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An die Sonne

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Textdaten
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Autor: Friedrich Schiller[1]
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Titel: An die Sonne
Untertitel:
aus: Anthologie auf das Jahr 1782, S. 16 – 18
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1782
Verlag: J. B. Metzler
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[16]
An die Sonne.


Preis dir, die du dorten heraufstrahlst, Tochter des Himmels!
     Preis dem lieblichen Glanz
Deines Lächelns, der alles begrüsset und alles erfreuet!
     Trüb in Schauern und Nacht

5
Stand begraben die prächtige Schöpfung: todt war die Schönheit

     Lang dem lechzenden Blik:
Aber liebevoll stiegst du früh aus dem rosigen Schoose
     Deiner Wolken empor,
Wektest uns auf die Morgenröthe; und freundlich

10
     Schimmert diese herfür,

Ueber die Berg’ und verkündete deine süsse Hervorkunft.
     Schnell begann nun das Graun
Sich zu wälzen dahin in ungeheuern Gebürgen.
     Dann erschienest du selbst,

[17]
15
Herrliche du, und verschwunden waren die neblichte Riesen!

     Ach! wie Liebende nun
Lange getrennt liebäugelt der Himmel zur Erden, und diese
     Lächelt zum Liebling empor;
Und es küssen die Wolken am Saume der Höhe die Hügel;

20
     Süsser athmet die Luft;

Alle Fluren baden in deines Angesichts Abglanz
     Sich; und es wirbelt der Chor
Des Gevögels aus der vergoldeten Grüne der Wälder
     Freudenlieder hinauf;

25
Alle Wesen taumeln wie am Busen der Wonne:

     Seelig die ganze Natur!
Und dieß alles o Sonn’! entquoll deiner himmlischen Liebe.
     Vater der Heil’gen vergieb,
O vergieb mir, daß ich auf mein Angesicht falle

30
     Und anbete dein Werk! –
[18]

Aber nun schwebet sie fort im Zug der Purpurgewölke
     Ueber der Könige Reich,
Ueber die unabsehbarn Wasser, über das Weltall:
     Unter ihr werden zu Staub

35
Alle Thronen, Moder die himmelaufschimmernden Städte;

     Ach! die Erde ist selbst
Grabeshügel geworden. Sie aber bleibt in der Höhe,
     Lächelt der Mörderin Zeit
Und erfüllet ihr groses Geschäft, erleuchtet die Sphären.

40
     O besuche noch lang

Herrlichstes Fürbild der Edeln! mit mildem freundlichem Blicke
     Unsre Wohnung, bis einst
Vor dem Schelten des Ewigen sinken die Sterne
     Und du selbsten erbleichst.

W.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Die Autorschaft des Textes ist nicht zu hundert Prozent geklärt. Eduard Bülow ordnet die Chiffre W. einem nicht genannten Freund Schillers zu, mit der Begründung, die Texte unter diesem Kürzel haben weder Uebung in der Form, noch poetische Anschauung und sie stammen wahrscheinlich insgesammt von einem jungen erregbaren Freunde Schillers her, der sich von dem Schwunge des Dichters mit in die Höhe reißen ließ und nur oben nicht auf eignen Füßen stehen konnte, sondern platt hinfiel.
    Auch Eduard Boas schließt Schiller aus, da die Texte dieser Chiffre zwar wortreich[e], aber gedankenarm[e] seien. Er vermutet eher Petersen als Verfasser dieser Oden.
    Allerdings befindet sich laut Aug. Henneberger eine ältere Fassung des Gedichts im Nachlass von Christophine Reinwald, der Schwester von Friedrich Schiller. (Mitgeteilt in Aug. Henneberger: Dtsch. Museum 1859, S. 778 u. 945.) Dies veranlasste Edmund Goetze das Gedicht – sowie alle weiteren Texte, die das Kürzel W. tragen – Schiller zuzuordnen.
    Genaueres in:
    • Edmund Goetze: Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen von Karl Goedeke. Zweite ganz neu bearbeitete Auflage. Fünfter Band - Vom siebenjährigen bis zum Weltkriege. Zweite Abteilung. Dresden: Verlag von L. Ehlermann, 1893, Seite 166f.
    • Eduard Boas; Wendelin von Maltzahn (Hrsg.): Schiller’s Jugendjahre. – Zweiter Band. Hannover: Carl Rümpler, 1856. Seite 198 f.
    • Friedrich Schiller; Eduard Bülow (Hrsg.): Anthologie auf das Jahr 1782 von Friedrich Schiller — Mit einer einleitenden Abhandlung über das Dämonische und einem Anhange neu herausgegeben von Eduard Bülow. Heidelberg: Verlag von Bangel & Schmitt; Hoffmeister’sche Univ.-Buchhandlung, 1850. Seite XXXIX.