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Auf dem Deck eines Bodenseedampfers

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Textdaten
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Titel: Auf dem Deck eines Bodenseedampfers
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 407-408
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[405]

Auf dem Deck eines Bodenseedampfers.
Nach dem Leben gezeichnet von R. Mahn.

[407] Auf dem Deck eines Bodenseedampfers. (Zu dem Bilde S. 405.) Herrlicher und großartiger gestaltet sich von deutscher Seite aus der Einzug in die Alpenwelt nirgends, als wenn man ihr an schönem Sommertage über den strahlenden Spiegel des Bodensees entgegenfährt. Wie majestätisch heben sich die leuchtenden Hochspitzen der Algäuer Alpen, die gewaltigen Massen der Silvrettagruppe mit der Seesaplana, der Churfirsten und des firnumpanzerten Säntis über die grüne Fläche des Schwäbischen Meeres! Welche Fülle ungezählter anderer Alpenriesen läßt uns nicht die Schweiz im blauen Ferndust erschauen! Und wie lieblich ist dieser Welt erhabener Größe das anmutige Gelände vorgelagert, [408] welches sich vom Einfluß des Rheins in den Bodensee bis zum Ausfluß desselben mit seinen grünen Matten und Obstbaumhainen, seinen hellschimmernden Dörfern Schlössern und Landhäusern am Ufer hinzieht, die Städte Rorschach, Arbon, Romanshorn, Konstanz traulich umrahmend. Von ihnen allen bringt den Reisenden eine kurze Eisenbahnfahrt mitten in die Alpen hinein, an die Ausgangsstationen der berühmtesten Alpenstraßen. Es ist daher kein Wunder, daß der Bodensee längst schon die besuchteste Eingangspforte zur Schweiz ist. Noch wesentlich zugenommen hat der Verkehr seit Eröffnung der Arlbergbahn deren kühner Schienenweg von Lindau und Bregenz aus mitten ins Herz von Tirol führt. Die Dampfschiffahrt auf dem See zeigt sich all diesen Ansprachen in erfreulichster Weise gewachsen. Gegen 50 Dampfer vermitteln den regen Verkehr zwischen den deutschen, österreichischen und schweizer Hafenstädten und all den anziehenden kleineren Ortschaften die den See mit seinen Ausläufern nach Ueberlingen und Radolfzell umkränzen. Und ob man nun vom bayrischen Lindau, vom württembergischen Friedrichshafen oder dem badischen Konstanz aus sich den alpenumrahmten Ufern von Vorarlberg und der Schweiz nähert, überall ist der Ausblick, den man vom Schiff aus genießt gleich reizvoll. Die ansprechende Einrichtung der schnellfahrenden Dampfer ist ganz dazu angethan, die Fahrt durch die erfrischende Seeluft, durch welche Möwen ihre Kreise ziehen, auch sonst zu einem Vergnügen zu machen. Und das bunte Gemisch der Touristenwelt bietet zudem auf dem Schiffe selbst den Augen genug des Interessanten zur Beobachtung. Auf der Erholungsreise, die der Ausspannung der Nerven dienen soll, läßt sich der Mensch leichter gehen als daheim. Die Sorge, was die lieben Nachbarn zu unserem Thun und Lassen sagen, entschlummert, wenn diese Nachbarn Fremde und Genossen auf fröhlicher Fahrt durch die Fremde sind. Das junge Ehepaar, das eben seine Hochzeitsreise angetreten, lebt, unbekümmert um die Mitreisenden, in vertraulichem Gespräch ganz seinem Glück. Und ein älteres, dem eine Kleinigkeit – wie das so vorkommt – zum Anlaß großer Verstimmung wurde, benutzt die Situation auf dem Schiffsdeck, um die innere Entfremdung auch äußerlich zu markieren. Trotzig verharrt der empfindliche Ehemann auf seinem Sessel, während seine noch empfindlichere, „schönere Hälfte“ über das Schiffsgeländer sich ihm „gänzlich abgeneigt“ zeigt. Sie ist ihres Sieges gewiß. Schon lächelt sie vor sich hin – sie kennt ihren Mann. Und bald werden beide, wieder versöhnt, lächelnd zusammen hinausschauen auf die sonnenbeglänzte lachende Bodenseelandschaft.P.