dell’ acqua e della diminuzione della mole dei sassi nei torrenti e nei fiumi“ (ib. 1753, 4°.); – „Della esistenza di Dio da teoremi geometrici dimostrata“ (Utini 1777); – „Dell’ architettura egiziana“ (Parma 1786). Es finden sich auch noch viele ungedruckte Schriften von ihm, z. B.: „Osservazioni [239] sull’ aurora boreale veduta in Parma nell’ anno 1788;“„Della eternità di Dio e dei Beati in Cielo“; – ferner: „Panegyrici, orazioni sacre, varj sermoni e conferenze, Poesie latine ed italiane;“ – dann: „Vita del P. Fulcherio di Spilimbergo gesuita e martire tradotta dalla lingua spagnuola“ u. s. w. Was sein äußeres Leben anbelangt, so ward seine Einfachheit und gewinnende Weise im Umgange allgemein gerühmt. Die Jesuitenverfolgungen unterbrachen seine wissenschaftlichen Studien auf längere Zeit und setzten ihn selbst vielem persönlichem Ungemache aus. Doch ertrug er dasselbe mit Ruhe und Gelassenheit und lebte nach Aufhebung seines Ordens als Privatmann den Wissenschaften, die ihm manche werthvolle Arbeit verdanken. Seine wissenschaftlichen Bestrebungen erwarben ihm die Freundschaft: d’Alemberts, Clairauts, Gori’s und Maffei’s. Von der Frische seines Geistes im hohen Alter gibt einen Beweis der Umstand, daß er seine Schrift über die ägyptische Baukunst, worin er mehrere ganz neue und bemerkenswerthe Ansichten entwickelte, als Greis von 85 Jahren verfaßte.

Ferrari (Jo. Bapt.), Vitae virorum illustrium Seminarii Patavini etc. (Patavini 1815, Typ. Seminarii) S. 269–296. – Belgrado (Carlo), Commentario della vita e delle opere di Jacopo B. (Parma, 1795, 4°.). – Mazzuchelli, Scrittori d’Italia. – Ginguené, Histoire litteraire de l’Italie. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la Direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) V. Bd. Sp. 194 (gibt zugleich mit Ersch u. Grubers Allg. Encyklopädie der Wissensch. u. Künste I. Sect. VIII. Bd. S. 422 den 16. Dec. 1704 als Geburtstag, den 17. Apr. 1789 als Todestag an. – Biographie universelle (Art. von Ginguené). – Fabbroni, Vitae Italorum. Tom. XVII. – Gamba (B.), Galleria dei Letterati ed Artisti illustri delle Provincie Veneziane nel secolo XVIII (Venedig 1824) mit B.’s Porträt von Musitelli. – Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’anni. Studii storici (Venezia 1856, Naratovich, 8°.). Appendice: Giunte e correzioni ai cenni biografici, S. 62.