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Auch eine Trauung

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Auch eine Trauung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 16
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[15] Auch eine Trauung. Vor circa vierzehn Tagen lief durch alle Zeitungen eine Notiz über die beiden österreichischen Flüchtlinge Kudlich, wovon der jüngere die Schwester Vogt’s, des bekannten Naturforschers und Parlamentsmitgliedes, geheirathet hat und später nach Amerika auswanderte. Indeß nur Wenigen dürfte das Nähere dieser Heirath bekannt sein. Hans Kudlich hatte, ziemlich entblößt, Aufnahme im Vogt’schen Hause in Bern gefunden, und verliebte sich in die Tochter Louise. Aber was hatte er? Was war er? Er hatte noch nicht einmal seine juristischen Studien beendet, und hätte er sie beendet gehabt, was hätte es ihm gefruchtet? Die Rechtswissenschaft ist an die Scholle gebunden. Er beschloß daher, sich einer kosmopolitischen Wissenschaft zuzuwenden, sattelte um, studirte Medicin an der Hochschule zu Bern und Zürich, und erwarb sich in kurzer Zeit alle medicinischen Grade. Darauf bat er um die von anderer Seite nicht unbestrittene Hand Louisens, welche ihm bewilligt wurde. Aber siehe da, es fehlten ihm alle Papiere, ohne welche auch in der Schweiz eine Trauung unmöglich ist, die blos bürgerliche so gut wie die kirchliche. So wäre er also durch seine revolutionären Sünden nicht blos zum Exil, sondern mittelbar auch zum Cölibate verdammt? – Da lud sich der Vater Vogt eine Anzahl ehrenwerther Freunde ein, nahm die Brautleute bei der Hand, legte die beiden Hände in einander und sagte: „Da habt Ihr Euch und obendrein meinen väterlichen Segen!“ – Und damit war Alles in Ordnung. In Amerika werden sie leicht nachgeholt haben, was ihnen an äußeren Formen fehlte.