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Arbeitsschule

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Arbeitsschule
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 656–657, 667
Herausgeber: Ernst Ziel
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1884
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[656–657]

Arbeitsschule. 0 Nach dem Oelgemälde von Otto Piltz.
Nach einer Photographie im Verlage von Löscher und Petsch in Berlin.

[667] Arbeitsschule. (Mit Illustration S. 656 und 657.) Zu den erquicklichsten Vergnügungen gehört das Belauschen und Beobachten stiller geselliger Thätigkeit, und die Künstler, welche uns durch ihre Darstellungen einen Einblick in die Räumlichkeiten ermöglichen, wo sich solche Scenen friedlichster Arbeit abspielen, werden allezeit ein dankbares Publicum um sich versammeln. Wie gern stehen wir vor dem Bilde des einsamen Denkers, oder des Malers, der, von seinem Werke beglückt, stillselig am Abend die Fortschritte des Tages betrachtet, oder der emsigen Stickerinnen in dem Gebirgsdorfe, wo Frauen und Mädchen die Kunst ihrer Nadel üben und der Großvater das jüngste Kind in der Wiege hütet, oder jenes stillvergnügten Nähens im friedlichen Stübchen! Unsere Künstler haben uns schon mit vielen sinnigen Darstellungen dieser Art erfreut. Aber diesmal thut Otto Piltz ein Uebriges, indem er uns mit einem ganzen Blumenbeet voll heitersten, lieblichsten Blüthenlebens überrascht, mit einer Schaar von Mädchen, deren Kindergesichtchen uns Auge und Herz festhalten an dem Bilde, das trotz der Einfachheit der vorgeführten Handlung uns doch durch eine reiche Mannigfaltigkeit der Gestalten anlockt. Sie stricken nur, diese kleinen Mädchen, welche die vorderste Gruppe unserer Illustration bilden, aber ist nicht jede einzelne so charakteristisch in ihrem Thun und Treiben, daß sie für sich ein fertiges Bildchen giebt? Man möchte jedes einzelne dieser lieblichen Kinder schildern, wenn das nicht unnützes Beginnen für unsere Leser wäre, da sie ja selbst alle vor Augen haben. Und auch im Hintergrunde, wo eine höhere Stufe weiblicher Thätigkeit erstiegen, wo das Nähen gelehrt und geübt wird, erfreut uns der Anblick des stillen Fleißes der Lehrenden und der Lernenden. Freilich sollten wir das Wörtchen „still“ nicht zu stark betonen, denn ob die kleinen Mündchen „Ruhe als die erste Bürgerpflicht“ anerkennen und halten, dürfte doch nicht ganz „zweifelsohne“ sein. Vor unserem Bilde stört uns dieser Zweifel nicht; es thäte nicht einmal wohl, die hübschen Plappermündchen sich alle schweigend zu denken.