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Aus den Kämpfen vor Sebastopol

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Aus den Kämpfen vor Sebastopol
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 613–616
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[613]
Aus den Kämpfen vor Sebastopol.

Wir führen heute unsern Lesern einige der verschiedenen Kampfweisen vor, die bei den mörderischen Schlachten um Sebastopol am Meisten in Anwendung kommen, und wodurch die französischen Scharfschützen mit ihren weittragenden Büchsen zum Schrecken der Russen geworden sind.

Der Platz der Scharfschützen, Jäger zu Fuß, ist meist in den Trancheen (Laufgräben), deren Anlegung vor Sebastopol äußerst schwierig war, weil das felsige Terrain durchschnittlich nur mit zwei Ellen steiniger Erde bedeckt ist, welche im Aufwurf wenig Schutz gegen die Kugeln der Artillerie gewährte und weshalb daher meist mit Erdsäcken nachgeholfen werden mußte. Durch die Schießscharten der Trancheen unterhalten die Jäger ihr mörderisches Feuer; häufig sind es nur Löcher, groß genug für einen Mann, wo sie drin stehen, und an der angebrachten Schießscharte eifrig die Gelegenheit zum Schuß erwarten. In offener Feldschlacht sind die Jäger wieder unter den Vordersten, und kriechen mehr als

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Türkische Infanterie, einen Transport überfallend.

Das griechische Bataillon von Balaklava.

[615] daß sie gehen, auf dem Terrain herum, wo sie für den Feind fast unsichtbar ihre tödtenden Kugeln unaufhörlich in seine Reihen senden.

Französische Scharfschützen in ihren Feldschanzen.

Angriff französischer Jäger vor Sebastopol.

Unsern kriegerischen Gebilden in der heutigen Nummer fügen wir weiter eine Abbildung des griechischen Bataillons von Balaklava bei, das vielleicht unsere Leser hier zum ersten Male nennen hören. Die Entstehung dieses Bataillons geht in das vorige Jahrhundert zurück, als Rußland während seiner Kriege mit den Türken Aufruf um Aufruf an die griechische Nationalität ergehen ließ. Balaklava, schon damals von Griechen bewohnt, folgte diesem Aufruf, und fügte mit seinen Schiffen den Türken hauptsächlich zur See großen Schaden zu; später nahmen dieselben Griechen lebhaften Antheil an der Eroberung der Krim, halfen das Ende der Tartarenherrschaft nicht wenig beschleunigen, und wurden durch ihre blutige Grausamkeit der Schrecken aller ihrer Glaubensfeinde.

Als die Unterwerfung der Krim vollendet war, sann die russische Regierung darauf, den wilden griechischen Streitern eine friedlichere Aufgabe zuzuertheilen, und vereinigte sie deshalb zu einer Colonie, welche die Stadt Balaklava nebst deren Territorium zum Wohnsitz angewiesen erhielt. Das militärische Corps, das die Griechen dabei noch immer bildeten, empfing eine neue Organisation, und wurde in acht Legionen eingetheilt, welche man nach hellenischen Provinzen, als die spartanische, macedonische, epirotische etc. Legion, benannte, womit dem Stolze und den nationalen Erinnerungen der Griechen geschmeichelt werden sollte.

[616] Diese Organisation bestand bis unter Kaiser Paul I. fort. Die militairischen Reformen, mit welchen genannter Fürst sich befaßte, erstreckten sich auch auf die hellenischen Legionen. Er theilte sie unter dem Namen „griechisches Bataillon von Balaklava“ in drei Legionen ein, roth und gelb uniformirt, wie sie es heut noch sind. Der Mann bezieht jährlich 28 Rubel Sold, wofür er sich jedoch selbst equipiren muß. Die Bestimmung, daß ihr Dienst nur vier Monate im Jahre dauern soll, und sie die acht übrigen der Bebauung des Bodens widmen können, ist im Verlauf der Zeit verschiedenen Abänderungen unterlegen.

Bei den früher bisweilen die Krim noch immer durchzuckenden Gährungen that sich diese Truppe durch tapfere und treue Dienstleistungen hervor, wofür ihr die ausschließliche Ehre zu Theil wurde, die Eskorte der russischen Herrscher auf deren Reisen durch die Krim zu bilden. Später wurde das Corps mit zur Ueberwachung der Küste verwendet. Unter der Verwaltung des Fürsten Woronzoff geschah es gleichwohl, daß eine der Legionen als Besatzung in eins der kleinern kaukasischen Forts gelegt wurde, wo die Mannschaft, einem verschlagenen Feinde gegenüber, sich hervorzuthun Gelegenheit hatte. Gegenwärtig nimmt das Bataillon an den großartigen Kämpfen Theil, die um die Wälle von Sebastopol toben, und wurde auch in einem der jüngsten Berichte des Fürsten Mentschikoff seiner Tapferkeit wegen mit großem Lobe erwähnt.