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Am Kellersee bei Eutin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: D. Th.
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Titel: Am Kellersee bei Eutin
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 333, 336
Herausgeber: Ernst Ziel
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1885
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[333]

Am Kellersee bei Eutin.
Nach dem Oelgemälde von Fr. Ebel.

[336] Am Kellersee bei Eutin. (Mit Illustration S. 333.) Holstein ist so reich an herrlichen Buchenwäldern wie an lieblichen Seen. Freilich können diese letzteren mit der großartigen Schönheit der Seen in den Bergen nicht wetteifern; aber so anheimelnd, so friedlich licht und heiter, wie im östlichen Holstein, findet man sie nirgends sonst. Weithin bekannt seiner prachtvollen Lage wegen ist der wald- und hügelumkränzte Ukleisee, nicht so eigenartig, aber doch auch herrlich schön der Dieksee und zwischen beiden der heitere Kellersee.

Der Kellersee liegt inmitten der reizvollsten Gegend des östlichen Holstein, die während der Sommerzeit das Ziel zahlreicher Touristen bildet. Zwischen dem Uklei- und dem Kellersee findet man an den Ufern des letzteren das freundliche Dorf Sielbeck, am entgegengesetzten Ostende des Sees das Kirchdorf Malente mit dem Godenberg, einem alten heidnischen Begräbnißplatze, auf welchem früher oft Aschenkrüge und viele der Steinzeit angehörige Gegenstände gefunden wurden. An der lieblichen Schwentine, die unsern See mit dem benachbarten Dieksee verbindet, trifft man auf Gremsmühlen, die am schönsten gelegene Ortschaft im ganzen östlichen Holstein. Nicht fern liegt zwischen den Eutiner Seen die Geburtsstadt Karl Maria von Weber’s, Eutin, ehemals Sitz des Fürstbischofs von Lübeck; zu der weiteren Umgebung gehört auch der Bungsberg, der höchste Punkt Ostholsteins, von dessen Spitze aus gegen dreißig Thürme umliegender Städte und Kirchorte zu übersehen sind.

Ein reizender Ausblick auf den See bietet sich vom Prinzenholze aus, doch sind zahllose weitere Partien ebenso anziehend und manche Walddurchsicht wetteifert mit der vom Künstler unseres Bildes wiedergegebenen. Ein kleiner Dampfer erleichtert die Verbindung zwischen den umliegenden Ortschaften und bietet Gelegenheit, die hervorragendsten Uferpartien auch vom See aus an sich vorüberziehen zu lassen.

Die silbern schimmernden Stämme der Buchen erscheinen wie Säulen, hier und da blickt aus üppigem Grün ein Haus, die freundlichen Dörfer sind umgeben von reichen Saatfeldern. Lachend blau wie der Himmel ist der See selbst und ohne Falsch wie die Menschen, die an seinen Ufern wohnen. Ein gemüthstiefer Dichter hat von dem See und seiner Umgebung ein Stimmungsbild entworfen, das poetisch schön und wahr zugleich ist: Johann Heinrich Voß, dessen Grünau in „Luise“ kein anderer Ort ist, als das reizvolle Kirchdorf Malente, und dessen ansprechendstes Landschaftsbild in der gleichen Dichtung fast allein von der südwestlichen Gegend des Kellersees entnommen ist. „Stehn wir ein wenig still? Mir klopfet das Herz!“ läßt er Luise sagen. Und bald fährt er fort:

 „Wie erfrischend
Ueber den See die Kühlung heraufweht! Und wie die Gegend
Ringsum lacht! Da hinab langstreifige, dunkel und hellgrün
Wallende Korngefilde; mit farbigen Blumen gesprenkelt!
O des Gewühls, wie der Roggen mit grünlichem Dampfe daherwogt!
Dort in fruchtbaren Bäumen das Dorf, so freundlich gelagert
Um den geschlängelten Bach, und der Thurm mit blinkendem Seiger!
Oben das Schloß hellweiß in Kastanien! Vorn auf der Wies’ hin
Röthliche Küh; und der Storch, wie vertraut er dazwischen einhertritt!
Dort die schimmernde Bläue des Sees um den waldigen Hügel!
Dort Heuschober gereiht, dort Mähende! Aber wir selbst hier,
Vom Buchweizen umblüht, im Gesums eintragender Bienen!
Schaut doch umher, ihr Kinder, und freuet euch!“ – –

Nur „oben das Schloß hellweiß in Kastanien“ ist vom Dichter eingelegt, im Uebrigen aber sein Stimmungsbild eine farbenfrische Schilderung auch des Kellersees von heute, der nichts von seinen Reizen eingebüßt hat und Naturfreunde heute noch ebenso durch seine Schönheit entzückt, wie zu des Dichters Zeiten. D. Th.