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BLKÖ:Žižka von Trocznow, die Letzten dieses Geschlechtes

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 60 (1891), ab Seite: 193. (Quelle)
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Žižka von Trocznow, die Letzten dieses Geschlechtes. Indem sie von dem berüchtigten Hussitenführer Žižka abzustammen vorgaben, ist diese Behauptung doch einer näheren Untersuchung werth. Seit etwa dreißig Jahren dringen verschiedene Nachrichten mit der Ueberschrift: „Der letzte Sprosse des berühmten Hussitenführers Žižka von Trocznow“ in die Oeffentlichkeit, so daß es sich der Mühe verlohnte, die Richtigkeit dieser Angaben zu prüfen, weil denn doch der Ahnherr dieses Geschlechtes eine geschichtlich zu bedeutende Persönlichkeit ist, um über seine Nachkommen so mir nichts, dir nichts zur Tagesordnung überzugehen. Zuerst berichtete man 1865 von einer Gräfin Szluha, welche als letzter Sproß des berühmten Hussitenführers seit 1847 auf dem St. Peters-Friedhofe in Salzburg (?) begraben liegt. Diese Notiz ging im genannten Jahre durch viele österreichische und deutsche Zeitungen. Dann brachte das „Neue Wiener Tagblatt“ zu Anfang 1871 die sensationelle Notiz: „Der letzte Žižka – ein Sicherheitswachmann. Vor einigen Wochen wurde fälschlich das Ableben des letzten Sprossen aus dem Geschlechte Žižka’s von Trocznow berichtet. Ein Žižka Ritter von Trocznow lebt noch, und zwar als Sicherheitswachmann in Wien.“ Dann meldete das Wiener „Fremden-Blatt“ 1865, Nr. 103, „daß der letzte Sprosse Žižka noch, und zwar in Wien lebe, es ist eine an Jahren bereits vorgerückte Dame, welche sich Marianne von Trocznow schreibt und unter diesem Namen auch ihre Rente bezieht“. Diese sich widersprechenden Nachrichten waren nicht in Einklang zu bringen. Ich kam dann bei meinen Nachforschungen zu folgendem Ergebniß. Am 16. März 1847 starb in Gratz eine Gräfin Clementine Szluha von Iklad geborene Žižka von Trocznow. Diese hinterließ eine Tochter, die an den Grafen Braida verheiratet war. Dieselbe stellte mit ihren zwei Kindern Eugen Grafen Braida und Stephanie Gräfin Braida der obigen Gräfin Clementine auf dem Friedhofe zu Gratz [und nicht in Salzburg] ein Grabdenkmal mit folgender Inschrift: „Selig sind, die im Herrn sterben, denn sie ruhen von ihrer Arbeit aus, und ihre Werke folgen ihnen nach. – Hier ruhet im Gottesfrieden Clementine Gräfin Szluha von Iklad geborene Freyfrau, Žižka von Trotzenau, geb. zu Prag 16. Februar 1762, gest. hier 16. März 1847. – Mit ihr endete im katholischen Glauben, in weiblicher Milde und Demuth der Stamm des titanischen Hussiten-Feldherrn Johann Žižka von Trocznow. Liebend ehren ihr Andenken die Tochter Clementine Gräfin Braida [194] und ihre Enkel Eugen und Stephanie Gräfin Braida“. Die Grafenfamilie Braida ist im Besitze der Originalurkunden, welche auf die vermeintliche Abkunft der adeligen Familie Žižka von Trotzenau von dem Hussitenführer Bezug haben und auch interessante Aufschlüsse über die letzten Mitglieder der genannten Familie geben. Ein Adelsdiplom der Žižka von Trocznow gibt es in den Archiven nicht, wohl aber findet sich vor, daß ein Johann Maximilian Zischka, fürstlich Liechtenstein’scher Wirthschaftsrath, 1735 in den Reichsadelstand mit dem Prädicate von Troznau erhoben wurde. Ueber ihn und seine Nachkommen vergleiche die unten folgenden Nachrichten.