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Ankündigung des Stierkampfes

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Textdaten
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Titel: Ankündigung des Stierkampfes
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 249, 260
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[249]

Ankündigung des Stierkampfes.
Nach dem Gemälde von G. J. Franke.

[260] Ankündigung des Stierkampfes. (Zu dem Bilde S. 249.) Eine sehr lebensvolle, frisch aus dem spanischen Volksleben herausgegriffene Scene bietet uns G. J. Franke in seinem Bilde, zu dem er in einer andalusischen Stadt Studien gesammelt haben mag. Ein großes Plakat ist soeben an die Mauer angeschlagen worden; auf diesem wird angekündigt, daß der berühmte Stierkämpfer Frascuelo am nächsten Donnerstag auf der Plaza de Toros in der Stierkampfarena erscheinen wird, und diese Benachrichtigung bringt eine gewaltige Erregung bei der gesamten Straßenbevölkerung hervor. Alle Geschäfte werden plötzlich unterbrochen. Der Fischhändler hört auf, auszurufen, der Wasserverkäufer bietet sein frisches Agua nicht mehr an, der Barbier läuft aus seinem Laden, der Weinwirt tritt aus seiner Thür, der Zwiebelbauer stellt seinen Korb ab und alles wendet sich voll Teilnahme der Ankündigung dieses nationalen Schauspieles zu, das den Spaniern das Höchste neben der Messe ist. Nun wird mit Eifer und Erregung das große Ereignis besprochen und eine gewaltige Spannung bemächtigt sich des Volkes – der Markt und die Plätze wimmeln von bunten Volksgestalten und der Name Frascuelos schwirrt umher und ist auf aller Lippen – die Cafés, die Limonadenschenken füllen sich und in den dunkeln Weinwirtsstuben wird viel herber dunkler Wein aus seltsamen Glaskannen mit langem Glasschnabel daran direkt in den Mund gegossen und dazwischen viel und gewichtig über den berühmten Stierkämpfer diskutiert. Ja, man ist in Spanien und der Held der Plaza de Toros ist dem Volke eine wichtigere Person als ein neuer Gouverneur oder Staatsminister – das spricht aus dem Bilde Frankes uns lebhaft entgegen.

Andere Völker, andere Sitten. Wir können Stier- und Hahnkämpfen keinen Geschmack abgewinnen, ja, müssen solche Schaustellungen als Roheit verdammen. Orientalische Barbaren haben die Stiergefechte nach Spanien verpflanzt und sie haben leider nicht nur bei den Spaniern, sondern auch bei den Südfranzosen Anklang gefunden. Seit Jahrhunderten werden jährlich Tausende von Stieren und Pferden in grausamster Weise zerfleischt und Menschenleben aufs Spiel gesetzt. Hoffen wir, daß die fortschreitende Gesittung endlich diesen barbarischen Spielen in Europa ein Ende bereiten werde!