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Aus der französischen Schriftstellerwelt

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Textdaten
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Autor: Ludwig Kalisch
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Titel: Aus der französischen Schriftstellerwelt
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 131–134
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Aus der französischen Schriftstellerwelt.
Zeitgeschichtliche Studie von Ludwig Kalisch.


Locke macht irgendwo die Bemerkung, daß die Luft auf dem Parnaß sehr angenehm, der Boden aber sehr unfruchtbar sei. Der Brodbaum gedeiht in der That nur höchst selten neben dem Lorbeerbaum, und die meisten von Denen, die ihre Jugend im Dienste der Musen geopfert, haben gar oft im Alter nicht, wohin sie das greise Haupt legen sollen. Dazu kommt noch, daß in der Dichterwelt jetzt bei Weitem mehr persönliche Würde herrscht, als ehedem. Man ist jetzt zu stolz, um gnädigen Schutz in den Häusern der Großen zu suchen und für Gelegenheitsgedichte oder weihrauchduftende Widmungen einige Goldstücke entgegen zu nehmen. Dichter und Schriftsteller wollen heutzutage ausschließlich von ihrer Feder leben, sie wollen aber auch den Lohn ihrer Arbeit gesichert wissen und sich nicht von schamlosen Freibeutern darum bringen lassen. Die französischen Schriftsteller haben schon seit einer langen Reihe von Jahren ihre Hervorbringungen, wenigstens in Frankreich, vor Nachdruck sicher gestellt. Baron Taylor hat sich durch Bildung von Literatur- und Kunstvereinen und durch unermüdliches, umsichtiges Wirken für die materiellen Interessen des Literaten- und Künstlerthums ein nicht genug anzuerkennendes Verdienst erworben. Andere schlossen sich ihm bald in seinem Streben an, und so kann jetzt der französische Künstler und Schriftsteller die Früchte seiner Werke ungeschmälert genießen.

Ich will hier mittheilen, wie die Sicherung der literarischen und artistischen Urheberschaft in Frankreich organisirt worden ist, und beginne mit den dramatischen Erzeugnissen.

Die dramatischen Dichter und Operncomponisten haben zwar in Paris noch viel mehr Schwierigkeiten und Hindernisse zu überwinden, noch viel mehr Mühe und Noth, als in den großen Städten anderer Länder, auszustehen, bis es ihnen gelingt, ihre Werke zur Aufführung zu bringen, wenn sie aber einen glücklichen Wurf gethan, wenn ihr Werk einschlägt, so gewinnen sie neben dem Ruf, den ihnen die Tagespresse sogleich bereitet, auch eine beträchtliche Geldernte. Die Große Oper, die früher für jede Aufführung ein Honorar von fünfhundert Franken zahlte, hat seit einigen Jahren dieses Honorar mehr als verdoppelt, da sie fünfeinhalb Procent von der Brutto-Einnahme bewilligt. Dieselbe beläuft sich nämlich auf ungefähr zwanzigtausend Franken. Componist und Textbuchdichter theilen unter sich das Honorar in gleichen Hälften. – Das Théâtre français, die erste Bühne Frankreichs, zahlte früher ebenfalls fünfhundert Franken für jede Aufführung eines den Abend ausfüllenden Stückes und gewährt jetzt fünfzehn Procent von der Brutto-Einnahme.

Die anderen Bühnen zahlen für jede Vorstellung, bei einer Brutto-Einnahme von ungefähr viertausend Franken, den Autoren zehn bis zwölf Procent. Da nun ein erfolgreiches Stück nicht selten mehrere hundert Vorstellungen erlebt, so kann man sich leicht vergegenwärtigen, welcher beträchtliche Gewinn sich schon mit einer einzigen Production erzielen läßt. Ein beifällig aufgenommenes Werk, wie die Operette „Les Cloches de Corneville“, welche sechshundert Vorstellungen hinter einander erlebte, ungerechnet die Darstellungen in der Provinz, macht den Verfasser zum wohlhabenden Mann. Außer von den Theatervorstellungen kommt noch der Gewinn hinzu, den das Honorar für die Veröffentlichung des Stückes, des Textbuches und der Partitur abwirft. Von den Verpflichtungen, welchen die Cafés chantants und sonstige Belustigungsanstalten, in denen Lieder gesungen und Verse recitirt werden, gegen die betreffenden dramatischen Componisten und Autoren nachzukommen haben, wird bald die Rede sein.

Kommt nun schon ein Autor durch ein einziges gelungenes Stück nicht selten zu Vermögen, so macht eine Reihe von Erfolgen den dramatischen Dichter und Tonsetzer zum Millionär, wenn er den Gewinn nicht leichtsinnig vergeudet. Alexander Dumas Sohn ist Millionär, Victorien Sardou mehrfacher Millionär, und unserm Landsmann Jacob Offenbach hat seine hochgeschürzte Muse gewiß einige Millionen in den Schooß geschüttet.

Neben dem materiellen Gewinn wird den begabten dramatischen Schriftstellern und Tondichtern jede mögliche Auszeichnung zu Theil. Sie werden zu Mitgliedern des Instituts erwählt, und so oft man auch über dasselbe die satirische Lauge schüttet, so muß man doch zugeben, daß die Ehre, im palmengestickten Frack unter der Kuppel des Palais Mazarin zu sitzen, nicht gering anzuschlagen ist, daß ein Mitglied der Akademie der schönen Künste, oder gar der französischen Akademie eine hohe gesellschaftliche Stellung einnimmt. Die bedeutenden Schriftsteller und Künstler bilden in Frankreich die eigentliche Aristokratie, und mit dieser Aristokratie hat sich bis jetzt noch jede Regierung gut zu verhalten bestrebt.

Wie aber, wird nun der Leser fragen, sichern sich die dramatischen Schriftsteller und Componisten ihr Eigenthumsrecht? Auf die einfachste Art von der Welt. Sie bilden nämlich unter dem Namen „Société des auteurs et compositeurs dramatiques“ eine eng geschlossene Gesellschaft, zu welcher ohne Ausnahme nicht nur Jeder gehört, der dramatische Werke schreibt oder in Musik setzt, sondern auch Liederdichter und Liedercomponisten.

Die genannte Gesellschaft hat überall ihre Commissäre, die mit den Theaterdirectionen in der Provinz unterhandeln, und keine Direction darf ein Stück zur Aufführung bringen, ohne sich zuvörderst mit den Commissären verständigt zu haben, die denn auch die Tantième sogleich von der Brutto-Einnahme in Empfang nehmen.

Die dramatischen Dichter und Tonsetzer sind aber nicht blos den Bühnen, sondern auch, wie bereits erwähnt, den cafés chantants gegenüber vor unberechtigter Ausbeutung geschützt. Wo in solchen und ähnlichen Anstalten eine Arie aus irgend einer Operette gesungen oder ein Vers aus irgend einem Stücke recitirt wird, bezieht der betreffende Autor seinen Antheil an der Einnahme. So verliert kein Berechtigter auch nur einen einzigen Pfennig von dem Ertrage seiner Arbeit.

Die Gesellschaft der dramatischen Schriftsteller und Componisten zählt gegenwärtig über siebenhundert Mitglieder. Unter den wenigen Ausländern, die zu derselben gehören, befinden sich Flotow, Rosenhain und Richard Wagner. Ersterer hat bereits mehrere Opern in Paris zur Aufführung gebracht; von den beiden letzteren ist jeder in der Großen Oper mit einem Werke aufgetreten.

Verlassen wir nun das dramatische Gebiet und sprechen wir von der Romanliteratur, die gegenwärtig in aller Herren Ländern den literarischen Markt überschwemmt, besonders aber in Frankreich, wo das Erzählertalent von jeher auf's Sorgsamste gepflegt und sehr hoch geschätzt worden.

Es erscheinen in Frankreich jährlich an sechshundert neue Romane und ungefähr hundert in neuen Auflagen. Außer der beträchtlichen Schaar der Romanschriftsteller von Fach hat man noch vierzig bis fünfzig Liebhaber zu zählen, welche die Früchte ihrer bei den Haaren herbeizogenen Muse auf eigene Kosten herausgeben. Diese Dilettanten, welche eitel genug sind, um auf die Unsterblichkeit zu hoffen, und reich genug, um sich ihre Niederlagen zu erkaufen, kommen hier nicht in Betracht, sondern nur die Romanciers, die entweder zum Theil oder ausschließlich von der Feder leben.

Es giebt auf jedem Kunstgebiete nur wenig echte Künstler neben vielen Handwerkern, auf keinem anderen Gebiete giebt es aber so wenig echte Dichter und so viel Fabrikanten, wie in der Romanliteratur. Die Wenigen, die sich in Frankreich der Romanschriftstellerei mit Ernst widmen, der Kunst gerecht werden und zu einem literarischen Ruf gelangen wollen, bemühen sich außerordentlich, mit ihren ersten Hervorbringungen in der „Revue des deux mondes“ aufzutreten, da sich dieselbe einer großen Verbreitung in den gebildeten Classen aller Nationen erfreut und dem Autor sogleich eine geachtete Stellung in der Literatur erwirbt. Die genannte Revue weiß dies nur zu sehr; deshalb zahlt sie den Romanschriftstellern für deren Erstlinge kein Honorar. Das Honorar indessen, das sie namhaften und selbst berühmten Romanschriftstellern bewilligt, wiegt just auch nicht schwer. So erhielt George Sand für ihre in der „Revue des deux mondes“ erschienenen Romane während einer langen Reihe von Jahren blos [132] 150 Franken für den Druckbogen, und erst später wurde dieser sehr mäßige Ehrensold um 100 Franken vermehrt.

Jules Sandeau, dem bekanntlich George Sand die Hälfte seines Namens entlehnte und mit dem sie im Verein ihren ersten Roman, „Rose et Blanche“, schrieb, Jules Sandeau gehörte früher zu den fleißigsten Mitarbeitern dieser Halbmonatsschrift, und Octave Feuillet gehört noch jetzt zu denselben. Diese beiden Romanschriftsteller sind sich darin ähnlich, daß sie in ihren Werken nicht nur alle heftigen gewaltsamen Erschütterungen, sondern auch jeden nur einigermaßen anstößigen Ausdruck vermeiden. Es herrscht in ihren correct geschriebenen Romanen, die weder zahlreich, noch bändereich sind, eine gewisse holländische Sittenreinlichkeit, sodaß sie in der höhern Bürgerclasse von den Töchtern in Gegenwart ihrer Mütter gelesen werden.

Jules Sandeau war nie sehr productiv, und seit einigen Lustren hat er blos ein paar Novellen veröffentlicht. Unter dem zweiten Kaiserreich ward er zum Bibliothekar an der „Bibliothèque Mazarin“ ernannt, eine höchst angenehme Sinecure, die ihm das Alter weniger schwer macht. Octave Feuillet, den man einen Familien-Alfred de Musset nennt, war unter der Regierung Napoleon's des Dritten eine höchst beliebte Persönlichkeit in den Tuilerien, wo ihn die wenig lesende Eugenie über die Wahl ihrer Lectüre gern zu Rathe zog. Sandeau und Feuillet sind Mitglieder der Akademie, eine Ehre, die den beiden fruchtbarsten genialsten und populärsten Romanschriftstellern, Balzac und Alexander Dumas, nicht zuerkannt wurde.

Ich muß jetzt ein Wort über zwei junge Romanschriftsteller sagen, von denen der Eine viel von sich reden macht, der Andere allzuviel von sich selbst redet – von Alphonse Daudet und Emile Zola. Alphonse Daudet, der auch in Deutschland sehr beliebt ist und dessen „Froment jeune et Risler aîné“ bei unseren Landsleuten schnelle Verbreitung gefunden, ist gegenwärtig der beliebteste Romanschriftsteller Frankreichs. Er wird in allen Schichten der Bevölkerung mit Vergnügen gelesen. Sein „Nabab“, vor wenigen Jahren als Feuilleton im „Temps“ erschienen, sieht in diesem Augenblicke schon der fünfzigsten Auflage entgegen. Daudet hat sich Dickens zum Vorbild genommen, und wenn er auch an dieses Vorbild hier und dort allzu lebhaft erinnert, so ist ihm doch ein hervorragendes Erzählertalent nicht abzusprechen. Er besitzt auch einen frischen Humor, ein warmes Temperament und eine ideale Anschauung, Eigenschaften, die sehr anziehend auf den Leser wirken. Der große Erfolg des „Nabab“ ist auch dem Umstande zuzuschreiben, daß in diesem Romane die Fäulniß des zweiten Kaiserreiches in einigen nach der Natur geschilderten Hauptpersonen auf's Lebendigste vorgeführt wird. Daudet hat noch eine lange Laufbahn vor sich, und da er fruchtbar ist, so kann er, wenn er sich durch die Gunst des Publicums nicht zur Vielschreiberei verleiten läßt, noch manches tüchtige Werk hervorbringen.

Was Emile Zola betrifft, so strebt er nicht nur nach einem hohen Ehrenplatz in der Romanliteratur, sondern will auch als Reformator derselben betrachtet, bewundert und gefürchtet werden. Er nennt sich Naturalist und verwirft in ellenlangen Artikeln alle Romanschriftsteller, die nicht, wie er, dem Naturalismus huldigen. Die Idealisten, die Sensualisten und sogar die Realisten müssen über die Klinge springen. Worin besteht aber dieser alleinseligmachende Naturalismus? Da er neben Diderot auch J. J. Rousseau zu den Schutzpatronen seiner neuen Kirche auserwählt, so sollte man glauben, Zola verherrliche, wie Jean Jacques, die Natur und wolle in seinen Lesern die Liebe zu derselben erwecken oder neu beleben. Das ist aber keineswegs der Fall. Zola's Naturalismus besteht darin, daß er seine Stoffe in den alleruntersten Volksschichten wählt und das Gemeine mit den gemeinsten Worten beschreibt. Er findet die wahre Kunst darin, photographisch genau die widrigste, die ekelhafteste Naturwirklichkeit darzustellen. An mancher seiner Figuren ist geschildert nicht blos wie sie sich räuspert und wie sie spuckt, sondern auch oft – ich bitte den Leser um Verzeihung – was sie spuckt.

Ohne Talent ist Zola durchaus nicht; allein die Selbstbewunderung ist ihm zu sehr in den Kopf gestiegen, und wenn ihm ein langes Leben bescheert ist, wird er lange vor seinem Tode sich überlebt haben. Sein populärster Roman ist „L’assommoir“, der höchst wahrscheinlich auch in Deutschland durch eine, wo nicht gar durch mehrere Uebersetzungen eingeführt ist.

Wie auf jedem Gebiete der Kunst und Literatur, giebt es [133] auch in der französischen Romanschriftstellerei viel Berufene und wenig Auserwählte, und nicht nur die Werke der Auserwählten, sondern auch der Berufenen, ja nicht selten sogar der Unberufenen werden in’s Deutsche übertragen. Keiner von den nur einigermaßen bekannten französischen Romanschriftstellern ist in Deutschland unbekannt.

Von diesen will ich daher nicht sprechen. Hingegen darf ich nicht mit Stillschweigen die Unzahl der Romanfabrikanten übergehen, die jeden Tag mehrere Tintenfässer erschöpfen und die ganz gewiß verlegen wären, wenn man sie um die Zahl oder die Namen ihrer Musenkinderschaar fragte. Ich habe einen dieser Romanmachermeister gekannt, der für fünf verschiedene Feuilletons fünf Romane zu gleicher Zeit schrieb, und ich kenne einen andern, der in diesem Augenblick an einem viertel Dutzend arbeitet. Jeden Morgen um zehn Uhr setzt er sich an den Schreibtisch, wo er, ohne eine Secunde zu verschnaufen, auf je fünf langen Papierstreifen die Fortsetzung eines seiner drei Feuilletonromane ausspinnt. Nach ein paar Stunden vertheilt er die fünfzehn engbeschriebenen Blätter an die drei Journale. Manche dieser mit zehn Pferdekraft arbeitenden Romanschreiber unterliegen bald der sauern Arbeit. Andere, die dies befürchten, suchen sich dieselbe durch Mitarbeiterschaft zu erleichtern. Die Mitarbeiterschaft bei dramatischen Erzeugnissen ist bekanntlich in Frankreich eine gewöhnliche Sache, und vielleicht wäre sie auch schon in Deutschland eingeführt, wenn Deutschland eine Hauptstadt hätte. In der Hauptstadt Englands hat sie schon zur Zeit Shakespeare’s bestanden, wie man an den Werken Beaumont’s und Flechter’s ersieht. Bei solcher Mitarbeiterschaft thut sich in der Regel der Bühnenunkundige mit dem Kundigen zusammen, der den gelieferten Stoff zum darstellbaren Stück ausarbeitet. Die Namen Beider sind dann unzertrennlich auf dem Theaterzettel. Beim Roman ist das Verfahren natürlich ganz anders. Der gewiegte Romanschreiber läßt sich von einem ungewiegten nicht nur das Material herbeischaffen, sondern auch dasselbe roh ausarbeiten; er setzt dann die Feile daran, oder schmelzt es gänzlich um und versieht das Werk mit seinem Namen, nachdem er sich mit dem Gehülfen abgefunden.

Die beliebten Romanschreiber suchen ihre Popularität so viel wie möglich auszubeuten. Sie lassen ihre Hervorbringungen zuvörderst als Feuilletons erscheinen. Der „Temps“, das „XIX. Siècle“, „Siècle“, und die „Indépendance belge“ zahlen gut und sehen auf einen gewissen literarischen Werth.

Die kleineren Journale sehen aber vor Allem darauf, daß der Roman die Massen packe und daß in demselben möglichst viel Blut vergossen werde. Den beliebten Romanschreibern wird ein Honorar von sechs Sous, den gelesensten, wie Zola, Montepin, Richebourg, wohl zehn Sous für die Zeile bewilligt. Das ist aber auch der höchste Satz. Die große Menge der Romanfeuilletonisten begnügt sich mit einem Honorar von drei Sous für die Zeile. Die Feuilletons erscheinen dann in Bänden und werden je nach der literarischen Stellung des Autors honorirt. Die erste Ausgabe eines solchen bereits in Feuilletons erschienenen Romans wird in zweitausend Exemplaren, die folgenden Auflagen werden je in tausend Exemplaren abgezogen. Der Autor erhält in der Regel vom Verleger für jeden Band zehn Procent vom Ladenpreis; die besonders populären Schriftsteller erhalten acht Sous und die populärsten wohl zehn bis zwölf Sous für jeden Band. Die kleineren Provinzialjournale bemühen sich natürlich, die in Paris erschienenen Feuilletons so schnell wie möglich ihren Lesern zu bieten. Sie haben sich jedoch zuvor mit den Verfassern abzufinden, deren Eigenthumsrecht von den Commissionären der „Société des gens de lettres“ auf's Sorgsamste überwacht und geschützt wird.

Die französischen dramatischen Dichter und Romanciers sind schon dadurch günstiger als ihre Mitbrüder anderer Nationalitäten gestellt, daß ihre Stücke auch im Auslande zur Aufführung gelangen, daß ihre Romane dort große Verbreitung finden, da die gebildeten Classen aller Nationen französisch verstehen. Ein französischer Schriftsteller von Talent wird schnell in allen Enden der Welt bekannt, erwirbt sich nicht selten ein bedeutendes Vermögen und behauptet in seinem Vaterlande einen hohen Rang. Fälle, wie sie in Deutschland vorkommen, daß populäre Componisten, wie Conradin Kreutzer und Lortzing, daß productive Theaterdichter, wie Roderich Benedix, in dürftigen Verhältnissen sterben, und daß ein Mann wie Gutzkow, dessen Romane in Aller Händen waren, von dem einzelne Stücke sich länger als [134] ein Menschenalter auf allen deutschen Bühnen erhielten, gegen Nahrungssorgen kämpfen mußte – solche Fälle kommen in Frankreich nicht vor.

Indessen ist auch hier der Pfad des Künstlers und Schriftstellers nicht mit lauter Rosen bestreut. Sie haben beim Beginne ihrer Laufbahn hart, ja vielleicht noch härter zu kämpfen als anderswo, und nur verhältnißmäßig Wenige gehen siegreich aus dem Kampfe hervor, während die Anderen in Frankreich ebenso unterliegen wie in Deutschland. Die wenigen Schriftsteller aber, denen in Deutschland ein großer Erfolg zu Theil wird, sind nicht halb so gut gestellt, wie die französischen, denen nur einigermaßen die Gunst des Schicksals lächelt.