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Büffel- und Menschenjagd in Australien

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Büffel- und Menschenjagd in Australien
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 597–599
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Büffel- und Menschenjagd in Australien.

Jagd nach Gold und materiellem Reichthum überhaupt, ohne die milderen Formen civilisirter alter Länder, im Kampfe mit roher Natur, wilden Menschen und Thieren ist ein wesentlicher Charakterzug des jetzigen Lebens in Australien. Es hat zwar die Bürgschaften einer großartigen Entwicklung in die Civilisation hinein in sich, aber diese wird zu unsern Verhältnissen immer sehr antipodisch bleiben. Wo sich Schäferknechte, Goldgräber und glückliche, rücksichtslose Spekulanten ohne Bildung und Humanität plötzlich oft über Nacht zu den Reichsten und Mächtigsten im Lande erheben, wo die meisten Menschen, welche in der alten Welt durch bedeutende Kenntnisse, Talent und Genie und Geistesschätze überhaupt sich auch ohne materiellen Erfolg achtbare Stellungen unter der „Geistesaristokratie“ erwarben, überall bei Seite geschoben werden und oft froh sein müssen, wenn sie dem als Gold-Lord etablirten Schatzgräber die Stiefeln wichsen dürfen, und erbliche, Standes-, Beamten und Militär-Aristokratie rein unbekannte, unmögliche Größen sind, da muß sich eine Lebensformation begründen, die zu den socialen, politischen und konfessionellen Schichtungen der alten Welt immer im schneidensten Gegensatze bleiben wird. Vielleicht wird es der erfreulichste Gegensatz: die Versöhnung, das Heruntersinken aller schleichenden und brennenden Zeitfragen der alten Welt zu einer geologischen Bodenschicht, auf welcher sich Menschen entwickeln, die von Staats- und diplomatischen und konfessionellen Reibungen, von Grenz-, Klassen-, Standes- und Verfassungskriegen niemals incommodirt werden und daher unter Verhältnissen, die man wirklich Freiheit nennen mag, sich eines irdischen Wohlseins erfreuen, wie es in Europa stets für unmöglich, utopisch gehalten ward. Dies kann man wahrscheinlich finden, obgleich auch Manche aus dem rohen Durste nach Gold und materiellem Reichthum das Gegentheil prophezeien. Darüber läßt sich viel streiten, aber noch nichts entscheiden. Man muß sich zunächst darauf beschränken, Thatsachen, das Leben, wie es sich dort giebt, anzusehen. Und hier sind denn einige Bilder, in denen man Australien, wie es jetzt ist, abgespiegelt finden wird. Sie sind aus den Briefen eines dahin ausgewanderten Engländers.

„Zu Hause“ schreibt dieser, „war mir das Bett in der prächtigen Schlafstube bald zu weich, bald zu hart, das Wasser zum Rasiren bald zu heiß oder zu kalt, die Vatermörder nie steif und glatt genug gewesen; hier mußte ich unter dem regnenden Himmel im Busche 14 Tage lang mit der nassen, kalten Erde als Nachtlager fürlieb nehmen, ohne mich Morgens weder mit kaltem, noch warmem Wasser rasiren zu können. Und was die Wäsche betrifft, so laßt mich schweigen.

Ihr wißt schon aus dem vorigen Briefe, daß ich ohne ein Stäubchen Gold aus den schmierigen, lehmigen, löcherlichen Gruben nach Melbourne zurückgekehrt war. Hier konnte ich auf keine Weise ein Unterkommen finden, da ich zum Hausknecht, zum Stiefelputzer u. s. w. den Herrschaften zu schwach aussah und zu „vornehm“ sprach. Ein Handwerk versteh’ ich nicht. Für Kaufmannshäuser hatte ich keinen Anzug, keine Wäsche, kein glattes Kinn mehr. Bedeckte Schlafstellen kosten selbst in den schmutzigsten Zelten und Hütten 4 Schilling für die Nacht, und ich war pennylos. So schlief ich im Freien und ließ mich vom Himmel mit Regen und [598] Kälte zudecken. Weiß der Himmel, wie ich das ausgehalten. Freilich hatte mich das Goldgräberleben abgehärtet genug. Ich konnte Tage lang hungern und mich dann von wilden Tauben, deren Nachtlager ich vorher ausspionirte, sattessen. Endlich hörte ich von unserm H… , der in Cowie (am andern Ende der Bucht, an welcher Melbourne liegt) tief im Golde sitzen sollte. Sofort machte ich mich auf durch Wald und Thal, Schmutz und Lachen, durch Tag und Nacht, ohne Weg und Steg und kam nach manchen Abenteuern, die hier kleinlich erscheinen, glücklich wie ein wüster Waldmensch in Cowie an. Hier erfuhr ich, daß er sich in der Nähe des Wilhelm-Berges, wo neue Gruben in Angriff genommen worden waren, niedergelassen habe und mit den Goldgräbern Handel treibe. Ich werde die etwa 150 (englischen) Meilen, die ich umherirrte, um H…zu suchen, nie vergessen. Davon vielleicht später. Ich fand H… endlich und zwar ganz menschlich gegen den Wilden. Er gab mir nicht nur gemünztes, sondern auch einen tüchtigen Sack voll ungemünztes Gold, das ich in Melbourne verkaufen sollte, um damit „etwas anzufangen“ oder in einem Handlungshause „irgend“ eine Stellung, die ich bekommen könnte, anzunehmen.

„So ritt ich stolz und hoffnungsvoll davon, denn ein Pferd und Pistolen und Schlachtmesser hatte er mir auch geschenkt und mir gute Regeln gegeben, wie ich es anfangen sollte, um nicht nur mit dem Leben, sondern auch mit dem Golde davon zu kommen. Die Buschräuber, meinte er, nähmen gern beides, da die, welchen sie das Leben „schenkten,“ gegen die Polizei nur Mißbrauch davon machten. Besonders warnte er mich vor dem einäugigen Jerry, der nie Pardon gebe oder nehme. Das waren hübsche Aussichten für meine goldene Reise über 100 Meilen Wüste, Wald und kahle Ebene. Doch meine Nerven waren stark geworden, eben so wie mein Arm, und so ritt ich, scharf und muthig um mich schauend, vom Wilhelms-Berge abwärts dem Meere und Melbourne zu. Die erste Nacht schützte mich vor allen Unbequemlichkeiten unter dem dicklaubigen Baume, der mir als Himmel zum Bette diente. Ich erwachte ganz frisch und kräftig, aber mein Pferd war zum Nachtwandler geworden. Ich konnt’ es nirgends entdecken. So nahm ich endlich mein Kopfkissen d. h. den Sattel selbst auf meinen Rücken und arbeitete mich durch Dickicht und Schmutz immer vorwärts, bis meine Füße eine Masse von Blasen geworden. Es war siedend heiß im Walde und noch sengender in der Sonne, besonders zwischen den Steinen der Ebene, wo ich die Spur des Pferdes ganz verloren hatte. Ich warf mich nieder in Verzweiflung und schöpfte Athem. Die Stille um mich ward plötzlich durch ein ängstliches Geheul meines Pferdes unterbrochen. Ich sprang auf und sah es in einer Entfernung von einigen hundert Schritten sich zitternd mit emporstarrenden Mähnen im Kreise drehen. Ich rief ihm zu, doch in demselben Augenblicke erstickte meine Stimme. In voller Wuth schnaubte und brüllte ein kohlschwarzer, zottiger Büffel mit großen, rothglühenden Augen auf mich zu. Ich hatte eben nur Zeit, mich platt auf die Erde hinzuwerfen, so daß er schnaubend und donnernd vor mir vorbeischoß. Eh’ er umkehren konnte, war ich hinter den nächsten Busch gekrochen, der nur aus jungem Reißig mit Ausnahme eines einzigen starken Baumes bestand. Das Ungeheuer schnüffelte wüthend in die Luft hinein, um sein Opfer wieder heraus zu riechen. Zuerst witterte er den Sattel, den er mit seinen spitzigen Hörnern hoch in die Luft schleuderte. Dann rollten seine rothglühenden Augen wieder umher aus seinen schwarzen, fliegenden, wirren Zotteln, als wollt’ er mich zuerst mit diesen durchbohren, wie mit glühenden Eisen, eh’ er das Werk mit den Hörnern begönne. In ein paar Secunden sah er mich und stürzte krachend und brüllend auf mich zu, wenigstens auf den dicken Baum, von welchem er so mächtig zurückprallte, daß er auf die Kniee sank. Das Messer hatt’ ich Tags vorher zerbrochen, die Pistolen staken im Sattel: ich war ganz wehrlos, so daß ich todesmatt, mit zitternden, wunden Füßen, vom brennendsten Durste gequält, die wiederholten und immer wieder erneuten Anfälle des scheußlichen Ungeheuers wohl Stunden lang aushalten mußte.

Manchmal ras’te er brummend wie Donner davon, als wollt’ er seine Mordgedanken aufgeben, aber immer besann er sich wieder und kehrte mit erneuertem Muth zurück, bald von dieser bald von jener Seite ansetzend, so daß ich mich immerwährend mit der größten Geschwindigkeit hinter die entgegengesetzte Seite des Baumes flüchten mußte. Das dünne Gestrüpp war von allen Seiten niedergetreten und gebrochen, so daß die Windungen für meine knickenden Füße immer schwieriger, immer unmöglicher wurden. Abgehetzt und durch natürlichen und Angstschweiß wie ausgerungen, überzeugte ich mich, daß die scheußliche Creatur es darauf abgesehen habe, mich so lange zu quälen, bis ich erschöpft niedersänke, um mir dann seine spitzigen Gabeln durch den Leib zu bohren. Schon blieb mir keine Wahl mehr zwischen Widerstand und Ergebung, denn ich fühlte, wie ich an den Baum geklammert, doch nicht mehr fähig war, mich aufrecht zu erhalten, als ich durch himmlische Musik gleichsam zu neuem Leben gestärkt ward. Die himmlische Musik war zwar blos Pferdegetrappel, aber es war himmlische Musik, mit herzhafter Allegro-Begleitung: dem Bellen eines Hundes. Hinter ihm her sprengte ein Reiter heran.

„Die lange „Lash“ pfiff in der Luft und umschlang den Bullen wie ein biegsames Rasirmesser. Er rollte seine Augen, donnerte ein wildes Gebrüll heraus und stürzte auf seinen neuen Feind. Das Pferd, offenbar ganz geschult für dieses Handwerk, sprang auf die Seite. Die „Lash“ pfiff wieder, der Bulle donnerte wieder und stürzte wieder auf ihn zu, daß Erde und Gesträuch hoch umher flog; aber das teuflische Ungethüm war zu rasend, als daß es hätte sicher zielen und messen können. In seinen wahnsinnigen Schüssen stürzte es sich immer weit über sein Ziel hinaus und krachte auf die steinige Erde. Wohl zwanzigmal zischte und traf die Lash, zwanzigmal schoß das Vieh auf seinen Gegner und verfehlte ihn, bis es sich nur noch mühsam aufraffte und zu neuen Angriffen ansetzte. Plötzlich sprang der Reiter, mit einem ellenlangen Messer im Munde, vom Pferde, kniete nieder und ließ den Bullen sich in das Messer stürzen. Er schien ihn dann bei den Hörnern zu fassen und mit ihm zu kämpfen, denn sehen konnte ich durch den aufwirbelnden Staub nichts deutlich. Nach einer Minute legte sich der Staub, das Ungethüm lag zuckend und schnaubend in seinem Blute, das in einem dicken Strahle aus dem Halse schoß.

„Mein Retter setzte sich mit freudestrahlendem Gesicht (so weit man dies aus dem Barte, der wie die schwarzen Mähnen des Bullen um seine Physiognomie flatterte, sehen konnte) auf seine noch zuckende Beute und rief mir zu, auf seinem „Sopha“ neben ihm Platz zu nehmen. Ich that es mit Freuden und schüttelte ihm die rauhe, stählerne Riesenhand, in welcher die meinige verschwand, wie ein Lamm im Löwenrachen. Ich hatte schon manchen wilden, riesigen Waldmenschen gesehen, aber das war ein Kerl wie geschaffen, um diese teufelischen australischen Bullen bei den Hörnern zu fassen und ihnen das Genick zu brechen. Er zählte die Bestien, die er erlegt und abgezogen, nach Hunderten, verweigerte alle goldene Anerkennung meiner Dankbarkeit, da er reicher sei, als 100 Goldgräber zusammen und nur zu seinem Vergnügen und aus Gewohnheit umherreite, um die schwarzen Teufelspestien vollends auszurotten, und nachdem er mir mein Pferd hatte einfangen helfen, machte er mir und sich ein hübsches Nachtlager auf dem Büffel zurecht, das uns in seiner Weichheit und Wärme während der schnell tief sinkenden Temperatur gar komfortabel vorkam. Gegen Morgen war es freilich so eisig kalt, daß wir ein tüchtiges Feuer anzünden und unterhalten mußten, bis die Sonne kam, die mir nach zwei Stunden auf meinem Wege so auf den Rücken brannte, daß ich Schutz und Schatten suchen mußte. Doch das sind Alles alltägliche Geschichten hier, so daß ich bis zum Morgen des dritten Tages seit dem Büffel-Abenteuer nichts von Bedeutung erlebte. Ich hatte die erste Nacht darauf in einer Buschherberge geschlafen, wo man so schreckliche Geschichten von dem einäugigen Jerry erzählte, daß ich mir ein Paar löwenstarke, riesige Bulldoggs kaufte, die mir denn auch gute Dienste thaten. Die berittene Polizei hatte seit 8 Tagen nach dem einäugigen Jerry die ganze Gegend auf 20 Meilen ringsum durchsucht und ihm sein Pferd erschossen, ohne ihn zu fangen. Es war ihm gelungen, in Gesträuch und Felsengewirr zu entkommen. Uebrigens war er allgemein bekannt und geächtet, selbst bei seinen Collegen, den Buschräubern, so daß er von keiner Seite auf Hülfe und Mitleid rechnen konnte. Er war ein Mörder aus Liebhaberei, während die Buschräuber sich in der Regel damit begnügen, den einsamen oder in der Minorität bleibenden Reisenden, wenn sie sich nur nicht zu arg wehren, Steuern zu dictiren und abzunehmen, so daß man sie als Constitutionelle bezeichnen kann. Unser Ober- und Unterhaus machen’s der Sache nach doch auch nicht besser.

„So viel und noch mehr hatte ich von Jerry in der Buschherberge, [599] wo ich mir die Hunde kaufte, erfahren, so daß ich nicht eben im Gefühle großer Sicherheit reiste, obwohl ich mich mit den Hunden und dem Umstande zu trösten suchte, daß in Busch- und andern Herbergen viel übertrieben und gelogen wird. Doch als ich den einäugigen Cyklopen wirklich zu Gesicht bekam, half mir das Alles nichts. Zittert nicht für mich, denn ich schreibe meine Geschichte, wie jede andere, nachdem sie geschehen. Mich durch einen engen, steil zwischen Hügeln und Gebüsch herabfallenden Hohlweg hindurchwindend ward ich an einer Biegung plötzlich von einem überaus großen Känguruh beinahe mit sammt dem Pferde umgerissen. Es sprang in wilder Flucht über Büsche und Felsen. Meine Hunde setzten ihm nach, und ehe ich ihnen pfeifen konnte, ward ich aus gar nicht großer Entfernung von einer rauhen, heiseren Stimme angeschrieen: „Ergieb Dich oder ich blase Dir’s Hirn aus!“ Da stand das häßliche, einäugige Gespenst leibhaftig vor mir – mit zwei Augen, denn das fehlende ersetzte der mich sehr unfreundlich anglotzende Flintenlauf. „Dein Pferd und Du sollst leben!“ setzte er hinzu, während ich das Pferd schon gewendet, mich platt auf dessen Hals niedergedrückt und um die Biegung davon gesprengt zu sein glaubte. Doch fühlte ich seine Kugel noch ziemlich dicht am Nacken hinstreifen. Ich peitschte auf das Pferd, daß es sich wie rasend empor wand. Ich zwang es seitwärts in das Gebüsch hinein, da die Flucht aufwärts sehr riskant erschien. Aber hier ritt ich ihm gerade wieder entgegen. Er stürzte auf mich zu mit umgekehrter Flinte, um mit dem Kolben zu arbeiten. Ein riesiger Baum, der uns im Wege lag, ward von meinem braven Thiere meisterhaft übersprungen, aber auf der andern Seite hing sich ein Fuß im Gesträuch, so daß es auf den Kopf und ich über es hinstürzte, jedoch ohne den Zügel zu verlieren. Jerry, ganz außer Athem und mit aufgeblasenen Nüstern hervorstürzend, holte mit aller seiner Wuth aus, doch fing sich beim Schlage der Kolben in einem starken Baumzweige, so daß ihm das Gewehr aus der Hand geschleudert wurde. Das Pferd erhob sich, der Kerl griff nach dessen Zügeln, ich hieb ihm aber mit dem dicken Ende der Reitpeitsche einen so herzhaften Schlag über’s Gesicht, daß er unwillkürlich mit der Hand danach fuhr. Nach dem zweiten Hiebe griff er mich wüthend mit beiden Händen, ich desgleichen, so daß wir auf die roheste, ungekünstelte Weise um’s Leben rangen. Wir rollten über einander, während ich mit der rechten Hand sein linkes Handgelenk festhielt und mit der rechten in seinem Barte gleichsam festen Fuß gefaßt hatte, da mir es nicht gelungen war, die Gurgel zu packen. Bald hatte er mein Halstuch, zwischen welchem er seine furchtbaren Knöchel in meinen Hals drückte, so daß er mich jedenfalls erwürgt haben würde, hätte der leichte Stoff unter seiner furchtbaren Faust nicht nachgegeben. Jetzt griff er nach seinem Messer. Ich benutzte diesen Augenblick, ihm mit geballter Faust das einzige gesunde Auge auszuschlagen. Er brüllte und knirschte und kniete auf meiner Brust, während er nach dem Messer umhergriff. Mir fielen die Hunde ein, ich rief ihnen mit aller meiner Kraft und hatte die Genugthuung, zu finden, daß sie ihrem neuen Herren zu dienen verstanden. Das Fluchen und Brüllen des Räubers verwandelte sich plötzlich in ein entsetzliches Geheul. Der eine Bulldogg hatte den Räuber im Nacken, der andere in der Seite gepackt. Er ließ mich los und kämpfte mit ihnen, doch nur kurze Zeit. Bald lag er zerrissen und zuckend unter ihnen. So lange er noch zuckte, waren die Hunde nicht abzubringen. Als er todt war, sahen sie mich beide an und wedelten mit den Schweifen, als wären sie von den Lobpreisungen, die ich fühlte, vollkommen überzeugt.

„Die Hunde sahen noch mehrmals auf ihr Werk. Ich konnte es nicht und ritt in einer Tour fünfzehn Meilen, wie ein auf den Fersen verfolgter Mörder. Erst auf der nächsten Viehstation kam ich ordentlich zur Besinnung, und die Polizei, der ich meine Mordthat mittheilte, erlöste mich von meiner wirren Pein, indem mich Einer auf die Schultern klopfte und schmunzelnd sagte: „Nur keine Sorge, mein Herr! Ist schon Alles gut nun. Und was die Beerdigung betrifft, werden ihm schon die Geier und Adler zeitig genug ein anständiges Begräbniß besorgen.“ (Es folgen einige minder interessante und tragische Abenteuer, zuletzt die Bemerkung:) Ich trage jetzt jeden Morgen um das frisch rasirte Kinn frische Vatermörder und sehe überhaupt wieder wie ein Gentleman aus. Bei einem deutschen Holzhändler in Melbourne [1] habe ich eine ganz einträgliche Stellung gefunden.


  1. Bei dem ehemaligen preußischen Lieutenant Techow, welcher bei der Uebergabe des berliner Zeughauses 1848 betheiligt war.