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BLKÖ:Aghich, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Albrecht, Bernhard
Band: 14 (1865), ab Seite: 375. (Quelle)
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Aghich, Anton (gelehrter Minorit, geb. zu Ragusa in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, gest. im Kloster Santa Maria degli Angeli bei Assisi 28. October 1830). Trat in jungen Jahren in den Minoritenorden und wurde nach beendeten philosophischen und theologischen Studien im Lehramte verwendet, zuerst im Convente zu Fermo, wo er drei Jahre Philosophie, dann in jenem zu Ragusa, wo er Theologie vortrug. Als er bald darauf im Predigtamte sich hervorthat, wurde er als italienischer Prediger an mehrere der ersten Kirchen berufen. In der Folge wurde er vom Senat der Stadt Ragusa mit einer wichtigen Mission in das benachbarte Bosnien betraut und begleitete zweimal, in der Eigenschaft eines Gesandschafts-Caplans, die Gesandten von Ragusa nach Constantinopel. Als ihm nach dem Tode des Mons. Sorgo-Bobali, Bischofs von Stagno, das erledigte Bisthum angetragen wurde, schlug er diesen ehrenvollen Posten aus und zog die klösterliche Einsamkeit auf der Insel Daksa demselben vor. Auf der genannten Insel lebte er ganz seinen Studien und landwirthschaftlichen Arbeiten. Daselbst befand er sich auch zur Zeit, als Ragusa unter französischer Occupation stand und blieb dort, bis die russisch-montenegrinischen Truppen die Franzosen ablösten. Als er sah, wie die Soldateska in seinem Kloster hauste, ging er in seiner Ohnmacht, diesem Treiben Einhalt zu thun, und in tiefer Verbitterung darüber nach Rom, wo er unter anderen literarischen Arbeiten sich damit beschäftigte, die zerstreuten Werke des Elio Lampridio Cervino[WS 1], eines gekrönten Poeten Ragusa’s aus dem 14. Jahrhunderte, zu sammeln. Das im Jahre 1808 versammelte Ordenscapitel erwählte ihn einstimmig zum Provinzial in Ragusa, aber auch diese Wahl lehnte er, um seinen Aufenthalt in Rom verlängern zu können, ab. Der Napoleonische Erlaß der Aufhebung aller religiösen Orden veranlaßte ihn zur Rückkehr in sein Vaterland, wo er aber bald als ein Verdächtiger aufmerksam beobachtet, und als er den Eid der Treue dem Kaiser der Franzosen zu leisten sich weigerte, verhaftet, im Convente der Dominikaner zu Ragusa gefangen gehalten und erst am 24. December 1810 wieder aus seiner Haft entlassen wurde. Als im Jahre 1814 Oesterreich sich Ragusa’s und ganz Dalmatiens bemächtigte, begab er sich wieder nach Italien und lebte im Kloster auf der Insel Mezzo, welche bisher im englischen Besitze verblieben war. Als aber auch diese in die Hände Oesterreichs überging, schiffte er sich nach Zante ein, wo er längere Zeit bei dem Bischofe Scacoz, einem Dalmatiner und gleichfalls Mönch des Minoritenordens, verblieb. Von dort begab er sich nach Rom, wo er eine Stelle im Vatican erhielt. Ein Sturz brachte ihn dem Tode nahe und nur der sorgfältigen Behandlung des berühmten Chirurgen Belli, an den er von dem damals am päpstlichen Hofe [376] beglaubigten preußischen Gesandten Niebuhr empfohlen war, verdankte er seine Rettung. Aber Zeitlebens blieb er an beiden Füßen schwer verletzt. Von Rom begab er sich zurück nach Zante, welches er aber nach fünfjährigem Aufenthalte verließ, um seine letzten Tage im Kloster Santa Maria degli Angeli unweit Assisi zu beschließen. Seine zahlreichen literarischen Arbeiten hat der Guardian des genannten Klosters sorgfältig gesammelt und sie der Klosterbibliothek seines Conventes in Ragusa, zu dem er eigentlich gehörte, übermittelt. Diese Arbeiten werden noch immer dort aufbewahrt und befinden sich darunter: „Studien über Pomponius Melo, Elio Cervino und andere berühmte Gelehrte der Quirinalischen Akademie“; – „Lucubrationes circa Academiam Quirinalem“; – „Dissertatio de Poesi“; – „Adnotationes ad accademiam Quirinalem spectantes“; – „Beiträge zur Kenntniß der griechischen Münzkunde“; – „Duae orationes funebres Antonii Volsci et tertia Thomae Jnghiramii“ ; – „Nonnulla carmina P. Antonii Aghich rhacusini“; – „Eine Sammlung lateinischer Poesien von raguseischen Schriftstellern, aus Handschriften des Vaticans gesammelt“; – „Eilf Hefte geschichtlicher und biographischer Glossen“ – und der „Literarische Briefwechsel zwischen Aghich und dem Freiherrn Franz Maria de Carnea-Steffaneo“. Von den angeführten sind außer den lateinischen alle anderen in italienischer Sprache verfaßt.

Fabianich (Donato P. M. O.), Storia dei Frati Minori dai primordi della loro istituzione in Dalmazia e Bossina ecc. Parte II, vol. 2, p. 206. – Biblioteca di fra Innocenzo Ciulich nella libreria de’ RR. PP. Francescani di Ragusa (Zara 1860, Tipografia governiale, 8°.) p. 149, 161, 208 e 209.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Ilija Crijević, auch Elio Lampridio Cerva.