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Antworten (Weltbühne, 1932, Nr. 27)

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Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Antworten
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aus: Die Weltbühne. 28. Jahrgang 1932, Nummer 27, Seite 37–38.
Herausgeber: Carl von Ossietzky
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Erscheinungsdatum: 5. Juli 1932
Verlag: Verlag der Weltbühne
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Internet Archive
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[37] Antworten

Preußisches Finanzministerium. Die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen den Freispruch Ossietzkys eingelegt. Kannst du eine derartige unverantwortliche Verschleuderung von Steuergeldern dulden?

Oberbürgermeister Külz, Dresden. Immer noch der Alte! Seitdem Sie durch Ihr Schund- und Schmutzgesetz einen sehr beachtlichen Nagel zum Sarg der Demokratischen Partei geliefert haben, scheinen Sie nichts hinzugelernt zu haben, im Gegenteil. Locken Sie die Sporen Ihres Kollegen Bührer? Am 13. Juni haben Sie im dresdner Stadtverordnetenkollegium eine feurige Verteidigungsrede für die Zurückziehung von Pliviers „Des Kaisers Kulis“ aus der städtischen Bibliothek gehalten und sich damit die Ihnen gespendeten Bravorufe der Nationalsozialisten redlich verdient. Sie behaupten, die Gefühle Andersgesinnter seien durch das Buch verletzt worden. Wer zwingt denn die „Andersgesinnten“, sich grade dies Buch auszuleihen? Ihre Stadtbibliothek muß ja allmählich ein nettes Niveau bekommen, wenn nur noch Bücher ausgeliehen werden dürfen, die bei keinem „Andersgesinnten“ Anstoß erregen. Da wäre es am einfachsten, Ihr Stadtrat dekretierte: Ausgeliehen werden nur Bücher ohne Gesinnung! Allerdings wäre dann nicht einmal Karl May mehr ganz sicher vor dem Interdikt.

Adolf Hitler. Sie haben erklärt: „Im Dritten Reich wird jede Frau einen Mann haben.“ Da es laut Statistik erheblich mehr Frauen als Männer gibt, werden Sie einen Schritt weiter gehen und ein paar Millionen Männern je zwei Frauen zuweisen müssen. Die Schwierigkeit wird nur darin bestehen, ob diese doppelte Beglückung als Belohnung oder als Strafe verhängt werden soll.

Königsberger Allgemeine Zeitung. Du bist eine Fälscherin. In seinem Artikel über „Die bedrohte Provinz“ schrieb unser Mitarbeiter Rudolf Olden: „Aber der dickste Nervenstrick muß ins Zittern kommen, wenn Dinge gesagt und getan werden, die Herrn Goerdelers Meinung entsprechen, daß es ‚hart auf hart‘ kommen werde, weil so seine ostpreußischen Landsleute seien. Es gibt, dazu brauchen wir keine Erklärung des Reichskabinetts, kein ostpreußisches, kein badisches, kein sächsisches Volk, – es gibt nur ein deutsches Volk. Und wollen oder sollen wir uns in eine Kriegspsychose stürzen, so muß Ostpreußen nicht grade darin allein stehen. Kein polnisches Kind ist kindisch genug, zu glauben, daß es einen Krieg Polens gegen Ostpreußen geben könne. Nur den ostpreußischen Kindern wird das eingeredet.“ Das „zitierst“ Du auf Deine Weise. Du machst einen Punkt, wo ein Komma steht, und läßt den Nebensatz „weil so seine ostpreußischen Landsleute seien“ weg. Du bist eine Fälscherin. Du läßt das Bekenntnis Oldens zur Einheit Deutschlands weg und „zitierst“ weiter: „Kein polnisches Kind ist kindisch genug, zu glauben, daß es einen Krieg Polens gegen Deutschland geben könne“. Wo Olden „Ostpreußen“ schrieb, schreibst Du „Deutschland“. Du bist eine Fälscherin. Warum fälschst Du? Weil man Dir dafür auf die Finger geklopft hat, daß Du durch Deine schamlose Reklame ein Geschäft aus der Kriegshetze gemacht hast. Du bist eine Fälscherin.

Deutsche Liga für Menschenrechte. Euer Vorstand hat sich mit einer Eingabe an den Reichsinnenminister gewandt, in der die Freigabe des Rundfunks während des Wahlkampfes an alle Parteien, daher auch an die KPD, gefordert wird. Die Eingabe bezieht sich auf den Standpunkt des Kabinetts Marx, das im Jahre 1924 der damals verbotenen Kommunistischen Partei das Recht auf Wahlpropaganda zugestand.

Roter Aufbau. Eure neuste Nummer beschäftigt sich auf Grund sehr fundierten Materials mit der Finanzierung der Hitlerbewegung. [38] Die Lektüre des Heftes sei allen Interessenten angelegentlichst empfohlen.

Schriftsteller. Die am 29. Juni 1932 in den Kammersälen tagende ordentliche Mitgliederversammlung der berliner Ortsgruppe des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller faßte nach Anhörung der Referate von Otto Corbach, Erich Franzen, Arnold Zweig, Peter Flamm und K. A. Wittfogel über das Thema „Der Krieg und der Schriftsteller“ folgende Entschließung: „Kriegshetzer bedrohen in allen kapitalistischen Ländern Kultur und Frieden. In Verbindung damit überschwemmt eine Welle schwärzester Reaktion die Welt. Jede Opposition soll mit blutigen fascistischen Mitteln niedergeschlagen werden. Den Schriftstellern, die sich Freiheitsgefühl und Kämpfermut bewahrt haben, obliegt unter den gegebenen Zuständen die Pflicht: Kampf mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Kulturkatastrophe eines neuen Weltkrieges; Zusammenschluß mit allen Schichten der Bevölkerung, die wahrhaft gegen den Krieg und gegen die Bedrohung des Aufbaus in der Sowjetunion zu kämpfen bereit sind. Für Freiheit und Frieden! Gegen Krieg und Fascismus!“

Rudolf Schmeer, M. d. R. Sie haben bei der Trauerfeier für den von Kommunisten erschossenen SA-Führer Hambückers gesagt: „In Wilhelm Hambückers verliert die deutsche Freiheitsbewegung einen ihrer besten Kämpfer“. Wie die ‚Kölnische Volkszeitung‘ feststellt, war Hambückers dreizehnmal vorbestraft, wegen schwerer Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Bedrohung, Widerstand, Hehlerei, Schmuggel, schließlich wegen Ausgabe falscher Banknoten zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Sie nennen ihn trotzdem „einen der Besten“. Das Strafregister der minder guten Ihrer Parteigenossen muß reizvoll sein.

Allgemeine Marburger Studentenschaft. Ihr habt in Eurer letzten Kammersitzung beschlossen, neben andern „marxistisch-pazifistischen“ Zeitschriften auch die ‚Weltbühne‘ aus der Akademischen Lesehalle zu entfernen, weil sie „staats- und kulturzersetzend“ sei. Wacker, ihr teutschen Jünglinge! Das Goethejahr scheint uns vorbestimmt dazu, für alle akademischen Lesehallen das Monopol der Hitlerliteratur wie einen rocher de bronze zu stabilieren. Im Interesse der deutschen „Kultur“, die eure Kollegen den Andersgesinnten mit den schlagendsten Argumenten beizubringen gewohnt sind.

Weltjugendliga. In Gemeinschaft mit mehreren andern Gruppen wollt ihr in diesem Sommer zum ersten Mal seit dem Kriege gemeinsame Wanderungen der belgischen und deutschen Jugend veranstalten. Wer sich dafür interessiert, erfährt Näheres gegen Einsendung des doppelten Briefportos bei Karl Obermann, Köln-Bickendorf, Akazienweg 33. In eurem Zentralsekretariat Berlin-Schöneberg, Möllendorfstraße 84–85, ist gegen Einsendung von 0,15 Mark in Briefmarken ein Kalender zu beziehen, der über alle Tagungen, Treffen und Wanderungen unterrichtet, die der Völkerverständigung dienen.