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BLKÖ:Barezzi, Stephan

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 157. (Quelle)
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Barezzi, Stephan (Maler, Erfinder der Kunst, Freskogemälde auf Holz zu übertragen). Lebt derzeit in Mailand. [158] Machte im J. 1820 den ersten gelungenen Versuch, Freskobilder von der Mauer abzunehmen, worauf ihm nach der unten angegebenen Quelle von Seite der Regierung die Bewilligung ertheilt ward, sein Verfahren an einem größeren Altargemälde (die Marter des heil. Vincenz von Aurelio Luino, mit 16 menschlichen Figuren und 2 Pferden) in der Kirche S. Vincenzio zu erproben. B. vollführte die Aufgabe glücklich und das abgenommene, c. 12′ hohe und 8′ breite Bild ward in der Brera gezeigt. Seine Manier bestand darin, daß er auf die Mauer ein mit besonderem Kitte überzogenes Stück Leinwand legte, die Farbe damit ablöste und dann auf eine präparirte Holztafel übertrug, an welcher sie nach Wegnahme der Leinwand fest haften blieb. Einen noch großartigeren Beweis nicht nur seiner Fertigkeit überhaupt, sondern auch seines tiefen künstlerischen Sinnes und seiner Tüchtigkeit als Maler gab B. in der neuesten Zeit durch die Renovirung des herrlichen Gemäldes: „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Dasselbe hatte theils durch die Zeit, theils unter ungeschickten Händen so viel gelitten, daß man nicht mehr die Spuren seines großen Meisters darin zu erkennen vermochte. Zu Ende des Jahres 1852 nun wendete man sich mit Hinweisung auf Barezzi an die Behörde und diese gestattete die Wiederherstellung des Kunstwerkes bei Anwendung aller Vorsichten und sachverständiger Ueberwachung des Malers. Nachdem die einzelnen schrittweise und mit Aengstlichkeit vorgenommenen Versuche an kleinen Partien des Bildes zur allgemeinen Befriedigung gelungen waren, machte sich B. (Juli 1854) an die Gesammtausführung seines schönen, dankbaren Werkes. Ende Dec. war es vollendet, und man kann behaupten, daß das „Abendmahl“ von Leonardo da Vinci der Gewalt der vernichtenden Zeit wieder entrissen sei. Aus der Auffrischung der Farben und dem neuen lebhaften Hervortreten der Gestalten kommt unserer Zeit die siegende Gewißheit zum Bewußtsein, welch ein Geist Leonardo da Vinci war, und das Verdienst dieses Resultates gebührt Barezzi.

Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst XII. Jahrg. (Wien 1821, 4°.) Nr. 44, 45. S. 179. – Gazzetta del Tirolo Italiano (Trento 1855) Nr. 5. pag. 17: „Il cenacolo di Leonardo da Vinci.“